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Hanna Böhm:

 

„Mein Gott, wie sieht Petra nur aus! Ihre ganzen Körperumrisse von Stoff verhüllt. Nur ihr Kopf ist unbedeckt, aber ihr wunderschönes, kastanienbraunes Haar liegt streng geknotet an ihrer Kopfhaut.",dachte ich im Stillen. „Hi, Petra! Wie geht's? Lange nicht gesehen. Was treibst du so?",begrüßte ich sie. Doch Petra zeigte nur auf ihren Mund, der fest verschlossen blieb und schüttelte vehement mit dem Kopf. „Kannst du nicht sprechen, bist du krank? Und was trägst du für komische Klamotten?“ frug ich besorgt. Doch Petra schüttelte weiter ihren Kopf und tat mit den Händen so, als wolle sie mich verscheuchen. Dann setzte Petra sich auf ihren Platz und ignorierte mich völlig. „Na, warte. Mich wirst du so schnell nicht wieder los! Jetzt habe ich Blut geleckt. Ich will wissen was mit dir los ist, mein Früchtchen.“,dachte ich und schrieb Julia per WhatsApp. „Unsere Freundin hat mich knallhart abgeblockt! Aber nicht mit mir, ich bleibe dran und melde mich, wenn ich was Neues weiß.“ Diskret folgte ich ihr nach dem Unterricht bis zur Bushaltestelle. Ich wusste nichts von ihrem Umzug nach Marxloh als sie in den Bus nach Duisburg–Marxloh stieg. „Scheiße, die will nach Marxloh, dem Moslem-viertel! Ich in meinen Klamotten kriege da sicher richtig Stress. Sei ein tapferes Mädchen. Die Moslems werden dich nicht gleich töten.“,dachte ich und schlüpfte hinten an den Aussteigenden vorbei ungesehen in den Bus. Ich hielt ihr Schülerticket hoch, damit der Busfahrer es im Rückspiegel sehen konnte und mich nicht für eine Schwarzfahrerin hielt. Ich setzte sich ganz nach hinten hinter einen groß gewachsenen Mann. Je mehr wir uns Marxloh näherten, desto exotischer wurden meine Mitreisenden. Dann stiegen drei junge Arabs ein, sie benahmen sich, als ob ihnen der Bus gehörte. Sie gingen ohne zu bezahlen laut gestikulierend nach hinten, wo sie auf mich trafen. „Hey, Bitch! Hast du dich verirrt. Wir dulden in unserem Stadtteil keine nackten Weiber.“, brüllte der Anführer Hanna an. „Das ist auch meine Stadt und ich lass mir von dir Kanaken nicht sagen wo und was ich an haben darf!“ brüllte ich zurück. Er packte in mein Haar, zog meinen Kopf zurück und spuckte mir in den vor Schrecken weit geöffneten Mund. Dann hielt er mir Mund und Nase zu, bis ich seine Rotze runter schlucken musste. “Halt dein freches Maul und wage ja nicht aus zusteigen!“ Unter lautem Gejohle stiegen sie dann aus. Das blieb den anderen Passagieren nicht verborgen, auch Petra nicht, die zu mir rüberschaute. „Mist! Als Detektiv bist du eine Niete!“ dachte ich und tat als wäre nichts passiert. Als der Bus sich der nächsten Haltestelle näherte, sah ich, obwohl ich immer noch mit einem Brechreiz zu kämpfen hatte, wie Petra aufstand und sich ein großes Tuch über den Kopf zog. So sah sie aus wie eine streng gläubige Muslimin. Man sah nur noch die Augen und die Nase und den Mund in einem kleinen Dreieck. Sie ging zur Mitte des Busses und um aus zusteigen, drückte sie den Halteknopf. Der Bus hielt und ich lief zum Ausgang, um Petra, die schon ausgestiegen war, möglichst unauffällig zu folgen. Ich hätte gut daran getan im Bus zu bleiben, denn hier war ich in meinem kleinen, dünnen Sommerkleidchen ein sehr auffälliger Schmetterling zwischen all den sittsam gekleideten Musliminnen. Trotz allem versuchte ich Petra zu folgen und lief prompt wieder in die Arme der zornigen, jugendlichen Arabs. „Hey, Bitch! Unser Bro hat gesagt, wenn du hier auftauchst, sollen wir dich ein wenig streicheln. Hast du noch nicht genug Rotze geschluckt? Ich hab‘ da noch was ganz Leckeres für dich!“ Ehe ich mich versah wurde ich in eine dunkle Toreinfahrt gezogen und brutal verprügelt. Am Boden liegend pissten sie auf mich und ließen mich im Dreck liegen. „Hanna, um Gottes Willen! Was machst du hier?“ Ich sah nur ein schwarzes Gespenst durch meine zu geschwollenen Lider. Aber ich erkannte Petras Stimme und ließ mich von ihr aufhelfen. „Komm, ich bring dich in Sicherheit. Dort wird man sich, um dich kümmern.“ Mühsam schleppte ich mich von Petra gestützt von dort fort. Petra führte mich in einen Hof, wo wir mit lautem weiblichen Geplapper empfangen wurde. „Bitte, helft meiner Freundin, sie ist überfallen worden!“ sagte Petra. Eilig kam ein Mann im langem Gewandt und Vollbart zu ihnen und befahl: „Los, worauf wartet ihr? Helft der armen Frau! Versorgt ihre Wunden und wascht sie und gebt ihr saubere Kleidung! Nun, macht schon!“ Als hätten die Frauen nur darauf gewartet, dass ihnen ein Mann sagt, was zu tun ist, wurde ich von ihnen ins Gebäude gebracht und sie taten, wie befohlen. Als ich halbwegs versorgt war, brachten sie mich in einen Raum ohne Möbel nur mit Teppichen und großen Kissen ausgestattet. Dort setzten sie mich auf ein Kissen und gaben mir Tee zu trinken. Sie ließen mich daraufhin allein. Langsam kam ich wieder zu mir. Ich erholte sich ungewöhnlich schnell von dem Schock und begann die Ruhe und den Frieden dieses Ortes zu genießen. Ich kuschelte mich in die Kissen und schlief bald ein.