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Hanna:

 

Stunden später betrat der Mann begleitet von Petra den Raum. „Hallo, Hanna! Ich hoffe, es geht dir jetzt etwas besser. Mein Name ist Ibrahim. Ich bin der Imam dieser Moschee und Leiter der Koranschule. Ich habe uns Tee mitgebracht. Meinst du, wir können jetzt reden?“ Ich nickte nur. Petra schenkte mir Tee ein und obwohl sie vollkommen verschleiert war, erkannte ich sie sofort wieder. „Was heute passiert ist, ist eine Schande für meine Gemeinde! Wir werden die Jungen hart bestrafen, dass wird ihnen eine Leere sein. Aber die Demütigung und den Schmerz, den du erlitten hast, kann dir niemand abnehmen. Was gedenkst du zu tun?“ „Ich weiß, ich sollte sie anzeigen. Aber wenn sie die Jungs wirklich nachhaltig bestrafen und sie sich bei mir entschuldigen, will ich von einer Anzeige absehen.“ „Du bist sehr großmütig. Du musst wissen, wenn es offiziell werden würde, muss die ganze Gemeinde darunter leiden. Du kennst die Berichte über uns in der Presse?“ „Ich möchte Journalistin werden und habe mich eingehend mit Marxloh beschäftigt und mir gefällt es überhaupt nicht, wie ihr Migranten in Deutschland behandelt werdet. Ich bin Petra gefolgt, weil ihr Verhalten sich plötzlich so drastisch verändert hat, dass weckte meine journalistische Neugier. Aber dass sie nach Marxloh fährt und ich sie dort tief verschleiert antreffen würde, hätte ich niemals gedacht.“ „Es ist schon spät nachts, ich möchte dich bitten hier zu übernachten. Ich bringe dich dann morgen nach Hause.“ sagte Ibrahim. Irgendetwas in mir wollte sofort nach Hause, doch andererseits wollte ich auch nicht umsonst die Strapazen auf mich genommen haben. Schließlich konnte ich hier mehr über die Menschen erfahren. Vielleicht waren die Kontakte, die ich hier aufbauen konnte, einmal nützlich für meinen zukünftigen Beruf. „Ich möchte, dass Wochenende hier verbringen und dass sie mir alles zeigen. Eine kleine Wiedergutmachung von euch, für meine Schmerzen.“ Ibrahim musste laut lachen und sagte: „Du bist verdammt zäh. Jede andere Frau an deiner Stelle würde so schnell sie könnte verschwinden. Du kannst so lange bleiben, wie du willst. Sei mein Gast. Nur muss ich dich dann bitten, dich für die Dauer deines Aufenthalts hier dich zu verschleiern.“ „In Ordnung, wenn es sich nicht vermeiden lässt. Kann ich etwas zu essen bekommen, ich sterbe vor Hunger?“,bat sie. „Samira wird sich jetzt um dich kümmern. Ich möchte mich jetzt zu Bett begeben. Gute Nacht, Hanna.“ Dann ging er.

„Um Gottes Willen! Ich muss unbedingt meine Mutter und Julia anrufen.“,sagte ich. „Ich habe sie schon längst informiert. Hier, dein Handy. Es hat den Angriff auf dich gut überstanden.“,sagte Samira, Petra. „Danke, Petra oder wie heißt du nun?“ „Petra! Samira wird mein Name nach meinem Übertritt zum Islam sein, wenn ich die Shahada gesprochen habe. Lasse dich nicht von meinem Niqab verwirren. Ich trage ihn zum ersten Mal und nur zu Trainingszwecken. Du musst wissen, dass ich meine Wochenenden hier in der Madrasa verbringe, um mich dem Studium des Korans zu widmen und die islamische Lebensweise kennen zu lernen. Aber für dich bin ich weiterhin Petra! Nur um eines möchte ich dich bitten: befrage mich nicht in religiösen Dingen, ich möchte nichts Falsches sagen und ich übe mich im Schweigen. Hier erhebe ich meine Stimme nur zum Lobe Allahs. Ich antworte dir ab jetzt nur noch schriftlich.“,sagte Petra. „Madrasa, Niqab und so weiter, was bedeutet das alles?“ frug ich verwirrt. „Am besten ist du isst erst Mal was und legst dich schlafen. Morgen früh, werde ich dir alles erklären.“,schrieb sie auf ein Display und reichte es mir zum Lesen. „Okay, ich bin hungrig und müde. Du hast wohl recht.“ Ich erwachte aus einem tiefen erholsamen Schlaf. Die Schmerzen von meinen Verletzungen waren verschwunden. Ich stand auf, um mich in einem Spiegel zu begutachten. Es war ein Wunder alle Schwellungen und blauen Flecken waren fort. Dann betrat auch schon Petra mein Zimmer. Sie nahm mich schweigend in den Arm und rieb mit ihrer Stirn an meine Stirn. Da fiel mir ein, dass Petra nicht sprechen wollte. „So, was passiert jetzt mit mir?“ wollte ich wissen. Petra drückte einen Knopf auf ihrem Display und ein zweites schwarzes Gespenst betrat den Raum. Ich wurde ins Bad gebracht, um mich gründlich zu enthaaren. Sie zogen mich aus und rieben mich mit einer nach Oleander duftenden Paste ein, dann konnte ich duschen. Ich sah, wie meine Körperbehaarung den Abfluss hinab floss. Als ich meine Haut berührte durch floss mich mit sanfter Intensität ein wohltuender Schauer. Meine Haut fühlte sich weich und seidig an und verschmitzt lächelnd dachte ich: „Wenn dieser Tag weiter so fantastisch verläuft, könnte ich glatt konvertieren.“ In einem dicken Frottiertuch gewickelt verließ ich später das Bad, um mich von den Frauen ankleiden zu lassen.