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Pfingstsonntag:

 

Kamila Böhm:

Heute ist mein großer Tag. Heute werde ich zum Islam konvertieren. Amber, Samira und ich - Kamila werden von unseren Schwestern eingekleidet. Nur heute dürfen wir den ganzen Tag und die Nacht Niqaabi sein. Aber bald wird der Tag kommen an dem wir Muslimahs für immer das Allah-gefällige Niqaabgewand tragen dürfen, sagte der Imam. Es ist wunderschön. Alles schwarz und teilweise aus Seide mit winzigen, vergoldeten Applikationen. Der Niqaab ist dreilagig und aus grüner Seide. Als wir an gekleidet waren, standen wir drei nebeneinander und betrachteten uns im Spiegel. Wir waren drei absolut identische Gespenster. Einfach wunderschön. Dann zogen wir uns alle drei Niqaab-Lagen über das Gesicht und waren stockblind. Heute soll uns kein Mann erkennen und wir wollen keinen sehen. Wir sprechen in einem Nebenraum der Moschee gedämpft durch unsere Schleier unser Glaubensbekenntnis – kein Mann wird unsere Stimmen erkennen. Wir sind Nichts und Alles und gleich – wir sind Niqaabi! Wir wurden in den Frauensaal geführt. Wir sprachen die Shahada. Es gab ein freudiges, lautes Trillern der Frauen und die Männer riefen drei Mal: „Allahu‘akbar“. Wir zogen uns in den Frauentrakt zurück. Dort wurden wir mit Süßigkeiten verwöhnt. Wir sangen fromme Lieder und beteten. Mutter kam zu mir. Sie küsste mich und gratulierte mir. Ich hoffe, sie wird auch bald konvertieren. Sie sagte:

„Papa macht sich große Sorgen. Ich weiß, es ist ein ganz besonderer Tag für dich. Aber Papa zu Liebe zieh einen Hijaab an und komm mit nach Hause.“ Auch Hassina kam zu mir und sagte:

„Du kannst auch Punkte für das Paradies sammeln, wenn du in Liebe zu deinen Eltern etwas opferst. Denke daran, Allah ist allgegenwärtig!“ Traurig nickte ich. Verabschiedete mich von den Schwestern und ging mit meiner Mutter, um uns umzuziehen. Mutter sagte, als sie ihre alte westliche Kleidung anzog:

„Seltsamerweise verstehe ich dich mein Kind, irgendwie habe auch ich mich an die Schleier gewöhnt. Ich fühl mich in diesen Kleidern irgendwie nicht mehr richtig angezogen.“ Hassina hatte mir eine selbst gemachte, beige Seiden-Abaya geschenkt, sie reichte mir bis über die Taille. Ich zog sie über meinen dunkel blauen Hijaab, den ich tief ins Gesicht zog. Wenn ich meine Hände etwas hoch hielt und den Kopf gesenkt hielt, sah man nicht mehr viel von meiner nackten Haut. Es war ein für mich trauriger, aber machbarer Kompromiss. Dann gingen wir zum Eingang, wo Papa auf uns wartete. Ich sah die Freude in seinem Gesicht, als er mich sah und auch düstere Sorge. Ich lief in seine Arme und drückte ihn so fest ich konnte. Dann sagte ich:

„Ich liebe dich Papa! Bitte freue dich mit mir und vergesse Äußerlichkeiten wie meine Kleidung, denn deine Tochter ist wirklich sehr, sehr glücklich.“ „Kind, ich hatte richtig Angst um dich. Aber jetzt habe ich dich ja wieder.” Als wir am Wagen ankamen, stieg Mutter zu mir nach hinten. Wir schauten uns beide mit einem verschwörerischen Grinsen im Gesicht an. Verwundert schaute Papa durch den Rückspiegel nach uns, sagte aber nichts. Der Arme war ganz schön überfordert und es sollte für ihn noch dicker kommen. Als wir zu Hause waren, kam uns Sophia entgegen.

„Du hast es tatsächlich gemacht, Schwesterherz. Du bist jetzt eine echte Moslimin?“ frug sie mich schon auf halben Wege.

„Das heißt Muslimah, kleine Schwester! Und ja ich bin konvertiert.“ Wir fielen uns in die Arme und begrüßten uns herzlich und gingen dann ins Haus. Sophia und ich zogen uns in unsere Zimmer zurück. Sophia schaute auf meine zwei großen Koffer und frug:

„Sind das alles neue Klamotten?“ Ich nickte nur.

„Jetzt machen wir erst mal eine Moden-schau!“ sagte sie.

„Nein, wir machen zuerst meinen Kleiderschrank leer. Du kannst alles haben.“

„Was? Alles? Bist du verrückt?“

„Nimm, ich brauch es nicht mehr!“ Zuerst nahm sie meine Lieblingsjeans und schaute mich fragend an.

„Alles deines oder Mülltonne!“ sagte ich lachend. Fünf Minuten später hatte ich einen leer geräumten Kleiderschrank und meine Schwester war mit meinen Sachen verschwunden.