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Anna – Ayasha Meyer:

Gott, geht es mir schlecht! Mir platzt der Kopf! Ich muss mit der Sauferei aufhören! Es ist so heiß hier und so dunkel. Am besten ich stehe auf, mach Licht und die Fenster auf. Verdammt noch mal! Warum kann ich mich nicht bewegen? Egal, ich schlafe einfach weiter. Stunden später: Wo bin ich? Es ist alles so dunkel hier. Ich kann mich immer noch nicht bewegen. Aber ich fühl mich ganz behaglich. Wie in einem warmen, schützenden Kokon. Wann ich wohl das letzte mal was getrunken habe? Oh! Ich sehe am Horizont einen dünnen weißen Streifen, wie schön! Jetzt höre ich ein Summen, nein, es ist ganz leiser Gesang. Alles ist so schön, so ruhig und friedlich. Ich möchte hier für immer bleiben.

 

- Was Anna Meyer nicht wusste, sie steckte im Purdah, sie war komplett autark. Essen und trinken wurde über Sonden ihr zugeführt und mit dem Spezialkissen entsorgt, das gleichzeitig in Intervallen ihren Körper massierte, um eine ordentliche Durchblutung ihres Körpers sicher zu stellen. Sie war von allen äußeren Reizen isoliert. Ziel war es, ihren vom Alkohol vergifteten Körper zu heilen und ihre Persönlichkeit komplett zu verändern. Es sollten große Teile ihrer Erinnerung gelöscht und durch künstliche Erinnerungen ersetzt werden. Am Ende wollte man eine perfekte, westliche Konvertitin. Ihre DNA sollte der Forschung als Muster für programmgesteuerte Konvertierung dienen, die durch Nanobots, wie ein Virus auf andere Frauen übertragbar war. Parallel dazu wurde in den ägyptischen Labors auch an eine Version für Männer gearbeitet. Sollten sie jemals Erfolg haben, war das Schicksal der nicht muslimischen Welt besiegelt. -

 

Anna Meyer saß in ihrem Kokon und war glücklich. Vieles hatte sie einfach vergessen. Sie war keine Alkoholikerin mehr, sie wusste nicht mal mehr, dass sie alkoholabhängig war. Sie interessierte sich nur für die vorbei laufenden Schriften. Der weiße Streifen war arabische Schrift, die von rechts nach links wanderte, während gleichzeitig leise die dazugehörenden Koranverse rezitiert wurden. Sechsmal am Tag wurden sie durch Gebete unterbrochen. Nach und nach verschwand die Erinnerung an ihren verstorbenen Mann und sie bekam eine künstliche Erinnerung an ihre Konvertierung und an ein Leben als Niqaabi. Ihr Name war Ayasha und sie sollte nach Ägypten reisen und einen ägyptischen Wissenschaftler heiraten und so sickerte alles Wissen einer Niqaabi in ihren Verstand und die westliche Anna Meyer verschwand.

 

Rocher Weber, sein Vater Frank und Ali Meiser trafen sich in Anna Meyers Eigentumswohnung. „Roger, sorge bitte dafür, dass die Wohnung in 5 Tagen geräumt ist.“ sagte sein Vater Frank. „Nun, die Möbel, Fernseher, Waschmachine und andere Haushaltsgeräte kommen ins Lager. Alle Papiere packst du in diese Boxen und bringst sie in die Verwaltung.“ Herr Meiser sagte: „Sobald die Wohnung leer geräumt ist, bestellen sie bitte umgehend die Handwerker, Herr Weber.“

 

Amber Meyer:

Meine Mutter Anna-Ayasha Meyer hatte ihr gesamtes Vermögen der Madrasa übertragen. Für sie und mich ihre Tochter Julia-Amber gab es jetzt kein Zurück mehr. Wir waren jetzt bettelarm und absolut abhängig. Mein zu Hause war jetzt die Madrasa. Hier war ich glücklich. Wenn ich mich am Morgen mit Kamila und Samira auf den Weg zur Schule machte, waren wir immer unter der Aufsicht eines männlichen Mitschülers, um unsere neu erworbene Sittsamkeit zu beschützen. So saßen wir Mädchen in der Straßenbahn still auf unseren Sitzen mit tief ins Gesicht gezogenen Hijabs. Als ich eines Tages von der Schule nach Hause kam, erwartete mich meine Mutter in der Empfangshalle. Ein schwarzer Geist kam hier auf mich zu und hielt mir ihr Display hin:

„Hallo Amber! Ich bin es, deine Mutter!“ Voller Freude fielen wir uns in die Arme.

„Mama, wie geht es dir?“ frug ich sie.

„Wunderbar, Liebes! Ich reise heute noch nach Ägypten, um meinen neuen Mann zu heiraten.“ konnte ich lesen.

Ich freute mich so sehr über Mutters Veränderung, war aber gleichzeitig traurig, dass sie mich verlassen musste.

„Ich freue mich so, dass mich ein guter Moslem heiratet. Ich werde ihm eine gehorsame und tüchtige Ehefrau sein.“

„Mama, ich bin so froh ein Mündel der Familie Weber zu sein. Jetzt, wo du mich verlässt, werden sie meine Familie sein.“

„Sei ihnen eine gehorsame und fromme Tochter, so machst du mir und dir große Ehre!“ schrieb sie.

Der Imam drängte zum Aufbruch. Wir umarmten uns, vielleicht zum letzten Mal. Dann folgte sie ihm zum Auto.

Sobald ich die Madrasa betrat, begann für mich die alltägliche Routine. Die Schwestern unterrichteten uns Mädchen im Führen eines moslemischen Haushalts: Kochen, Putzen, Nähen und dem korrekten Bedienen der Männer. Unterbrochen von den Gebeten, erfüllten wir mit großem Ehrgeiz die Pflichten, die wir als gute Muslimahs zu erfüllen hatten. In Momenten der Ruhe lasen wir im Koran und warteten voller Freude auf den Tag unserer Hochzeit.