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Veronika Hochstetter:

 

Ich brauche ein Konzept, wie ich mich unbehelligt in der Madrasa und der Moschee bewegen kann. Ich werde zuerst die nahegelegene Boutique für Islamische Frauenkleidung aufsuchen und mich dort als angehende Konvertitin einführen.

„Sa‘alam a‘laikum, ich heiße Nadja.“,begrüßte mich eine junge Hijaabi.

„Was kann ich für Sie tun?“ Ich sagte:

„Was‘salam a‘laikum, ich suche vielleicht einen hübschen Hijaab. Ich bin mir nicht sicher.“

„Du bist keine Schwester, nicht wahr?“,frug sie mich.

„Nein, ich interessiere mich für euren Glauben und dachte ich probiere eins eurer Kopftücher.“

„Wenn du etwas Zeit hast setzen wir uns zusammen und ich zeige dir einige Hijaabstyles.“

„Okay! Ich habe Zeit.“ Sie führte mich in ein Hinterezimmer. Dort war eine kleine gemütliche Ecke eingerichtet.

„Weißt du, ich habe hier nicht so großartig viel zu tun. Das meiste Geschäft läuft über die nahegelegene Moschee. Ich freue mich immer über Kundinnen, denen ich helfen darf. Setz dich und mache es dir bequem. Ich suche einige Hijaabs aus, die dir gefallen könnten.“

 

Währenddessen saß Arslan in seinem Büro und schaute amüsiert zu, wie die Hochstätter eine Ladung, des neuentwickelten Gases aus den ägyptischen Labors einatmetete. In diesem Gas waren vorprogrammierte Naniten enthalten, die sie aus der DNA der ehemaligen Anna Meyer gewonnen hatten. Sie machte den infizierten Träger in gewisser Weise programmierbar. Es veränderte nicht die Persönlichkeit, sondern ließ ihn an seinem eigenen Wertesystem zweifeln, wenn man das passende Stichwort benutzt.

„So, ich glaube, dass ist dein ganz besonderer Hijaab. Fühl mal den Stoff! Fantastisch, nicht wahr?“ Es fühlte sich herrlich weich, glatt und kühl an. Ich konnte es kaum erwarten, ihn überzuziehen. Nadja band mein Haar zu einem Knoten, dann wickelte sie den Hijaab in einen besonders strengen Stil um meinen Kopf. Als sie fertig war bemerkte ich erst, wie riesig er war. Mein Gesicht war zu einem winzigen Dreieck mutiert und Hals, Schulter und Busen wurden vom Stoff förmlich begraben. Es wurde mir richtig heiß. „Ich glaube, dass ist für den Anfang wohl ein bisschen viel Hijaab.“ wandte ich schüchtern ein.

„Unsinn! Komm und betrachte dich im Spiegel.“ Ich sah eine wunderschöne Muslimah. Ich hätte vor Glück weinen können.

„Ich habe hier für dich eine ganz besondere Abaya. Sie passt wunderbar zu deinem neuen Outfit!“ Schnell zog ich sie an und ich sah mich mit ganz anderen Augen. Die Abaya war extrem weit geschnitten, der Stoff war dick und schwer und die Hitze wurde fast unerträglich. Doch ein Blick in den Spiegel ließ das alles vergessen. So wollte ich schon immer aussehen.

„Ich bin begeistert, das sieht fantastisch aus. Nadja du hast meinen Geschmack voll getroffen.“ Ich probierte mit wachsender Begeisterung, alles was Nadja mir brachte. Ich kaufte eine komplette Ausstattung. Nadja sagte:

„Du musst ganz besonders lernen, wie man einen Hijaab anlegt. Du gehst am besten zu den Schwestern in die Madrasa, dort gibt es ganz besondere Hijaab Schulungen. Wenn du alle Stile perfekt beherrscht werden sie sagen: du bist eine ganz besondere Hijaabi.“ Ich warf noch schnell einen bewundernden Blick in den Spiegel, um dann mit Nadjas Hilfe all diese wunderschönen Kleider ins Auto zu bringen. Nachdem wir uns herzlich verabschiedet hatten, fuhr ich geradeaus zur Madrasa.

Als ich die Eingangshalle betrat, erwartete mich Ibrahim Arslan, der Imam. „Salam alaikum, Frau Hochstetter, wie ich mich freue, sie in ihrem ganz besonders sittsamen Outfit zu sehen.“

„Was-Salaam-Alaikum, Imam, danke für ihr freundliches Lob.“ Ich ergriff seine Hand, deutete einen Kuss an und berührte mit ihr meine Stirn.

„Ich möchte gerne die verschiedenen Hijaab-Stiles lernen, um immer perfekt gekleidet zu sein.“

„Schwester Aleyna, ihre ganz besondere Freundin, wird es ein Vergnügen sein, ihr Wissen mit Ihnen zu teilen.“ Jetzt bemerkte ich erst, dass die Schneider hinter ihm stand. Sie sah wunderschön in ihrer Abaya und ihrem Hijaab aus.

„Hallo Veronika, ich finde es toll, wie du heute aussiehst, komm wir bringen deine neuen Kleider in den Frauentrakt und ich und die Schwestern zeigen dir, wie man sich sittsam kleidet. Es ist uns eine ganz besondere Freude.“ Eigentlich ist die Schneider total nett, ich schämte mich ein wenig, dass ich sie immer so herablassend behandelt hatte. Ich verabschiedete mich respekt voll vom Imam und folgte ihr.

„Es ist für mich ganz besonders wichtig, dass wir uns besser verstehen, Veronika. Wir sind doch auch Kollegen."

„Wie recht du doch hast! Bitte verzeihe mir mein unfreundliches Benehmen und lasse uns Freunde werden.“,sagte ich überschwänglich. Wir umarmten uns und rieben die Köpfe sanft aneinander. Es war schön und so entspannend.

„Sei bitte ganz besonders nett und respektvoll zu den Schwestern.“ ermahnte sie mich. Dann betraten wir den Frauentrakt. Endlich war ich am Ziel und konnte meinen Agentenjob ausführen. Peterson wird sicher sehr mit mir zufrieden sein. Ich verbrachte einen fantastischen Nachmittag im Frauentrakt. Wir tranken Tee und taten, was Frauen so machen: ‚Frauendinge‘. Zwischendurch wurden wir von den Gebetszeiten unterbrochen und meine Freundin Aleyna meinte, es wäre ganz besonders schön, wenn ich mich ihnen zum Gebet anschliessen würde. Gegen 19:00 Uhr verließ ich meine neuen Freundinnen und fuhr zum Rapport zu Peterson.