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Der moderne Sheik:

Ich hatte Ibrahim Arslan zu mir gebeten.

„Die Bruderschaft will sich ein neues Image zu legen“, sagte ich zu ihm. „Wir werden unsere Frauen mehr in der Öffentlichkeit präsentieren. Die neuen Nanobots sind ein voller Erfolg, wie du an Faizah sehen kannst. Wir werden diese Modifikationen bei den Böhm Frauen Genna, Kamila und Djamila und bei Ali Meisers Tochter Samira und seiner Frau Aleyna ebenfalls anwenden und auch bei deiner Frau Selima. Sie sollen feste Funktionen innerhalb unseres Engagements in der Sozialarbeit übernehmen. Ich lasse gerade ein Konzept von Faizah erarbeiten. Das ist erst der Anfang. Wir gehen gezielt die Konvertierung der gebildeten Bürgerschaft an. Deren Frauen dann in der Schülernachhilfe, der ambulanten Pflege, und so weiter von uns eingesetzt werden. Das Niqaabi Projekt wird ab jetzt nur noch in Sonderfällen eingesetzt, wie es bei Rabia der Fall war.“

„Die Konditionierung meiner Frau Selima sollte nicht mehr geändert werden. Sie führt schon zu lange dieses Leben. Sie wäre nur unglücklich!“, versuchte er das Unvermeidliche abzuwenden.

„Hier geht es um mehr, Imam! Weil sie eine unserer ersten Konvertitinnen war, will ich, dass sie rekonfiguriert wird, wenn es bei ihr funktioniert, können wir selbst sie für unser Vorankommen einsetzen, das wäre ein Riesenerfolg! Du wirst auf Augenhöhe und Respekt mit Faizah zusammenarbeiten und das Projekt zum Erfolg führen. Ich weiß, wie schwer das alles für dich sein wird, aber ich verspreche dir, am Ende wird alles so sein, wie du es dir erträumt hast. Auch ich werde bei Soraya dieses Opfer bringen, um auf ihre Russischkenntnisse zurückgreifen zu können. Unsere Frauen sind zu wertvoll. Sie sollen uns den Zugang zum gehobenen Bürgertum ermöglichen. Was glaubst du, wie die besseren Damen reagieren, wenn die verschollen geglaubte Anita Müller, als Selima Arslan im TV auftritt, von ihrer erfolgreichen Sozialarbeit berichtet und ihr damaliges Leben als sinnfrei und verantwortungslos bezeichnet. Irgendwann wird die Neugier oder der Neid die Kufr in unsere Arme treiben und den Hidschāb gesellschaftsfähig machen.“

 

Selima erwacht:

Mein Herr befahl mich zu sich und sagte: „Du musst dich einer neuen Behandlungsmethode unterziehen. Komm mit ins Labor.“ Verwirrt und verängstigt folgte ich ihm. Dort nahm ich Platz, ich musste meinen Niqaab ablegen und eine Atemmaske anlegen.

„Was hatte ich bloß falsch gemacht? Ich war meinem Herrn doch immer ein gehorsames und unterwürfiges Weib gewesen.“ Ich hatte schreckliche Angst. Dann schlief ich ein. Ich wurde wach und fühlte mich hervorragend. Vor mir saß mein Herr und schaute besorgt. Das rührte mein Herz und ich fragte ihn:

„Herr habe ich was falsch gemacht, habe ich meinen geliebten Herrn verärgert? Du schaust so betrübt.“

„Nein, sag mir, wie fühlst du dich?“

„Ich fühle mich wunderbar und wie lange hat mich mein Herr nicht mehr beachtet und jetzt kümmert es ihn, wie ich mich fühle, das macht mich sehr glücklich.“

„Kannst du mir von deinem Leben vor deiner Konvertierung erzählen?“ „Bitte, ich schäme mich so sehr für mein damaliges Verhalten, es quält mich nur daran zu denken.“

„Dann will ich dich mit der Vergangenheit nicht weiter quälen. Erzähl mir, wie du dein jetziges Leben siehst?“, sagte ich.

„Es ist ein gutes Leben, dass du mir geschenkt hast, mein Herr, der Glaube, die Gebete, dir zu dienen und zu gehorchen und ein sittsames, muslimisches Leben zu führen, machten aus mir eine reich beschenkte und glückliche Frau. Das Allah mir jetzt erlaubt, dir ein Kind zu schenken erfüllt mich mit tiefer Dankbarkeit“, sagte sie.

„Leider muss ich von dir ein großes Opfer verlangen“, sagte ich ihr. „Du darfst keine Niqaabi mehr sein, ab heute trägst du Hidschāb und musst unsere Sozialdienste leiten und dich öffentlich präsentieren. Du wirst auf viele dir liebgewordene Angewohnheiten verzichten müssen. Das ist nicht mein Wunsch, sondern strikte Anweisung der Bruderschaft. Ich werde dich so gut ich kann unterstützen.“

Er nahm mich liebevoll in den Arm, etwas das er noch nie gemacht hatte. Da wusste ich zum ersten Mal, dass er mich liebt.

„Herr, ich werde dich niemals enttäuschen, ich will dir immer gut dienen und gehorchen. Ich liebe dich über alles.“

Wir gingen nach Hause, ich ohne meinen Niqaab. Ich fühlte mich etwas nackt, aber ich war glücklich, wie niemals zuvor in meinem Leben.

 

Zwei Wochen später:

Fernsehen beim Sheik Ich hatte alle eingeladen, um mir ein Bild von den Modifikationen der Frauen zu machen. Soraya hat fantastisch darauf reagiert. Ich habe mich nochmal in sie verliebt. Sie war nicht mehr das stille, schwarze Gespenst. Jetzt war sie eine hübsche, lebensfrohe Hidschābi. Das hat ihr unglaublich gutgetan, sie hat sich in eine wunderbare, hingebungsvolle Ehefrau und Liebhaberin verwandelt.

Wie der Besuch eintraf, erkannte man sofort die Veränderung an den Frauen. Sie zogen sich nicht mehr zurück, sondern blieben bei uns Männern.

Soraya sagte: „Wir wollen die Männer nicht beleidigen, geht es für euch in Ordnung, wenn wir alle zusammenbleiben?“

„Selbstverständlich bleiben die Frauen hier. Ich muss sie ja schließlich befragen, welche Fortschritte sie gemacht haben“, sagte ich mit Nachdruck.

„Kamila, Samira und Djamila helfen Soraya bei den Essenszubereitungen, während ich mich mit Genna, Aleyna und Faizah unterhalte. Was machst du aktuell Schwester Genna?“

„Ich kümmere mich um die Kids, wenn sie aus der Schule kommen und zu Hause, niemand für sie da ist. Es ist so schön in ihre Gesichter zu schauen, wenn sie alle am Mittagstisch sitzen und sich auf eine warme Mahlzeit freuen. Dankbar nehmen sie unsere Angebote an, die da wären: Hausaufgabenbetreuung, Schwimmen, Sport und bei den Mädchen sind Handarbeitskurse der Renner, während bei den Jungs Computerangelegenheiten der Favorit ist.“

„Sehr schön! Danke Schwester Genna, und du Schwester Aleyna, was kannst du uns berichten.“

„Ich diskutiere mit den älteren Kids allgemeine Dinge, die sie direkt betreffen. Hartz4-Armut, Rassismus, Neonazis und so weiter. Sie sind sehr kritisch und wissbegierig. Es ist eine Freude zu sehen, wie sie aufblühen. Sie haben von sich aus einen Einkaufservice für Alte und Behinderte organisiert. Danke für diese wunderbare Aufgabe.“

„Nun, Faizah brauche ich nicht weiter zu befragen, aber wenn du uns etwas sagen möchtest, nur zu“, sagte ich.

„Ich möchte mich beim Imam für seine gute Hilfe und Unterstützung bedanken. Der Hidschāb Block wächst und gedeiht.“sagte sie.

Dann kamen auch schon Soraya und die Mädchen mit unseren Speisen. Ich sah fasziniert zu, wie sich alle beim Essen mit ins Gespräch brachten. Eine neue Zeit ist wohl angebrochen. Nach dem Essen machten wir es uns alle bei Tee und Haschisch gemütlich. Arslan hat seine schwangere Frau zu Hause gelassen, sie hat nach all den Jahren in Purdah, die größten Schwierigkeiten sich anzupassen. Schwanger zu sein und Haschisch passten nicht zusammen. Wir sahen die ‚Heute‘ Nachrichten und dann kam die Dokumentation über rechtsradikale Übergriffe und die Untätigkeit der Behörden. Es war wirklich sehr gut gemacht. Die Kommentare unseres CSU-Innenministers und die durch Neonazigewalt verletzten Opfer. Immer wieder Ausschnitte in denen Nazis Demonstranten verprügelten, während die Polizisten direkt daneben stand und wegschaute. Doch eines hatte sich maßgeblich geändert, die Teilnehmerzahl an den Anti-Nazi-Protesten stieg kontinuierlich an, immer mehr Bundesbürger gingen gegen die AfD und Pegida auf die Straße. Schon bald würde der Nazispuk beendet sein und das Pack wird sich wieder still in seine Gosse zurückziehen. Seit wir die Bilder der Opfer ins Netz gestellt hatten, war sogar die ‚Bildzeitung‘ zurückhaltender geworden. Das Blatt schien sich endlich zu unseren Gunsten zu wenden.

„Nun, Peterson! Was macht deine Parteiarbeit?“ fragte ich.

„Das kann noch dauern. Die Widerstände innerhalb der Union gegen einen islamischen Flügel ist enorm. Aber wir vergrößern uns stetig. Etliche sind  sehr unzufrieden mit den letzten Wahlergebnissen; sich der AfD anzunähern, erscheint mittlerweile vielen der falsche Weg zu sein, wie es auch die Wahlergebnisse zeigen. Die meisten sitzen jetzt ratlos rum, wissen nicht weiter und machen das, was sie immer schon am besten konnten – Nichts. Denen versuche ich uns, als Alternative anzubieten. Aber sie sind meistens stramme Christen, ich kann nur versuchen, ihre Sympathien für uns aufzubauen. Am Ende wird alles wohl auf eine Abspaltung hinauslaufen und zur Gründung einer IPD führen und irgendwann zu Regierungsverantwortung. Entscheidend ist für mich, wann wir unsere Ziele erreichen werden. Ich bin für jede Hilfe und jeden Vorschlag dankbar“, sagte Peterson, ein wenig verzagt.

„Es laufen auf höchster Ebene Anstrengungen in die gleiche Richtung. Es wird schneller als du glaubst, ein Wandel eintreten“, teilte ich ihm mit.

„Nun, lasst uns zum gemütlichen Teil des Abends kommen. Zu Tee mit Keksen und Haschisch. Jeder oder jede hat sicher einiges erlebt, was sich zu berichten lohnt. Ein paar kleine Anekdoten aus der Madrasa, vielleicht kann Genna uns etwas Nettes von den Kids erzählen.“

Erst spät in der Nacht trennten wir uns.