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Murad Arslan:

„Hallo Ibrahim; mein Bruder! Ich habe gute Nachrichten von der Islamisierungsfront. Wir sollten uns mal wieder treffen. Wie wäre es heute Abend im Café ?“ simste Murad.

„Ist dir 20:00 Uhr recht ?“

„Okay, bis heute Abend.“ simste Ibrahim zurück.

Sie trafen sich am Abend im Café und erzählten sich ihre Neuigkeiten.

„Auf Befehl des Sheik Achmed Kabir musste ich mein Weib neu konditionieren. Alle Männer in führenden Positionen müssen es. Wir sollen mehr Öffentlich arbeiten und da passen voll verschleierte Frauen nicht ins Bild. Bis sich der Islam auf breiter Front durchgesetzt hat, muss ich wohl oder übel damit leben.“ ,sagte Ibrahim.

„Bruder, ich leide mit dir! Wie gut, dass ich nur ein kleiner Schneider bin. Meine Frau Selima trägt jetzt den Ruband und ist eine tadellose Muslimah geworden. Und mir ist ein neuer Fisch ins Netz gegangen, die kleine Jenny Wiesner und ihre zwei lesbischen Mütter stehen schon auf der Warteliste. Jetzt, wo die ganze Straße ans Gasnetz angeschlossen ist, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis auch sie zu uns gehören. Wie handhabt ihr eigentlich Lesben?“ ,frug Murad.

„Sie werden bald konvertieren und dann selbstverständlich von ihrem sündigen Treiben ablassen und für unseren Heiratsmarkt zur Verfügung stehen.“

 

Sandra und Lizzy:

Es ist Freitag und Jenny sitzt mit ihren Müttern am Frühstückstisch.

„Es wird Zeit! Du musst zur Arbeit, Jenny!“ ,sagte Lizzy.

„Es ist Freitag, da haben wir Muslime frei. Murad nimmt mich heute mit in die Moschee, zum Freitagsgebet. Was meint ihr, habt ihr nicht Lust mit zu kommen? Bitte, ich würde mich so freuen, mal wieder etwas mit euch zusammen zu erleben.“ ,sagte Jenny.

„Ich in eine Moschee gehen? Du hast sie wohl nicht alle? Und was heißt hier eigentlich ‚wir Muslime‘? Habe ich da was verpasst?“ Lizzy reagierte genervt.

„Liebes, du nimmst das alles viel zu ernst! Nun lass Jenny sich ausprobieren und wenn sie es sich so sehr wünscht, dann kommen wir mit. Es ist doch die Chance mal in eine fremde Kultur rein zu schnuppern. Im übrigen möchte ich auch gerne Selima wiedersehen.“ ,sagte Sandra. „Erde an Sandra! Verstehst du nicht, dass ich mir Sorgen um Jenny mache?“ frug Lizzy.

„Um was sorgst du dich? Dass Jenny eine Muslimah wird, die tief verschleiert drei Meter hinter ihrem Herrn und Gebieter her läuft?“ ,meinte Sandra.

„Zum Beispiel! Ich habe sie schließlich zu einer emanzipierten Frau erzogen und nicht zu einer Sklavin.“ wehrte sich Lizzy.

„So tolle emanzipierte Frauen, wie wir, die sich von der ARGE von einer Maßnahme in die nächste schikanieren lassen. Was führen wir doch für ein selbstbestimmtes und emanzipiertes Leben! Oder wie Frau Walter, die Anschaffen geht, um ihrem Sohn sein Arztstudium zu finanzieren.“ erwiderte Sandra.

„Hört bitte auf euch wegen mir zu streiten! Es ist auch für mich nicht leicht dieses Scheiß-Hartz4-Leben mit euch zu teilen. Ich versuche doch nur das Beste aus dieser beschissenen Situation raus zu holen. Wenn ich schneidern kann, kann ich mich immer irgendwie unabhängig versorgen. Frau Walter hat Jahre lang nicht mehr in ihrem Job als Arzthelferin gearbeitet und ihr habt euch mit eurem Studium für den Arbeitsmarkt überqualifiziert. Die Chancen mit einem ordentlichen Handwerk durch zu kommen sind da um einiges größer!“,sagte Jenny und lief heulend in ihr Zimmer.

„Uff, das hat gesessen! Lizzy geh zu ihr und tröste sie. Deine Tochter braucht jetzt eine verständnisvolle Mama.“ ,sagte Sandra. Den Kommentar hätte sich Sandra sparen können, denn Lizzy lief schon hinter ihre Tochter her.

„Kind, Liebes! Verzeihe mir! Wir alle haben schwer an unserem Los zu knabbern. Und wie undankbar ich bin, ersparst du und Murad mir doch den demütigenden Weg zur ‚Tafel‘. Wenn du es dir so sehr wünscht, kommen Sandra und ich mit in die Moschee.“ Dann lagen sie sich in den Armen und heulten sich aus. Sandra stand mit nassen Augen im Türrahmen und dachte:

„Ich glaube, es wird sich bald vieles ändern. Ich muss auf meine beiden Lieben aufpassen, dass ihnen nichts passiert.“ Nachdem sich Jenny wieder gefangen hatte, sagte sie:

„Ich sage Murad Bescheid, dass ihr mitkommt. Selima soll etwas Ordentliches zum Anziehen für euch mitbringen.“

„Ich werde mich nicht verschleiern, Fräulein!“ sagte Lizzy, in ihr altes Klischee zurückfallend. Sandra sagte, etwas ungehalten:

„Halte doch einmal deine Klappe! Niemand will dich verschleiern. Ein langer Rock und ein Kopftuch werden wohl ausreichend sein!“

Sie gingen zurück in die Küche und frühstückten in Frieden zu Ende.

Schon bald trudelten Murad und Selima ein. Er trug einen schweren Koffer und sagte:

„Mädels, Selima hat eine ‚kleine‘ Auswahl an muslimischer Kleidung für euch mitgebracht. Am besten ihr verzieht euch zur Anprobe in ein anderes Zimmer.“

„Bring den Koffer ins Schlafzimmer und dann setzt dich in die Küche und trink Kaffee. Wir Frauen müssen uns jetzt um wichtigeres als dich kümmern.“ knallte ihm Sandra mit einem herzlichen Lächeln vor den Kopf. Die Ironie ihrer Worte entging ihm nicht und er verzog sich mit einem süffisanten Grinsen in die Küche zurück.

Selima legte die Kleider sorgfältig aufs Bett und die Frauen betrachteten sie neugierig. Lizzy und Sandra schnappten sich als erstes eins der kostbaren Kleider. Sie hatten lange weite Ärmel und waren Knöchel-lang. Dann suchten sie sich ihre Kopftücher aus, alle waren aus reiner Seide. Selima zeigte ihnen, wie man mit zur Hilfenahme eines Plastikschildchens einen Hauben-ähnlichen Hijab faltet. Dann zogen sie sich noch eine Überkopfabaya über und waren perfekt für einen Moscheebesuch bekleidet. Sandra und Lizzy betrachteten sich im Spiegel und fanden, was sie sahen, gar nicht so übel.

Während die vier Frauen ins Wohnzimmer gingen, hörte man das leise Rascheln ihrer Stoffe. Es gab allem etwas Besonderes. Automatisch bewegten sich alle vier Frauen so, dass sie im Einklang waren. Selima gab Murad Bescheid, dass sie bereit waren. Dann gingen sie, Murad voran, zum Auto. Ihre kleine Prozession erregte in der Straße einiges an Aufsehen und Sandra dachte:

„Jo, Leute! Jetzt habt ihr mal wieder was zu quatschen.“

Murad fuhr ein zweitüriges Mercedes Coupe und so dauerte es etwas, bis die drei Frauen in den ungewohnt weiten Kleidern und Schleiern in den Fond des Autos eingestiegen waren. Doch dann endlich ging es los. An der Moschee an gekommen, lies Murad die Frauen zuerst aussteigen, um sich dann in Ruhe einen Parkplatz zu suchen. Selima sagte:

„Wir gehen schon mal rein, folgt mir.“ Sie betraten die Moschee durch den Seiteneingang, der den Frauen vorbehalten war. Sie zogen ihre Schuhe aus und Selima legte auch ihren Ruband ab.

„Hier haben Männer keinen Zutritt.“ erklärte Selima. Sandra fragte:

„Bilde ich mir es ein, oder sind viel weniger Frauen als Männer da?“

„Das Freitagsgebet in der Moschee ist für Männer Pflicht. Frauen können, müssen aber nicht. Wir werden uns jetzt vor dem Gebet rituell waschen und betreten dann den Gebetsraum. Ich und Jenny zeigen euch. Wie es geht.“ Endlich betraten sie den Gebetsraum und Selima sagte:

„Kniet euch hier auf den Teppich und schaut uns zu. Erinnert euch an etwas Schönem, dass euch passiert ist und dankt Gott dafür und huldigt ihm in Gedanken. Im Grunde machen wir auch nichts anderes, wenn man den ganzen Brimborium weg lässt! Denn ihr sollt euch und Allah erfreuen, dafür sind wir hier!“ Sandra dachte:

„Was für eine verrückte Frau! Läuft öffentlich wie ein Schatten herum und hat gleichzeitig so eine kotterige Ruhrpotschnauze am Leib!“

"Meine kleine Jenny wird erwachsen und sie meistert alle an sie gestellten Herausforderungen. Allah ich danke dir dafür und lobe dich für all die guten Dinge, die ich erleben durfte von ganzem Herzen.“ ,dachte Lizzy. Dann übermannte beide ein Glücksgefühl. Sie spürten den Schutz Gottes, die Sicherheit und die Geborgenheit einer Gläubigen im Islam. Nachdem die Gebete endeten, sagte Selima:

„Wir gehen jetzt in die angrenzende Madrasa. Dort können wir etwas essen und ein wenig mit den anderen Frauen tratschen.“ Sie verließen die Moschee. Eine voll verschleierte Frau gefolgt von drei Frauen im Hijab und Abaya. An der Symmetrie ihrer Bewegungen war unschwer zu erkennen, dass sie zueinandergefunden haben.

Dort lernten sie wirklich interessante Frauen, wie die Abiturientin Kamila mit ihrer Mutter Genna Böhm, kennen. Frauen aus der gehobenen Mittelschicht, die sich mit ihnen ohne Falschheit auf Augenhöhe unterhielten. Kamila erzählte ihnen, auf welch verschlungenen Pfaden sie zum Islam fand. Fasziniert lauschten sie ihrer Geschichte. Auch Selima Arslan gesellte sich zu ihnen. Als sie erfuhren, wer sie einst war, verschlug es ihnen die Sprache. Dann sagte sie, dass sie endlich schwanger sei und alle freuten sich mit ihr. Murad simste:

„Ich möchte aufbrechen. Auf mich wartet zu Hause noch Arbeit. Bitte geht zum Ausgang.“

Schnell tauschten sie noch ihre Handynummern und verabschiedeten sich, um zum Ausgang zu eilen. Sandra dachte noch für sich:

„Was ist denn nun los? Ein Mann ruft zum Aufbruch und wir Frauen stürmen los wie die Hühner. Na,ja! Eigentlich ist es ganz bequem sich mal leiten zu lassen, es macht mich auch irgendwie ein wenig wuschig.“

Murad wartete schon vor dem Ausgang im Auto und dieses mal hatten die Frauen den Einstieg in den Fond ohne Probleme bewältigt; scheinbar hatten sie sich an die voluminösen Kleider und Schleier gewöhnt. Zu Hause angekommen, ging Murad noch mit hoch, um den Koffer mit den restlichen Kleidern mitzunehmen.

„Murad warte! Wir ziehen uns schnell um, dann kannst du gleich alles mit nehmen.“ ,rief die immer besorgte Lizzy.

„Unsinn! Betrachtet es als ein Geschenk, als kleines Dankeschön für eure freundliche Toleranz uns gegenüber. Es war mir eine Ehre euch etwas von meiner Kultur zeigen zu dürfen. Ich wünsche euch noch einen schönen Tag.“

Dann war er auch schon fort und ließ drei angenehm überraschte Frauen zurück, die schon lange nicht mehr einen so einen schönen Tag erlebt hatten.