Veiled PAGE

Email:   vulcan@anarchocat.com

Zwei Mammies auf Reisen:

Lizzy:

Murad hatte alles für uns für die Reise organisiert. Meine Tochter Gadi hasste öffentliche Verabschiedungsorgien an Bahnhöfen und hatte sich am Sonntagabend von uns verabschiedet. Sein Neffe Achmed, ein wirklich tüchtiger und smarter Junge, hatte uns pünktlich zum IC nach Berlin gebracht.

Ich war ganz froh, dass wir uns schon für die Reise für eine islamisch korrekte Bekleidung entschieden hatten. Wie ich so darüber nachdachte, wir trugen schon gefühlt eine Ewigkeit lang außerhalb der Wohnung Hijaab und Abaya. Es war für uns normal geworden – wie so vieles in unserer Straße. Murad machte noch immer unseren Großeinkauf und für alles andere sprangen die ‚JungenPatrioten‘ ein. Sie hatten einen kostenlosen Einkaufs-, Begleit- und Fahrdienst für uns Frauen, für Senioren und für Behinderte eingerichtet. In der Straße waren kaum noch Frauen unterwegs. Vereinzelte farbenfrohe Hijaab, aber immer zu Zweit oder in Begleitung von Männern mit Bärten, prägten jetzt das Straßenbild. Es tat richtig gut, von gläubigen Männern respektiert zu werden und sich ihrer Fürsorge auszusetzen, machte das Leben um vieles leichter. Ich wäre gerne zum Islam konvertiert und hätte einen Moslem geheiratet. Ich war erst siebenunddreißig und sehnte mich nach einen treu sorgenden Mann, wie Murad, aber ich traute mich nicht mit Sandra darüber zu sprechen. Sie wusste, dass wir dann auf unsere Sexspiele verzichten müssten. So blieb der eigentlich logische letzte Schritt vorerst außen vor.

So saßen wir zwei Pseudo-Mauslimas im Zug nach Berlin. Ich still und tief versunken in meinem Gebet zu Allah; meine Gedanken kreisten um meine einzige Hoffnung, nämlich wieder gesund zu werden.

 

Sandra:

Wie sehr liebte ich doch meine Lizzy. Ich hatte bei unserem letzten Moscheebesuch Allah geschworen, wenn Lizzy geheilt wird, würde ich meiner lesbischen Neigung entsagen. Ich würde konvertieren und die Bruderschaft bitten, mich einem frommen Bruder zur Frau zu geben. Wie sehr wir uns verändert hatten! Neben mir saß eine tief in sich ruhende Freundin, die ewig hektische und panische Lizzy war Geschichte und die grüblerische und zynische Sandra wohl auch.

Mein Zorn - dass ist Wut mit Abitur. Sorry, ich kann es nicht lassen! - war einer fröhlichen Gelassenheit gewichen.

Ich liebte es, am Freitagsgebet in der Moschee teilzunehmen und anschließend mit großer Freude meine neuen Freundinnen in der Madrasa zu treffen. Das wäre noch vor einem Jahr für mich undenkbar gewesen. Lizzy und ich hatten schon lange keinen richtigen Sex mehr; wir kuschelten uns aneinander wie Schwestern, nicht mehr wie Liebende. In letzter Zeit kreisten meine Gedanken an Sex mit einen Mann und zwar mit einen dominanten Moslem. Verrückt, hätte mir vor einem Jahr jemand gesagt, wie ich mich in dieser Zeit verändert haben würde, ich hätte ihn in meiner bekannt zynischen Art zum Schweigen gebracht. Wie gesagt, dass war jetzt Geschichte. Ein Außenstehender sah die Nasenspitzen zweier stiller und sittsam gekleideter Muslimahs auf ihrer Reise nach Berlin.

Nach fünf Stunden endlich angekommen in Berlin. Es war bitterkalt. Ein eisiger Wind blies durch die Bahnsteige. Ein junger Mann hielt ein Schild mit unseren Namen hoch und wir beeilten uns zu ihm zu stoßen.

„Hallo! Wir sind Sandra Frey und Lizzy Wiesner!“

Schweigend nahm er unsere zwei Koffer und stellte sie auf den mitgebrachten Trolley und ging los. In angemessenen Abstand folgten wir ihm ins Parkhaus zu seinem Wagen.

In Berlin war es wirklich lausig kalt und der eisige Wind brannte mir auf dem Gesicht. Lizzy hielt mir ein schwarzes Tuch hin. Es war ein dreilagiger Niqaab. Dankbar legte ich ihn mir an und dann reichte sie mir noch schwarze Handschuhe. Jetzt war die Kälte besser zu ertragen und der junge Mann schenkte uns ein freundliches Lächeln.

Später sagte mir Lizzy, sie hätte die Niqaab immer dabei gehabt, wenn wir das Haus verließen und nur auf die passende Gelegenheit gewartet. Endlich erreichten wir das Auto und wir stiegen ein. Als ich die Handschuh ausziehen wollte, um den Niqaab ab zu legen, nahm Lizzy meine Hände und flüsterte:

„Bitte bleib so, für mich! So glauben die Brüder, wir seien Schwestern und keine Lesben.“

Zuerst war ich geschockt! Lizzy schämte sich, mich zur Freundin zu haben! Doch dann dachte ich:

„Sie hat recht! Im Grunde sind wir darüber weg. Wir beide sehnen uns nach männlicher Fürsorge und Sicherheit. Heute Abend will ich mich mit ihr aussprechen.“

Es war eine ruhige Fahrt in eine der Außenbezirke Berlins. Ich sah ein Hinweisschild mit der Aufschrift Müggelsee, also mussten wir irgendwo in Berlin Treptow-Köpenick oder Müggelheim sein. Wir fuhren durch eine schmale Allee, die direkt zur Klinik und dessen angrenzendes Wohngebäude führte. Alles war ein geschneit, ein fantastischer Anblick. Als wir ausstiegen, begrüßte uns die eisige Kälte, aber auch eine freundlich lächelnde Hijaabi.

„Willkommen in unserer Klinik! Ich heiße Fatima. Folgt mir bitte! Wir kümmern uns um das Gepäck.“ sagte sie. Der junge Mann stellte die Koffer auf den Boden und fuhr ohne ein Wort gesagt zu haben, Gruß los fort. Schnell folgten wir der Frau ins warme Klinikum. Sie brachte uns in einen nur für Frauen erlaubten Empfangsbereich, zu ihrem Schreibtisch. Sie sagte:

„Danke, dass ihr euer Gesicht bedeckt. Ich habe euch am Frauenempfang abgeholt und hier befinden wir uns im Frauenflügel. Das ist nur ein sehr kleiner Bereich. In allen anderen Bereichen der Klinik haben Männer freien Zugang. Dort wird von dem weiblichen Pflegepersonal, wie auch von den Patientinnen eine Vollverschleierung erwartet. Auch wird Schweigsamkeit außerhalb des Frauentrakts von euch erwartet. Solltet Ihr damit Schwierigkeiten haben, stellen wir euch gerne ein Sortiment an Knebeln zur Verfügung. Ihr werdet hier grundsätzlich geduzt. Ausschließlich Männer haben das Recht gesietzt zu werden. Wer von euch ist die Patientin Elisabeth Wiesner?“

Lizzy hob ein wenig eingeschüchtert von der Professionalität ihres Gegenübers die Hand und sagte:

„Lizzy, reicht.“

„Dann musst du Sandra sein, nicht wahr?“ Ich nickte nur. So zeigte ich ihr meine Bereitschaft zu schweigen. Fatima drückte einen Knopf und eine verhüllte Frau betrat den Raum. Fatima sagte:

„Das ist Schwester Nur. Sie bringt dich liebe Schwester Sandra in den Wohnkomplex. Lizzies Einweisung würde dich eh nur langweilen.“

Lizzy und ich verabschiedeten uns wortlos durch Reiben Stirn an Stirn.

„Ich glaube, ihr werdet euch hervorragend bei uns ein leben.“,sagte Fatima. Ich verließ sie und folgte Nur zu meinem Apartment. Wir erreichten eine Tür mit Meldeknopf. Nachdem Sie den Knopf betätigt hatte, fuhr ein Irisscanner aus der Wand, mit dem sie sich identifizierte. Auf einem Display erschien ihre Freigabe und an mich die Aufforderung, es ihr gleich zu tun. Gast Sandra Frey hat jetzt Zugang zu den Appartements. Salam aleikum, Schwester Sandra. Zum erste Mal sprach Nur mit mir:

„Wir passieren jetzt eine Schleuse, hab keine Angst. Im Notfall öffnen sich alle Türen automatisch. Dahinter beginnt der Frauentrakt, den sonst kein Mann betreten kann.“

Mit einem metallischen Klicken öffnete sich die Tür. Dem Geräusch der Servomotoren nach handelte es sich um eine Tür aus massiven Stahl. Als wir hindurchgingen, schloss sie sich hinter uns und wir standen vor einer zweiten Tür, die, nachdem sie uns abgescannt hatte, sich ähnlich wie die erste Tür öffnete. Vor uns erstreckte sich ein langer schmaler Flur.

„Du kannst deinen Schleier jetzt abnehmen. Ich zeige dir nun alles.“ Es gab einen großen Aufenthaltsraum mit einem riesigen angeschlossenem Bad, in dem sich einige Frauen die Zeit vertrieben. Sie zeigte mir den Gebetsraum, die Gemeinschaftsküche, die Waschküche mit Trockenraum und Bügelzimmer. Dann zeigte sie mir noch einen sehr gut ausgestatteten Fitnessraum und dann standen wir vor meinem Apartment mit der Zimmernummer 122. Als ich eintrat, glaubte ich in einer Gefängniszelle zu stecken, so winzig war er. Ein schmaler Spind und ein schmales Bett fanden darin Platz.

„Denk dir nichts dabei!“,sagte Nur.

„Es dient nur zum Schlafen oder um sich gelegentlich mal zurück zu ziehen. Das Leben findet immer in der Gemeinschaft der Frauen statt. Lizzy wird sehr umfangreich untersucht. Sie wird, wenn sie hier ist sicher nur noch schlafen wollen, also hast du Zeit dich bei den anderen Frauen bekannt zu machen. Ich hoffe, ich darf dich alleine lassen und also willkommen Schwester, Salam aleikum!“

„Wa alaikum as-salam und vielen Dank für deine Mühen, liebe Nur.“ Erschöpft von der Reise und den ersten Eindrücken setzte ich mich auf meine schmale Matratze. Ohne es zu merken schlief ich für eine halbe Stunde ein. Dann machte ich mich vom Nickerchen erfrischt auf Erkundungstour.