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Sie drehte sich zu mir um und sagte: „Ich nenne mich jetzt Kamila. Wenn du willst sprechen wir in der Pause mit einander.“

In der Pause folgte ich Hanna zu ihren Freundinnen. Sie trugen alle ein weites wollenes Gewand mit langen Arm, das bis zu den Knöcheln reichte. Auf dem Kopf ein Hauben-ähnliches Kopftuch und darüber noch ein Tuch, dass weit über ihre Taillen reichte. Es schien mir, dass es sich um ein Tuch mit einem runden Loch handelte. Es lag eng am Kinn an, so dass nur noch ein kleines Dreieck vom Gesicht zu sehen war. Wenn sie nur ein wenig ihre Köpfe senkten verdeckte der Haubenschleier fast ihr ganzes Gesicht, nur die Nasenspitze sah man dann noch. Die Mädchen waren allesamt Deutsche und einige von ihnen waren sogar meine Kundinnen. Ich dachte: „So ein Mist! Denen werde ich bestimmt nichts mehr verkaufen können.“ „Hei, Lisa! Was macht dein Kanal? Wie du sicher erkennen kannst, gehören wir nicht mehr zu deiner Zielgruppe.“

„Jesus! Bist du das, Petra?“ ,frug ich geschockt. Sie und Hanna waren doch die absoluten Feger auf unserer Schule.

„Samira, bitte! Ich bin wie Kamila zum Islam konvertiert und bin jetzt eine sittsame und ehrenhafte Muslimah.“ ,sagte sie. Ich musste das erst mal verdauen. Die tollsten und hübschesten Mädchen auf dieser Schule standen tief verhüllt vor mir. Selbst ihre nackten Hände versteckten sie unter ihre Schleier. Nur ein kleines Hand-großes Dreieck von ihrem Gesicht war nur noch zu sehen.

„Ich glaube langsam, ich habe irgendwas verpasst. Wie lange geht das denn schon?“ frug ich sie ziemlich verwirrt.

„Julia, jetzt Amber Meyer, die mit der alkohol- kranken Mutter, war die erste von uns. Das war vor circa zwei Monaten. Soviel ich weiß, hat sie sich abgemeldet, um zu heiraten. Kamila und ich sind letzte Woche konvertiert.“ ,sagte Petra, ich meine natürlich Samira.

„Du wunderst dich über unsere strenge Bekleidung, nicht wahr?“ frug mich Kamila.

„Vielleicht hast du schon mal was von den Salafisten gehört?“

„Du meinst die Terroristen, die Bombenleger und Selbstmordattentäter?“ ,frug ich sie.

„Unsere Politiker und die Journalisten nennen diese Verbrecher so. Ob aus Unwissenheit oder böser Absicht, weiß ich nicht. Jedenfalls sind diese Mörder Wahabiten, bezahlt von Saudi Arabien, dem guten Freund der USA und der EU. Wir Salafisten sind streng gläubige, zum Teil sehr streng gläubige Moslems und betrachten Mord und Terrorismus als Todsünde. Unsere Imame lehren uns einen friedlichen, liebevollen Islam und die totale Hinwendung zu Allah.“

Die Pausenglocke ermahnte uns unser Klassenzimmer aufzusuchen. Ich war dafür unendlich dankbar, denn ich hatte einen großen Haufen an neuen Informationen aufzuarbeiten.

Mein Umfeld schien sich völlig zu verändern und ich hatte es erst jetzt gemerkt. Komischer Weise empfand ich es als fast normal. Ja, ich war richtig neugierig, was wohl noch passieren könnte.