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Teil1

Eine Fortsetzung mit anderen Mitteln :)

Du solltest das Schwimmbad gelesen haben, um die Geschichte der Barbara Bergmann besser zu verstehen.

Es ist aber keine Voraussetzung.

Barbara:

Nun wie ihr wisst, haben Sabine und Laila die Familien getauscht. Sabine übernahm die Rolle einer streng muslimischen und tief verschleierten Frau, während Laila zu mir zog um fortan ein freies, westliches und selbstbestimmtes Leben zu führen. Zum besseren Verständnis benenne ich ab jetzt meine Adoptivtochter Sabine Bergmann Laila und Laila Kabir nenne ich Sabine.

Zu diesem Zeitpunkt war meine finanzielle Lage sehr angespannt, da ich einfach keine gut bezahlte Arbeit fand. Zermürbt von all den Absagen und dem dauernden Druck Geld zu verdienen, war ich in einer tief depressiven Stimmung.Es ist wirklich schlimm. Du fühlst dich irgend wann nutzlos, wenn niemand dich will und du nicht mehr gebraucht wirst. Dank der Tüchtigkeit der „neuen“ Sabine, sie fand sehr schnell eine Anstellung als Dolmetscherin in der Stadtverwaltung, in der sie genug für uns beide verdient, geht es wieder etwas bergauf. Auch verstehen wir uns prächtig, uns verbindet eine tiefe Freundschaft, die ich mit der „alten“ Sabine so nie hatte.

Nichts desto trotz kann das nur vorüber gehend sein, schließlich will Sabine sicher bald ihr eigenes Leben leben und da wird bestimmt kein Platz für eine Freundin sein, die sie mit durch füttern müsste.

Ich traf mich jetzt einmal in der Woche mit Hassina, um uns wegen der Mädchen zu besprechen. Ich konnte meinen Kummer vor Hassina nicht verbergen. Ihr konnte keiner was vormachen, sie hatte ein unglaubliches Einfühlungsvermögen.

„Liebste Freundin du siehst so bedrückt aus, bitte erzähl mir deinen Kummer, dann wird es dir gleich besser gehen.“

„Es ist nicht wegen unserer Kinder, da ist alles gut. Es sind meine Probleme.“ antwortete ich ihr.

„Oh, ihr Deutschen mit eurem dummen Stolz, siehst du nicht, wie sehr ich mit dir fühle, nun sag schon, was mit dir nicht stimmt!“

„Gott tut das gut, zu wissen, dass es jemand in dieser kalten Welt gibt, der sich um mich sorgt! Ich versuche seit Jahren eine vernünftige Arbeit zu finden. Ich bin eine erwachsene Frau von der in diesem Land erwartet wird, dass sie sich und ihre Familie versorgen kann. Statt dessen laufe ich seit Jahren zu den Behörden oder zu Einstellungsgesprächen. Niemand scheint mich zu brauchen, ich bin nur nutzlos.“

Für einige Sekunden war es ganz still unter ihrem Schleier. Dann seufzte sie und sprach:

„Barbara, Liebes bist du wirklich so blind, siehst du nicht wie sehr mich deine Gesellschaft erfreut, spürst du nicht die Blicke Mohameds. Was wären wir ohne deine Hilfe. Wir sind so glücklich, wie schön sich alles entwickelt hat."

Denn so ergab es sich, dass „Sabine“ meine Tochter wurde und „Laila“ zum Islam konvertierte und die Tochter von Mohamed und Hassina Kabir wurde. Hassina und ich sind jetzt richtig gute Freundinnen. Wir treffen uns jetzt regelmäßig im Hotelrestaurant und freuen uns, wenn Mohamed an den Treffen teilnimmt. Er ist wirklich ein Mann, um den ich Hassina beneide. Er strahlt eine ungeheure Kraft aus, und hat doch gleichzeitig ein kluge und sanftmütige Art, wie ich sie bei deutschen Männern nie fand. Gleich wohl fühle ich mich geborgen und sicher in seiner Gesellschaft. Als ich Hassina das sagte, lachte sie herzlich unter ihrem Schleier und sagte:

„Meine liebe Freundin du bist ganz schwer in meinen Mann verliebt!“ Ich wurde knall rot wie ein Teenager – sie hatte ja so recht. Konnte ich wissen, dass sie unser Gespräch an ihren Mann weitergab. Sie sah in mir nicht nur eine gute Freundin, sondern auch eine potenzielle zweite Frau Mohamed Kabirs, und somit eine Schwester und Gesellschafterin. Diese Gedanken waren für meine westlichen Vorstellungen natürlich noch weit weg. Doch Hassina kriegt immer was sie will. Jedenfalls genoss ich das Zusammensein mit den beiden, sie waren schließlich meine einzigen Freunde.

So sind wieder einige Monate vergangen, in denen Laila ihren Imam heiratete, Sabine immer mehr sich in unsere Kultur einfügte. In letzter Zeit sehe ich sie kaum noch. Ich glaube, sie ist verliebt. Beim nächsten Treffen mit meinen beide Freunden sagte mir Hassina:

„Liebste Freundin, ich hatte ein Treffen mit deiner Tochter. Sie sagte mir, sie sei in einen Deutschen verliebt und möchte mit ihm zusammenleben.“ „ Ja,“ sagte ich. „das habe ich befürchtet. Sie muss nun ihren eigenen Weg gehen. Ich muss mal wieder sehen, wo ich bleibe.“

Tröstend ergriff eine behandschuhte Hand die meine. Während Mohamed zu mir sagte:

„Liebe Barbara, bitte versteh mich nicht falsch, schon lange sehe ich, wie einsam du doch bist und meine Gefühle zu dir sind in der langen Zeit, die wir uns kennen, gewachsen. Es macht einen Araber traurig eine ihm liebgewordene Frau leiden zu sehen. Ich weiß, du bist eine Europäerin und dir sind islamische Sitten fremd. Daher will ich dich bitten, für drei Monate in ein Zimmer neben unserem Appartement zu ziehen. Du wirst von Hassina in unsere Sitten und unsere Religion eingewiesen. Ich werde dich nur noch tief verschleiert sehen. Nach drei Monaten werde ich dich bitten meine Frau zu werden und egal wie du dich dann entscheidest, ich werde dir immer zur Seite stehen.“

„Aber Hassina ist deine Frau, das kannst du ihr doch nicht antun!“ sagte ich ziemlich geschockt.

„Was kann er mir nicht antun? Er schenkt mir eine neue Schwester, eine die ich von Herzen lieb gewonnen habe. Bald verlassen mich meine Töchter und dann sind wir uns beide Stütze und Gesellschaft. Ist das nicht wunderbar.“

„Oh, Gott oder muss ich jetzt oh Allah sagen?“ versuchte ich zu scherzen, ich war total verunsichert.

„Ihr möchtet, dass ich wie einst meine Adoptivtochter zum Islam konvertiere und ein Leben als gehorsame und gläubige Muslimin führe?“ „Du hast drei Monate Zeit es zu probieren, im Islam gibt es keinen Zwang, du musst am Ende immer selbst entscheiden.“sagte Mohamed. Der Gedanke zurück in meine leere Wohnung zu gehen oder bei meinen Freunden zu sein, ließ mich nicht mehr lange zögern. Ergriffen von soviel Liebe, die mir entgegen gebracht wurde, stimmte ich zu. Ich sah Tränen in Mohameds Augen und hörte auch Hassina schluchzen und jetzt wusste ich, wie sehr sie mich liebten. Sofort schnappte Hassina sich meinen Arm, als hätte sie Angst, ich könnte es mir noch überlegen und brachte mich ins Appartement, wo meine Verwandlung zum schwarzen Gespenst :) augenblicklich stattfand.

Teil 2

Es wurde ein schönes und großzügiges Zimmer für mich eingerichtet.

So sitze ich hier tief verschleiert einen Pfefferminztee trinkend und harre der Dinge, die da kommen werden. Kann ich wirklich mein ganzes altes Leben gegen dieses strenge, unterwürfige Dasein tauschen?

Ich bin 35 Jahre alt, ich weiß es nicht, aber Mohamed ist sicher Mitte 50 – ist er nicht ein bisschen zu alt für mich? Er wird mir als seine Frau mit Sicherheit verbieten zu verhüten. Was ist, wenn ich schwanger werde. Ich wollte doch nie eigene Kinder, und wie denke ich heute darüber? Will ich, die scheinbar emanzipierte westliche Frau, wirklich muslimische Ehefrau, vielleicht sogar Mutter werden, die ihrer Familie den Haushalt führt und ihrem Mann gehorsam dient?

Verdammt, ja ich war noch nie so glücklich wie jetzt bei ihnen, das ist es mir hundertmal wert! Und so begann sich dann auch mein neues Leben ziemlich drastisch zu verändern. Um vier Uhr morgens werde ich liebevoll aber bestimmt von Hassina geweckt.

„Aufstehen, Schlafmütze, es ist Zeit für das Morgengebet.“

Zum ersten mal verschleiert geschlafen, brauchte ich einige Zeit, um mich zu orientieren.

„Sag nicht, dass ich jeden morgen so früh aufstehen muss.“

„Doch wir beten jetzt zusammen, dann machst du dich schnell frisch und wir bereiten dann das Frühstück für Mohamed, du wirst neben mir knien und lernen wie man einen Mann bedient. Und so lebte ich mit Hassina das Leben einer muslimischen Frau. Sie lehrte mich alles und am Nachmittag ging ich in die Koranschule. Dort halfen mir meine Mitschülerinnen Arabisch zu sprechen und auch in meinem neuen zu Hause sprachen wir bald nur noch arabisch miteinander.

Nach ca. vier Wochen vergaß ich die Zeit, ich lebte mit meinen Liebsten in schönster Gemeinsamkeit. Ich nenne mich jetzt Bire, ein schöner arabischer Name. Den Schleier bemerke ich nur noch selten. Wenn wir mit Mohamed zusammen sitzen, muss ich, da ich noch nicht seine Frau bin, alle drei Lagen des Niqab überziehen, aber selbst die beinahe Blindheit stört nicht mein Gefühl tiefer Zugehörigkeit zu ihnen.

 

„Bire, heute sind die drei Monate um, wie hast du entschieden?“ frug Hassina mich.

„Wie es sind schon drei Monate um?“ Ich musste mich erst mal setzen. „Wenn du liebe Hassina mich zur Schwester nimmst, werde ich mich tief geehrt fühlen und mit Freuden Mohameds zweite Frau und eine gute Muslimin werden.“

Wir umarmten uns und gingen zu Mohamed. Voller Freude fuhren wir zur Moschee.

Alle warteten auf uns. Laila mit ihrem Mann, den Imam, und ihre drei Schwestern und auch zu meiner großen Freude meine Sabine. Sie stellte mir einen Deutschen als ihren zukünftigen Ehemann vor. Wir gingen in die Moschee und ich sprach die Schahada. Mit dem Einverständnis Hassinas gaben Mohamed und ich uns das Eheversprechen.

Weinend vor Glück lagen wir Frauen uns in den Armen. Dann ermahnte uns unser Mann, dass es Zeit wäre zu gehen. Und so folgten wir gehorsam unserm Gatten nach Hause.

 

Ein Jahr später:

Heute habe ich mein erstes Kind entbunden. Ein Junge. Er soll Ahmed heißen. Ich bin so glücklich, er ist wunderschön. Meine Schwester Hassina sitzt bei mir am Bettrand und hält mir die Hände. Mohamed kommt mit unserem Sohn auf den Arm ins Zimmer.

„Ich glaube liebste Bire, unser Sohn hat Hunger.“ Er reicht ihn mir.

„ Sobald du fertig bist, können wir nach Hause fahren.“

Alle waren da, als wir zu Hause ankamen: Sabine, Laila mit ihrem Mann und ihrem Sohn Rachid, die drei Mädchen Rabia, Safa und Hadia. Ich lebe jetzt in einer richtigen Familie und sie wird immer größer. Heute trage ich stolz meine Schleier. Mit ihnen erweise ich Allah und meiner Familie meine Liebe und meinen Respekt.

Wir sind alle endlich angekommen und überglücklich.

Ende