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Teil 1

Sabine Bergmann geht regelmäßig ins Schwimmbad, meistens allein. Sie ging von den Umkleidekabinen zum Becken, als ihr zwei Frauen begegneten,die Burkinis trugen,die eine schwarz und die andere dunkelblau – jene muslimische Badeanzüge, die von einigen arabischen Frauen getragen wurden. Das glänzende Material ihrer Anzüge bedeckt den ganzen Körper bis auf das Gesicht, an den Händen trugen sie gleichfarbige Handschuhe, an den Füßen weiße Gummischuhe. „Irgendwie wirken sie ziemlich hübsch“, dachte Sabine. „Lasst ihr mich bitte vorbei.“sagte sie zu den zwei Frauen, die sich ihr zuwandten. „Sag du doch bitte meiner Tochter, wie gut sie im Burkini aussieht“, sagte die ältere Frau im schwarzen Burkini. Wohl mehr um endlich an den Frauen vorbei zu kommen, sagte Sabine: „Wirklich es ist nicht hässlich. Du siehst darin richtig gut aus.“ „Tue ich nicht! Ich würde lieber deinen Badeanzug tragen!“ wandte die jüngere sich an Sabine. „Weißt du was mein Kind, wenn du unbedingt keinen Burkini tragen und heute trotzdem schwimmen willst, dann überrede sie mit dir zu tauschen. Wenn nicht werde ich dich nie wieder hierhin mitnehmen.“ sagte die Mutter. Die Jüngere sagte zu Sabine: „Wenn du es wirklich nicht hässlich findest, dann lass uns doch bitte tauschen.“ Sabine, die eigentlich endlich ins Wasser wollte, sagte zu den Streithähnen: „Damit ich heute noch ins Wasser komme, lass uns tauschen.“ Schnell schlüpfte die Jüngere in Sabines Badeanzug. Während dessen reichte die Mutter ihr den Burkini. Die Hose war aus einem elastische Material und reichte ihr, sehr eng anliegend, bis an die Knöchel. Es fühlte sich ähnlich wie Latex an, schien jedoch mehr wie ihr Badeanzug zu sein. Dann nahm sie das Oberteil, es war vom gleichen Material und war auch so eingefärbt, wie die Hosen. Als sie die Kapuze über den Kopf zog, sah man nur noch ihr Gesicht und Hände und Füße. Dann zog sie noch die weißen Gummischuhe und die blauen Handschuhe an. „Betrachte dich im Spiegel. Wie gefällst du dir?“ frug die Frau. „Und wie findet ihr, sehe ich in Sabines Badeanzug aus?“ frug die Jüngere, glücklich vor dem Spiegel posierend. Sabine betrachtete sich selbst im Spiegel. Obwohl nur ihr Gesicht zu sehen war, musste sie sich eingestehen, dass sie gut aussah. Der eng anliegende Burkini zeigte eigentlich mehr als er verbarg. Sie fühlte sich absolut sexy. Letzt endlich kamen sie zum Schwimmbecken und sie stellten sich einander vor. Hassina und ihre Stieftochter Laila sind gestern in der Stadt an gekommen. Laila war 18 Jahre alt und hatte noch 3 Schwestern: Rabia, Safa und Hadia, jeweils 16, 15 und 13 Jahre alt. Und sie alle lebten mit Lailas Vater, dem Chef der hiesigen Geschäftsabteilung in einem Hotel. Die beiden Mädchen gingen schwimmen und Hassina ging ins Nichtschwimmerbecken. Es war etwas seltsam im Burkini zu schwimmen, mit der Jacke, den Schuhen und den Handschuhen. Aber nach ein paar Metern war sie daran gewöhnt und dachte nicht mehr daran. Nach mehr als einer Stunde war sie ein wenig müder als sonst, aber es war ihr egal. Während des Schwimmens unterhielt sie sich mit Laila. Nie hätte sie gedacht, dass sie sich so schnell mit ihr anfreunden würde. „Wie gefällt es dir im Burkini?“ fragte Laila. „Alles gut. Aber jetzt, wo wir aus dem Wasser sind, wird mir doch kalt.“ „Du hast noch nicht die Maske ausprobiert, es ist alles Gewohnheitssache. Bei uns zu Hause brennt die Sonne am Strand so heiß, dass man für jede Kühlung dankbar ist.“ sagte Hassina und ging sich umziehen. Die Mädchen unterhielten sich noch eine Weile. Sabine betrachtete sich im Spiegel und dachte: „Ich sehe aus wie ein sexy Taucher“. Laila konnte sich kaum ein Grinsen verkneifen, wie Sabine sich selbst begutachtete. Auf dem Weg zu den Umkleidekabinen erwartete sie zum Schrecken Sabines eine Frau in Gestalt eines Schwarzen Gespenstes. „Beeile dich, Tochter, wir sind schon spät dran!“ kam Hassinas Stimme hinter dem Schleier hervor. Nachdem Sabine sich umgezogen hatte, traf sie zu ihrer Verwunderung auf eine tief verschleierte Laila. „Wenn der Schleier für dich kein Problem ist, wieso dann der Burkini?“ „Wer hat gesagt der Schleier sei kein Problem? Aber es ist der Wille meines Vaters und im übrigen müssen wir jetzt in unser Hotel zurück. Sehen wir uns morgen wieder, dann bringe ich dir eine Maske mit.“ sagte sie und reichte ihr ihre schwarz behandschuhte Hand. „Gut! Ich werde da sein!“ Sie nahm Lailas Hand. Sie fühlte sich angenehm glatt an. Zu Hause erzählte sie ihrer Mutter, wie sie im Schwimmbad ein arabisches Mädchen mit ihrer Mutter kennengelernt hatte. Das sie dort den Burkini der Tochter getragen und wie sehr es ihr gefallen hatte. „Soll ich dir einen kaufen?“ fragte ihre Mutter lachend. „Oh, ja und noch einen Schleier!“ Bei der Vorstellung, sie würde Lailas Schleier tragen. musste sie unwillkürlich lächeln. Am nächsten Tag kam sie etwas früher, um sich mit den Frauen auf dem Parkplatz zu treffen und sie gingen gemeinsam ins Schwimmbad. Dort tauschten sie wieder ihre Schwimmsachen. Nachdem Sabine sich umgezogen hatte, kam Laila zu ihr. Sie trug etwas Schwarzes in ihrer Hand. „Das ist die Schwimmmaske, die wir zum Schwimmen tragen. Probier es einfach mal!“ Sabine war überrascht, wie sehr sie einer Gasmaske glich. Sie war aus Gummi mit breiten Verstärkungen rund um. Unten hatte es ein großes birnen-förmiges Ventil zum Ausatmen und oben an der Stirn eins zum Einatmen. Zwei kleine runde verspiegelte Gläser bedeckten die Augen. „Ich zeige dir, wie man sie trägt?“,sagte Laila und trat hinter sie. Als sie ihr die Maske direkt vor ihr Gesicht hielt, drückte das Ventil gegen ihre Lippen. "Du musst deinen Mund weit aufmachen ,sagte Laila. Dann schob sie ihr das Ventil tief in den Mund hinein. Sie befestigte den Gurt hinter ihren Kopf und zog die Kapuze wieder darüber. Dann nahm sie eine kleine Luftpumpe zur Hand und pumpte solange bis der Ventilknebel ihren Mundraum füllte. Der Druck von innen auf Zunge und Wangen und die Gurte aussen über ihren Wangen bewirkte, dass sie nicht einmal mehr höhrbar stöhnen konnte. Sie war total stumm. Durch die reflektierenden Gläser konnte sie sehen, aber ihre Augen blieben verborgen. Laila reichte ihr ihr Smartfon und sagte: „ Wenn du kommunizieren möchtest benutze es." ,sagte sie der komplett geschocken Sabine. "Wie fühlst du dich?“, fragte sie dann. „Alles ist jetzt viel dunkler und meine Sicht ist durch die kleinen Gläser stark eingeschränkt. Ich kann nur geradeaus sehen. Meine periphere Sicht ist verschwunden und dieser Knebel ist ja grausam.“ ,schrieb sie. Auch das die Atemluft nun über ein Ventil kam, machte das Atmen schwieriger. Sie besah sich im Spiegel. Die schwarze Maske bedeckte den letzten sichtbaren Teil von ihr. „Ich bin Mrs. Vader“, dachte sie kichernd. „Gefällt dir, was du siehst? Für mich siehst du großartig aus!“ sagte Laila. Hinter ihrer Maske lächelte Sabine, denn es begann ihr sogar sehr zu gefallen.Sie nickte nur. Nach dem Schwimmens, als sie sich der Maske entledigt hatte, sagte sie Laila, wie sehr sie sich doch dafür interessierte, wie Laila lebte, warum sie sich verschleierte und wie es sich anfühlt. Laila sagte, sie sei nicht tief gläubig, aber sie schläft sogar verschleiert und bete fünf Mal am Tag, weil ihr Vater es verlange. „Wenn du wissen willst, wie ich lebe, komm mit. Ich gebe dir unsere Kleidung und da heute Freitag ist, kannst du sie das ganze Wochenende tragen.“ Sabine war von dem Gedanken begeistert. „Ich sollte erst mit meiner Mutter sprechen.“ „Tu es! Ich habe bereits meinen Vater gefragt, ob ich dich zu uns einladen darf und er ist sehr erfreut.“ „Meine Mutter wartet auf dem Parkplatz auf mich. Glaubst du sie könnte auch mitkommen?“ „Aber sicher! Warum auch nicht.“ Laila nickte. Als sie aus der Garderobe traten, wartete Hassina schon auf sie. Laila erzählte ihr worauf sie sich verabredet hatten. „Gut, solange deine Mutter keine Einwände hat, gebe ich dir gerne den Schleier.“ sagte sie zu Sabine und holte die schwarze Kleidung aus dem Schrank. Zuerst gab sie ihr ein knie langes schwarzes Höschen und dann ein langes schwarzes Hemd. Sie reichte ihr schwarze lange Strümpfe, gab ihr ein Paar schwarze Schnürstiefel und dann eine schwarze bodenlange Abaya. Sie wickelte einen schwarzen Hijab um ihren Kopf und gab ihr schwarze Handschuhe. Schließlich wurde ein dreilagiger Niqab an ihren Hinterkopf befestigt. Dann zog sie die Schichten über ihre Augen und nahm ihr so fast die ganze Sicht. „Die erste dieser drei Schichten ist immer vor deinen Augen, die zweite trägst du in den Frauenräumen, und die dritte in der Öffentlichkeit oder bei Anwesenheit fremder Männer im Haus, dann müssen immer drei Schichten unten sein. Wie fühlst du dich? “, fragte Hassina. Sabine besah sich im Spiegel und war überrascht, wie sehr es ihr gefiel, was sie sah. Sie sah einen schwarz gekleideten Geist, einen gesichtslosen Kegel, eine Muslimin im schwarzem Schleier, von der nichts zu sehen war. Sie lehnte sich dicht an den Spiegel, um wenigstens ihre Augen hinter den drei Schichten zu sehen, aber der Schleier war zu dick. „Interessant, ungewöhnlich warm, die Sicht stark eigegrenzt und ganz grau, aber auf jeden Fall exotisch. Aber jetzt muss ich mich umziehen,um mit meiner Mutter zu reden! “, sagte sie mit einem unsichtbaren Lächeln. “Nein, das musst du nicht tun! Behalte es einfach an! “, hörte sie Lailas Stimme hinter sich, und als sie sich umdrehte, war sie überrascht, dass Laila ihr Kleid, ihre Schuhe und sogar ihre Tasche an ihrer Schulter trug. „Du siehst großartig in meinen Kleidern aus! Es steht dir sehr gut. Vielleicht besser als mir! ” „Vielen Dank! Der Schleier steht dir auch gut! Du siehst aus wie eine echte Muslimin!“ Laila dachte, wie es wäre, wenn Sabine für sie den Schleier trüge und musste bei diesem Gedanken lächeln. „Und jetzt lass uns deine Mutter finden”, sagte Hassina, nahm das verschleierte Mädchen an die Hand und führte es aus dem Schwimmbad.

Teil 2

Barbara stand neben ihrem Auto und wartete auf ihre Tochter, als sie bemerkte, dass zwei arabische Frauen in schwarzen Schleiern auf sie zu kam, hinter sich ein Mädchen, dass wie Sabine gekleidet war. „Hallo Mama! Das sind Hassina und Laila, über die wir gestern gesprochen haben. Wie gefalle ich dir?” Die Stimme von Sabine kam leicht gedämpft hinter einem schwarzen Schleier hervor. „Geht es noch? Warum trägst du in einem Schleier?“ fragte Barbara, die ihre Sonnenbrille abnahm, um sie besser zu sehen. „Ja Mama. Ich fragte mich, wie es ist einen Schleier zu tragen und Hassina gab mir Lailas Kleidung und Schleier. Wie sehe ich aus?” Barbara ging um die zwei verschleierten, identischen Gestalten herum. „Fein! Willst du nicht so bleiben? Soll ich eine Moschee für dich finden? Oder vielleicht einen muslimischen Mann?“ Barbara lachte. „Bitte! Ich würde es gerne anbehalten, zumindest bis zum Ende der Woche. Laila hat uns eingeladen. Möchtest du nicht mitkommen? Oder lässt du mich alleine gehen? Und wie ist dein Bewerbungsgespräch gelaufen?” „Warum nicht? Leider war das Vorstellungsgespräch ein Fehlschlag, wie immer. Es ist wirklich nicht einfach, einen Job zu finden!“ sagte Barbara leise. Ein arabischer Mann stand plötzlich neben ihnen und sagte: „Ich heiße dich willkommen! Ich freue mich, dass du die Einladung angenommen hast, selbstverständlich ist uns auch deine Mutter von ganzem Herzen willkommen. Mein Name ist Mohamed Kabir. Bitte folgen Sie dem Auto zum Hotel, meine Dame!“ wandte er sich an Barbara und stieg in sein Auto. „Jetzt bist du bist diejenige, die Lailas Platz einnimmt, setz dich neben mich Sabine, der Platz für Frauen ist im Fond. Wir werden dich jetzt Laila nennen! Du wolltest ja das Leben meiner Tochter ausprobieren. Laila, du bist jetzt Sabine und sitzt bei Barbara im Auto,“ sagte Hassina und öffnete Sabine die Wagentür. Zu ihrer Überraschung waren da drei verschleierte Mädchen zu sehen. „Hallo Sabine! Oder können wir dich Laila nennen? Sie streckten ihr ihre behandschuhten Hände entgegen. „Hallo! Seid ihr Lailas Schwestern? Nennt mich, wie ihr möchtet!“ Sie gab den drei Mädchen die Hand. „Ja! Unsere Schwester hat gestern von dir gesprochen. Sie simste uns, du wärst im Schleier und wir alle waren uns einig, dass du kommen und als Laila bei uns bleiben sollst!“ sie lachten alle zusammen. Während der ganzen Fahrt unterhielten sich Hassina und die Mädchen mit Sabine. Sie lächelte hinter dem Schleier, denn sie mochte es, wie ein Familienmitglied behandelt zu werden. In der Zwischenzeit überlegte sie, wie es sein konnte, dass sie jetzt als Laila verschleiert zwischen diesen fremdartigen Frauen saß und wieso sie dem heute so einfach und erfreut zustimmte? Sie verstand sich selbst nicht mehr. Wie Laila gestern so einen Aufstand mit dem Burkini machte und dann später ohne zu murren den Schleier trug, machte Sabine doch nachdenklich. War das alles gestern inszeniert gewesen? Und wenn ja, warum? Doch schnell verflogen ihre Bedenken, denn die Verschleierung gab ihr ein bisher unbekanntes Gefühl der Geborgenheit und die freundliche Zuwendung der Frauen tat ihr richtig gut. In dem anderen Auto saß Laila zum ersten Mal auf dem Vordersitz und das Auto wurde von einer Frau neben ihr gefahren. Sie konnte ohne einen Schleier nach draußen schauen und vom Sonnenlicht geblendet zu werden war eine ganz neue Erfahrung für sie. Barbara sah, dass sie die Sonne zu hell fand. „Du findest eine Sonnenbrille in deiner Tasche. Zieh sie auf!“ Laila setzte die Brille auf und sah sich im Spiegel an, sie sah ein trendiges westliches Mädchen, sie mochte, was sie sah, wie viel besser als der dumme Schleier, dachte sie. Als sie das Hotel betraten, ging Kabir zur Rezeption: „Die Schlüssel bitte ,ich bin Mohammed Kabir. Und das Essen für acht Personen auf mein Zimmer. Ich habe Gäste. „Natürlich, Mr. Kabir! In einer halben Stunde bringen wir das Essen, wenn es Ihnen recht ist?” sagte der Portier, als er den Schlüssel reichte. „Perfekt!” Er nahm den Schlüssel und gestikulierte zu den anderen, ihm zu folgen. „Komm Laila, lass uns gehen!” sagte Hassina, Sabine nickte nur und sie gingen alle hoch. Das Zimmer war eigentlich eine Suite, drei Zimmer, ein Badezimmer, eine Toilette. Bald klopfte es an der Tür und das Abendessen wurde gebracht. Hassina richtete sich auf, sagte aber ihrem Gast, sie sollte warten, bis ihr Mann fertig gegessen habe. Kabir stand vom Tisch auf, als er fertig gegessen hatte, dankte ihr für ihren Dienst zum Abendessen und verließ das Zimmer. Dann setzten sich die Frauen an den Tisch und Sabine sollte versuchen, mit Schleier zu essen. „Warte! Lass mich dir zeigen, wie es geht!” sagte Hassina und hob ihren Schleier ein wenig, sie aß mit behandschuhten Händen. Sabine folgte ihrem Beispiel. Barbara sah Sabine neugierig zu und lachte dann, als Laila reflexartig nach ihrem Schleier gegriffen, obwohl sie keinen trug. Laila lachte auch: „Entschuldigung, aber ich bin daran gewöhnt.” „Du Laila! Du isst genauso gut, wie wenn du schon immer einen Schleier getragen hättest.” Schlugen sich die Mädchen auf Sabines Seite. Sie sprachen während des Essens über alles. Barbara frug Sabine, wie es sich anfühlt, Schleier zu tragen. "Wie es Hassina vorgeschlagen hat, probier es aus!" ,sagte sie. Ein paar Minuten später saßen fünf verschleierte Frauen und eine westlich gekleidete Frau am Tisch. Sie redeten lange miteinander, und Barbara begann sich schon an den Schleier zu gewöhnen. Dann stand sie eine Stunde später auf und sagte: „Es wird spät, wir müssen nach Hause gehen!” „Aber ich habe Sabine versprochen, dass sie das Wochenende als Laila verbringen kann”, sagte Laila. „Nun, wenn Sabine es so will, macht es mir nichts aus, aber dann kommst du mit mir. Wenn sie Laila ist, dann bist du eben Sabine. Du trägst ja schon ihre Kleidung. Nun, du süßes arabisches Mädchen, bleibst du hier?” Barbara wandte sich an ihre Tochter. Dabei hatte sie selbst ganz vergessen, dass sie immer noch den Schleier trug. „Natürlich wirst du hier bleiben! Bleib bei uns, Laila!“ sagten die Mädchen. „Ja,Mama! Das ist hier alles so aufregend fremdartig, ich möchte nichts verpassen!“ kam die Antwort hinter dem schwarzen Schleier. „Barbara, ich glaube du hast etwas vergessen!“ sagte Hassina. „Was?“ fragte Barbara. „Na, der Schleier. Du wirst schwerlich verschleiert nach Hause fahren können.“ „Oh je, den habe ich ganz vergessen! Bitte hilf mir mich umzuziehen, Hassina.“ Alle lachten. Barbara und Laila freuten sich auf ein gemeinsames Wochenende. Als sie in Barbaras Haus ankamen, schaute Laila in den Spiegel und lächelte. „Gefällt es dir hier?“ „Oh ja sehr!“ „Und hast du Lust ein mutigeres Outfit auszuprobieren?“ „Ich kann es kaum abwarten.“ Hassina brachte einen Koran und setzte sich vor die drei Mädchen. „Bis es Zeit ist zu beten, lese ich dir ein paar Verse aus dem Koran vor. Du wiederholst sie dann!“ Sie schlug das Buch auf und begann arabisch zu lesen. Ihre 'Schwestern' hielten liebevoll Sabines behandschuhte Hände. Sie hörte zu und wiederholte nach bestem Wissen den arabischen Text mit Hilfe der drei Mädchen. Sie merkte gar nicht, wie schnell die Zeit verging. Erst als Kabir ins Zimmer kam, sah sie, dass sie fast zwei Stunden lang gelesen hatten. Dann beteten sie zusammen, und Hassina sagte: „Es ist Zeit ins Bett zu gehen. Es wird für dich seltsam sein, in einem Schleier zu schlafen, aber das ist Teil unseres Lebens, und jetzt bist du nun mal unsere Laila.” Sie zog nur ihre Schuhe aus und legte sich verschleiert ins Bett, dass Sie sich mit den drei Mädchen teilen musste, die sie lange Zeit aushorchten, wie sie sich jetzt mit Schleier fühlte und wie sie zu Hause lebte. Dann wünschten sie sich eine gute Nacht.

Teil 3

Am Samstagmorgen erwachte Sabine mit einem Kuss: „Laila, aufstehen!” „Wer bist du? Was ist passiert? Wer ist Laila?” fragte sie schläfrig. „Du, natürlich! Erinnerst du dich nicht?” fragte sie eine schwarz verhüllte Hassina. „Guten Morgen, liebe Schwester!” Die Mädchen küssten sie gleichzeitig. Langsam kam sie zu sich und sie erinnerte sich, wo sie war. „Guten Morgen, alle zusammen!” sagte sie gähnend und legte ihre Hand auf ihren Mund, erst jetzt bemerkte sie, dass sie Handschuhe und Schleier trug. Sie stand auf , ging ins Bad um zu duschen, sich frisch, saubere Schleier an zu ziehen. Sie ging zum Frühstück, und dann wandte sich Hassina an Sabine: „Laila ging früh morgens zur islamischen Schule. Das musst du nicht, weil du keine Muslimin bist. Aber wenn du wie Laila leben willst, solltest du gehen. Was denkst du?” „Ich bin froh zu gehen, weil ich noch nie an einem solchen Ort war, aber hast du überhaupt Zeit?” „Na sicher! Geh, mach dich fertig!”, sagte Hassina und rief zwischenzeitlich die Schule an, um zu erklären, worum es ging. Hassina begleitete die vier Mädchen zur Schule, wo der Imam in der Klasse auf sie wartete. Zwanzig ähnliche schwarz verschleierte Mädchen saßen da und beobachteten sie. „Ich will euch Sabine vorstellen. Danach machen wir weiter mit euren Übungen meine Töchter! Sie ist Christin und jetzt ist sie hier anstelle von Laila, also werden wir sie Laila nennen. Sie spricht kein Arabisch, daher werden die Lektionen ausnahmsweise nicht auf Arabisch gehalten, aber die Gebete schon.” Sabine war begierig zu sehen, wie und was die anderen Schüler taten. Sie lauschte den Gebeten des Imams und betete mit den anderen so gut sie konnte. In den Pausen versammelten sich alle. Sie wurde von ihren neuen Mitschülerinnen mit Fragen überhäuft, wie sie sich jetzt fühle, wie Christen im Vergleich zu Muslimen lebten und wie es zum Rollentausch zwischen ihr und der echten Laila gekommen ist. Sie fühlte sich wie ein Filmstar, der Autogramme gab. Natürlich wusste sie, dass sie nur daran interessiert waren, weil sie Christin war und die Erste, die zur Koranschule kam. Aber sie hat es trotzdem genossen. Nach der Schule verabschiedeten sie sich voneinander. „Du musst morgen unbedingt wiederkommen!“ forderten sie alle. „Okay, wenn der Imam keine Einwände hat.“ „Warum sollte ich? Ich freue mich dich hier zu sehen! Und wer weiß, vielleicht nimmst du ja den Islam an und wirst Muslimin! Vielleicht heirate ich dich dann!“ sagte der Imam lächelnd. Am Nachmittag fragte Hassina Sabine: „Willst du mit Laila zum Pool gehen?” „Na sicher! Ich schwimme wirklich gerne “, nickte Sabine. „Warum können wir nicht gehen?” fragten die Mädchen. „Aber ihr könnt nicht schwimmen! Und bis jetzt wolltet ihr es nicht lernen! Im Übrigen habt ihr keine Badeanzüge!” Hassina schüttelte den Kopf. „Dann soll uns unsere neue Schwester das Schwimmen lehren. Das machst du doch, nicht wahr, Laila?”,fragte Rabia. „Und auf dem Weg dorthin könnten wir anhalten, um Badebekleidung zu kaufen!” fuhr Safa fort. „Wenn die Mutter zustimmt, macht mir das nichts aus”, sagte Sabine. „Bitte, lass uns mit euch mitkommen!” fragten sie ihre Mutter und die drei Mädchen umringten sie. „Von mir aus, gerne. Aber dann lasst uns anfangen! Ich werde in der Zwischenzeit mit eurem Vater reden.” Eine Viertelstunde später gingen sie im Laden einkaufen. Rabia wählte schließlich einen grünen Burkini, Safa gelb und Hadia rosa. Sie kauften auch für alle eine schwarze Maske. Als sie das Bad erreichten, wartete Laila schon auf sie. Es war ein großartiger Tag für Laila. Sie ging in der Stadt spazieren. Sie ging zum Friseur, wo sie sich Haare so machen ließ wie Sabine. Im Nagelstudio hatte sie sich ihre Nägel machen lassen, und sie ging auch zur Kosmetikerin. Sie sah aus und fühlte sich wie die echte Sabine. Sie genoss das Leben ohne Schleier. Sie musste auch nicht früh aufstehen, um zu beten. Sie mochte wie die Sonne auf ihre Haare schien und eine leichte Brise durch ihr Haar blies und die sexy Kleidung. Sie versuchte auch, Sabines hochhackigsten Schuhe zu tragen.Sie hat auch viel über Sabines Leben gelernt. Sabine ist nicht Barbaras Tochter. Sie war eine Waise, die bis zu ihrem fünften Lebensjahr im Waisenhaus war. Dann adoptierte Barbara sie. Sie erzählte Barbara, dass Hassina auch nicht ihre Mutter sei. Sie ist die Tochter der ersten Frau ihres Vaters, die bei ihrer Geburt starb. Ihr Vater hatte ihr das nie ganz vergeben. Barbara sagte, dass weder sie noch Sabine lange Zeit in einer Anstellung gewesen seien und sie sich in finanziellen Schwierigkeiten befänden. Laila kaufte für Barbara das Mittagessen, und dann aßen sie. „Ich wollte das immer schon immer mal versuchen, aber ich hatte nie die Chance”, sagte sie. „Fass es nicht an! Es ist Schweinefleisch! Ist es dir nicht verboten?“, fragte sie, als sich Laila ein geschnittenes Stück Fleisch aus der anderen Schüssel genommen hatte. „Aber das ist verboten für die muslimische Laila, aber für die Christin Sabine geht das in Ordnung!”,sagte Laila mit einem Lächeln und begann gut zu essen und schenkte sich dazu ein Glas Bier ein. Barbara dachte lächelnd, wie schnell sie sich angepasst hatte. Sie wuschen nach dem Mittagessen ab und machten Ordnung. Barbara sah, dass Laila über etwas nachdachte. „Was ist los mit dir? Irgendwas stimmt nicht mit dir?” „Nein, ich habe nur darüber nachgedacht, wie es wäre, wenn ich bis zum nächsten Wochenende als Sabine bleiben könnte?” „Wenn Sabine zustimmt, warum nicht?”,sagte Barbara. „Danke, ich werde dich die Antwort wissen lassen!”,lachte Laila sie an. Nachdem Hassina den Kassierer bezahlt hatte, setzten sich Barbara und Hassina auf eine Bank in der Nähe. „Hassina! Laila schlug vor, dass sie bis zum nächsten Wochenende bei mir bleiben möchte. Was sagst du dazu?” „Weißt du, wie sehr wir uns mit Laila streiten? Wie gemein Laila mit ihren Schwestern umgeht? Das willst du besser nicht wissen! Sie möchte keine muslimische Kleidung tragen und macht nur Stress. Jetzt sagst du ihr, dass sie das alles nicht mehr muss! Jetzt ist Frieden!”,sagte Hassina seufzend. „Bist du sicher, dass wir über dasselbe Mädchen sprechen?” „Ich weiß es nicht. Sabine lebt wie eine geborene Muslimin, mit einem schwarzen Schleier sieht sie aus wie ein echtes arabisches Mädchen, so wie wir es uns immer von Laila wünschten. Ich würde sie gerne für immer behalten!” „Jetzt gehst du glaube ich etwas zu weit, obwohl die Idee vielleicht gar nicht so schlecht ist!” Barbara lachte. Die fünf Mädchen gingen in die Umkleidekabinen. Laila zog sich am schnellsten um, was ihr nicht schwer fiel. Diesmal hatte sie Sabines schönsten Bikini an. Dann waren die drei Burkini-Mädchen bereit. Rabia, Safa und Hadia sahen sich im Spiegel an. Dann zogen sie ihre Masken an. Wären die Burkinis gleichfarbig gewesen, hätten sie sich gegenseitig nicht erkannt. Das Schwimmen für Sabine war jetzt nicht möglich, stattdessen musste sie den Mädchen das Schwimmen beibringen. Insbesondere erwies sich Hadia als sehr gut darin. Laila schwamm heute allein, ohne Sabine, und sie genoss es, einen Bikini zu tragen. Zwischendurch beobachtete sie, wie die Mädchen von Sabine unterrichtet wurden.In aller Stille, denn unter den Masken waren sie stumm. In der Umkleidekabine, zog sich Sabine die schwarze Maske zurück und begann mit Laila zu sprechen. „Wie war dein erster Tag als Laila? Wie gefällt dir der Schleier?”,fragte Laila. „Alles gut! Ich konnte mir nicht vorstellen, dass es so einfach wäre, sich daran zu gewöhnen. Und wie fühlst du dich als Sabine?” fragte Sabine. “Sehr gut! Deine Kleider sind wunderschön! Und ich habe mich wirklich gut mit deiner Mutter verstanden! Es ist als ob sie meine wahre Mutter ist! Wie wäre es damit, das bis zum Ende der Woche zu verlängern?”,fragte Laila, als sie in ihren hochhackigen Schuhen um Sabine herumtanzte. „Ich bin dabei! Deine Schwestern sind richtig süß, sie behandeln mich wie ihre eigene Schwester, und deine Eltern behandeln mich wie ihre Tochter. Deine Klassenkameraden sind auch cool! Wir müssen nur mit unseren Müttern reden! Du hast schnell gelernt, in den Highheels zu laufen. ich habe es immer gehasst! “, bemerkte Sabine. „Übung ist alles. Ich mag es sehr Highheels zu tragen. Du findest meine Schwestern süß? Wir streiten immer! Und mach dir keine Sorgen! Ich habe schon mit deiner Mutter darüber gesprochen! Ich wollte nur deine Zustimmung haben.” Laila lächelte, als sie die beiden Frauen erreichten. „Nun, meine Tochter, wie denkst du über Lailas Vorschlag? Akzeptierst du es?” fragte Hassina Sabine. „Ja! Wir haben bereits zugestimmt”, sagte Laila vor Sabine. „Na gut, und jetzt zurück zum Hotel, Vater ist mit dem Auto gekommen!”

Teil 4

Hassina beobachtete ihre Tochter in ihrem kurzen Oberteil, ihrer winzigen Hose und ihren hochhackigen Schuhen. Skandalös! Sie schüttelte den Kopf, sagte aber nichts. Jetzt ist sie nicht ihre Tochter. Sie ist Barbaras Problem. Ihre Töchter fühlten das genauso. Sie flüsterten Sabine zornig zu: „Sie sieht aus wie ein Bitch! Wir würden eher lügen, als einzugestehen sie zu kennen!” Sabine verstand, warum sie ihre sexy Kleidung getragen hatte. Sie wollte, dass ich die Fassung verliere. Nachdem die fünf verschleierten Frauen zum Auto gekommen waren und sich hinein gesetzt hatten, wandte sich Barbara an Laila: „Das ging schnell! Vielleicht zu schnell.” „Ja! Offensichtlich trägt sie, anders als ich, gerne einen Schleier! Hast du bemerkt, wie Hassina und die Mädchen mich ansahen? Ich denke nicht, dass sie meinem Outfit zustimmen!” Laila lachte. „Deshalb hast du mich dazu gebracht, dich so zu kleiden! Du bist nicht zufällig meine Tochter, oder?” fragte Barbara. „Aber sicher doch! Ich wollte sie wirklich ärgern.” Laila nickte und beide grinsten. Sabine fühlte sich wirklich gut mit Schleier. Sie schaute oft in den Spiegel und fragte sich, wie es wäre, wenn sie ihn immer trüge. Wenn sie jemanden heiratete, der es erwarten würde. War das ihr Lebensweg? Der Rest des Tages war derselbe wie gestern für Sabine. Im Bett diskutierten die Schwestern die Ereignisse des Tages. Die Mädchen bedankten sich für den Schwimmunterricht. Der Sonntagmorgen begann genauso wie der Samstag. Sie gingen zur islamischen Schule. Sie war überrascht, dass die Schule erwartete, dass die Schüler jeden Tag teilnehmen würden. Dieses Mal begleitete Hassina sie nicht, nur die vier Mädchen gingen. Ihre neuen Klassenkameraden warteten schon auf sie. Sie unterhielten sich, bis der Unterricht begann. Sabine begann Arabisch zu lernen. Sie hatte immer ein gutes Sprachgefühl. Der Imam brachte ihr die Vergangenheitsform bei und redete mit ihr in den Pausen. Die Mädchen wurden auf Arabisch unterrichtet und Sie waren glücklich, dass ein christliches Mädchen nach ihren Werten lebte, ihre Kleidung trug, ihre Sprache lernte. „Die Mädchen haben mir gesagt, dass sie normaler weise auf arabisch unterrichtet werden.“,sagte Sabine zu Hassina. „Dann werden wir zu Hause auch arabisch sprechen. Du sagst ‘meine Tochter’, wenn du etwas nicht verstehst! Gut? Und nun, komm, hilf mir kochen!” sagte Hassina. „Ja Mama! In Ordnung!” sagte sie auf arabisch. Für Sabine wurde das Leben etwas eintönig. Sie verließen kaum das Hotel, und wenn sie es taten, gingen sie entweder hinter ihrem “Vater” oder saßen auf dem Rücksitz des Autos. Das Schwimmbad war die einzige Abwechslung, wo sie mit ihren drei “Schwestern” schwamm, die schon sehr gut schwammen, nur durch die Farbe ihrer Burkini unterscheidbar und sie trug die Maske und mochte sie sogar, auch wenn sie die Geräusche verzerrte. Sie war überrascht zu sehen, dass Laila nicht schwimmen ging, aber sie erhielt eine Nachricht, dass sie den gegenwärtigen Zustand für einen Monat verlängern möchte. „Wie denkst du darüber, Tochter? Stimmst du zu?“, fragte Hassina. „Ja! Warum nicht? Ich fühle mich bei euch wohl und ich mag immer noch den Schleier. Das Leben ist nur ein wenig eintönig. Aber ich werde gerne noch einen Monat bleiben.” Natürlich wusste sie nicht, dass die beiden Frauen zugestimmt hatten: „Hassina, wir hoffen das Laila noch einen Monat bei mir bleibt, stell dir vor, sie hat einen Job als arabische Dolmetscherin im Stadtbüro gefunden und das Geld kommt gerade zur rechten Zeit!“ sagte Barbara. „Ich werde mit meinem Mann reden, aber ich denke, er stimmt zu, weißt du, er mochte die alte Laila nie, aber mit der neuen Laila ist er sehr froh, und ich denke, er würde sie gerne behalten.” „Und ich auch”, dachte Barbara. „Wie ist es gelaufen?“, fragte Laila. „Ganz einfach, Hassina hat deinen Vater gefragt, und er hat sofort zugestimmt.” Am Freitag brachte der Imam die Klasse in die Moschee. Gemeinsam beteten sie mit den anderen Frauen auf der Frauenseite. Mindestens fünfzig schwarz verhüllte Frauen beteten zusammen. Dann kam auch schon der Ramadan . Während der Fastenzeit fastete sie mit den anderen, völlig integriert in ihre neue Familie. Der Schleier wurde für sie zur Normalität. Sie hörte auf die Tage zu zählen und merkte nicht, dass drei Monate vergangen waren. „Dein Vater hat die Papiere unterschrieben, damit ich dich adoptieren kann und du kannst wirklich zur Sabine werden. Willst du das?”, fragte Barbara. “Ja, und du hast die Papiere bei den Behörden eingereicht?”, fragte Laila. „Ja,es ist alles erledigt!”,sagte Barbara. Die neue Sabine sah sich ihre neuen Papiere an: Sabine Bergmann, ihre Nationalität: Deutsch, Mutters Name: Barbara Bergmann. Sie war sehr glücklich. Es hatte nur zwei Wochen gedauert, bis alles fertig war. „Schau Mama, was ich mit gebracht habe! Wir feiern!” Und sie packte eine Flasche Champagner aus. Zwei Tage später, als sie aus der Moschee kam, war Sabine überrascht, Laila in einem hübschen Büroanzug vor zu finden. Ihre Haare, ihr Make-up, ihre lackierte Fingernägel! Sie sah genauso aus wie sie, als sie vor ein paar Monaten ein Vorstellungsgespräch hatte. Sie unterhielt sich mit drei Arabern und einem Deutschen. Sie grüßte die Schülerinnen und Sabine von weitem. Sabine ging auf Laila zu und bedeutete ihr, zu ihr zu kommen. Zu ihrer Überraschung sagte Laila: „Bitte warten Sie eine Minute. Ich muss mit dieser muslimischen Frau reden!” Und dann wiederholte sie es auf Arabisch. Sie ging zu Sabine und flüsterte ihr zu. „Ich arbeite! Ich bin die Dolmetscherin! Barbara ist immer noch arbeitslos, das ist unser einziges Einkommen!” „Was soll das alles? Wir müssen reden “, sagte Sabine auf Arabisch, das sie bereits beherrschte, als wäre es ihre Muttersprache. Seit mehr als drei Monaten hatte sie nichts anderes mehr gesprochen. „Sabine Bergmann!Hast du ein Problem?” fragte der Deutsche. „Nein! Die arabische Frau ist Laila Kabir. Wir haben uns vor ein paar Monaten kennengelernt. Sie half mir. Und jetzt muss ich mit ihr reden!” sagte Laila zu dem Mann, und dann wiederholte sie es für die anderen auf Arabisch. Dann wandte er sich an Sabine und sagte auf arabisch zu ihr: „Ich werde in einer Stunde fertig sein. Warte auf mich, Laila, oder komm zurück und wir reden!” Sabine war schockiert. Eine Stunde später kam Laila zurück. „Was soll das alles bedeuten, Laila? Du wirst es bedauern Sabine Bergmann zu sein! Denn das bin ich! Warum sprichst du über mich, als wäre ich Laila Kabir, eine arabische Frau? Du bist Laila Kabir! Und ich bin keine Muslimin, sondern du,” sagte Sabine, und merkte gar nicht, dass sie arabisch sprach. „Du willst sehen, wer du bist? Ich zeige es dir.“ sagte Laila, ebenfalls auf Arabisch und hielt Sabine einen Spiegel vor das Gesicht. Sabine sah einen Kopf mit schwarzen Niqab. „So, sag mir wer hier arabisch ist. Wer kam gerade aus der Moschee! Wer ist hier muslimisch? Hörst du mir zu, Laila? Und jetzt sieh meinen Ausweis. Wer ist Sabine Bergmann, Barbaras Tochter? Siehst du Laila, Barbara hat mich adoptiert! Und ich bin jetzt Deutsche. Aber fragen wir deine Schwestern, wer von uns ihre Schwester ist?” Sie wandte sich den drei verschleierten Mädchen zu. „Du bist unsere Schwester Laila!“ sagten sie zur schwarz verschleierten Sabine. „Du bist unsere wahre Schwester!“ Und sie ergriffen Sabines Hände. „Laila, wir brauchen dich!“ „Was macht ihr da, Mädchen? Ich liebe euch doch auch, aber die da ist Laila, eure richtige Schwester.“ sagte Sabine. „Wir haben von dir in den letzten Monaten mehr Liebe bekommen, als von ihr in einem Jahr. Du lehrtest uns schwimmen! Du trägst freiwillig und mit Freude den Schleier, sie mochte ihn nie! Du hast freiwillig mit uns gebetet, sie tat es nur unter Zwang. Du bist eine viel bessere Schwester und Muslimin als sie! Du bist unsere Schwester Laila und die da ist Sabine. Sie soll zurück zu ihrer Barbara gehen. Aber du Laila kommst jetzt mit uns in die Moschee! Dort haben wir erst mal eine wichtige Aufgabe zu erledigen!“ bestimmte Rabia und ihre Schwestern stimmten dem zu. „Nun geh schon! Ich weiß, Barbara ist nur deine Adoptivmutter. So wie Hassina meine Stiefmutter ist. Barbara und ich sind in den letzten Monaten zusammengewachsen. Als ich vorschlug die Zeit mit uns zu verlängern, war sie einverstanden. Ich arbeite in der Stadtverwaltung als Dolmetscherin. Ich verdiene dort genug Geld für uns beide. Ich habe beide herbestellt und sie sind jetzt da.“ Sie zeigte hinter Sabine, die sich umdrehte, um Barbara und Hassina kommen zu sehen. Die neue Sabine erzählte ihnen, was bisher besprochen wurde. „Ja Laila! Bevor wir hier ankamen, hat Barbara mir alles erzählt. Die neue Sabine war das schwarze Schaf der Familie und du Laila gehörst zu uns. Ich würde dich zu gern adoptieren. Barbara hat alle Papier schon vorbereitet, aber du bist erwachsen und kannst alleine entscheiden, ob du meine Tochter sein möchtest. Der Imam wartet schon. Geh mit uns zurück in die Moschee und sprich die Schahada, dann unterschreibe die Urkunden und werde bitte meine Tochter Laila!“ bat Hassina sie und nahm ihrer geliebten Tochter behandschuhten Hände in die ihren. Und zur großen Freude aller nickte sie. Sie umarmten einander und gingen in die Moschee, wo ein breit grinsender Imam schon auf sie wartete. „Du siehst meine Tochter, was ich dir sagte ist eingetreten und sprich jetzt deine Schahada. Später, so hoffe ich, werden wir uns auch um die Hochzeitsangelegenheiten kümmern.“sagte er und begann mit der Zeremonie. „Nun bist du Muslimin!“ sagte er mit einem mildem Lächeln. Laila sah zu jedem durch ihre dicken Schleier. Ja, sie war nun eine Muslimin. Was ist mit ihrer Adoption? Muss sie jetzt die Urkunden unterschreiben, um Hassinas richtige Tochter zu werden? Was ist mit der Hochzeit, die der Imam erwähnt hatte? Konnte Sie wirklich ein ganzes Leben bis zu ihrem Tod verschleiert sein oder würde sie es bereuen? Bisher hatte es ihr gut gefallen, denn sie tat es freiwillig. Doch nun war sie Muslimin! Nun musste sie sich verschleiern! „Komm, Tochter! Es ist an der Zeit nach Hause zu fahren!“ hörte sie die Stimme ihres Vaters hinter sich. „Ja, mein Vater! Lass uns gehen,“ erwiderte sie gehorsam.