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Teil1

Chelsea damals und heute

Veröffentlicht von Dave Potter Übersetzt ins deutsche von Vulcan

Diese Geschichte verdanken wir in hohem Masse Bo Emp. Er lieferte viele Einsichten, wie man Chelsea auf den Weg zum "schwarzen Geist" bringen kann. Dies beinhaltete sowohl die Veränderung ihrer Denkweise (die Teilnahme an der Koranklasse) als auch die allmähliche Einführung von mehr bedeckender Kleidung. Das Ende ist radikal anders als das, was ich ursprünglich geschrieben habe, und wir danken Bo für das, was ich für ein interessanteres und spannenderes Ende halte. EW

[Jetzt]

Chelsea trat nach draußen, ihr schwarzer Niqab verbarg sie genauso wie jede andere Frau in dieser zutiefst konservativen Nachbarschaft. Irshad führte sie zu ihrem Auto. Chelsea beeilte sich, die Hitze war schon unerträglich und ganz in schwarz gekleidet, half auch nicht, sie zu mildern. Chelsea stieg in den Fond des Fahrzeugs ein, denn dies war der ihr zugewiesener Platz. Irshad setzte sich wie immer auf den Fahrersitz. Er startete das Auto und fuhr auf die Straße hinaus. Sie fuhren schweigend. Irshad redete nicht gern, während er fuhr, und er verbot, dass Musik in seiner Gegenwart gespielt wurde. Chelsea setzte sich einfach auf ihren Platz, bis Irshad sie zu ihrem Ziel gebracht hatte. Sie sah auf ihre behandschuhten Hände. Sie bewegte die Finger und beobachtete, wo sich Falten bildeten. Irgendwann hatte sie damit begonnen ihre Hände zu verbergen, wenn sie nach draußen ging. Chelsea betrachtete ihr Spiegelbild im Rückspiegel. Es war schwierig, sich zu betrachten, da durch den zusätzlichen Schleier, der ihre Augen bedeckte, alles schwarz war. Was sie im Rückspiegel sehen konnte, war eine Frau, die ganz im schwarzen Tuch verborgen war. Nie hätte sie gedacht, dass sie im Laufe ihres Lebens in diese Situation geraten könnte. Sie dachte daran zurück, wie ihr Leben mit Irshad am Anfang gewesen war, als er so normal, fast westlich wirkte. Chelsea riss sich im Spiegel von der verschleierten Frau los und sah ihren Mann durch ihre eingeschränkte, beschattete Sicht an. Als sie ihn das erste Mal getroffen hatte, trug er westliche Kleidung und war sauber rasiert. Jetzt bedeckte ein Bart sein Gesicht. Irshad hatte ein intensives Gesicht. Das Aussehen eines Mannes in tiefen Gedanken. Er hatte oft diesen Ausdruck auf seinem Gesicht. Chelsea wusste immer, wenn er sich auf Fragen konzentrierte, die mit dem Koran und der Sunna zusammenhingen. Chelsea wandte den Blick von ihrem Mann ab und beobachtete die Straßen der Stadt. Meistens sah man nur Männer herumlaufen, und nur wenige Frauen, sie waren schwarz verschleiert, genau wie sie. In den Jahren, die sie hier lebte, hatte sie mehr und mehr Frauen gesehen, die sich so wie sie kleideten. Damals hatte Chelsea Artikel über Frauen aus dem Nahen Osten gelesen und hatte immer Mitleid mit ihnen gehabt und war dankbar, dass sie unter diesen Umständen nicht geboren wurde. Sie konnte ja nicht ahnen, dass auch sie sich Jahre später vor den Blicken der Männer verbergen würde. Sie war mit einem Mann verheiratet, der dachte, der Platz einer Frau sei zu Hause, und auch sie war dazu gekommen, die Richtigkeit seiner Überzeugungen zu akzeptieren. Bei den seltenen Gelegenheiten, wenn sie außer Haus war, wurde sie zu einem unsichtbaren schwarzen Geist. Chelsea dachte zurück, an die Zeit, wie sie an diesen Ort gekommen war …

[Dann]

Der Campusparkplatz war bereits voll von Autos, als Chelsea auf dem Campus ankam. Sie stöhnte bei dem Anblick und begann methodisch die Wagenreihen auf und ab zu fahren, bis sie einen freien Platz fand. Sobald sie geparkt hatte, zog sie ihren Rucksack vom Rücksitz und stieg aus ihrem Auto. Chelsea Miller begann ihr zweites Jahr am College. Im ersten Jahr wohnte sie auf dem Campus. Jetzt im zweiten Jahr hatte sie eine Wohnung. Sie hatte nicht bedacht, wie schlecht die Parkplatzsituation um diese Zeit war. Als sie den langen Weg zu ihrer ersten Klasse des Tages begann, sagte sie sich, dass sie früher hätte losfahren müssen, um einen guten Parkplatz zu bekommen. Chelsea musste zwar nicht rennen, um pünktlich in ihre Klasse zu kommen, aber sie musste direkt zum Gebäude gehen, ohne sich lange im Gebäude der Studentenvereinigung aufzuhalten, um im Speisesaal zu essen. Als sie sich dem Unterrichtsraum näherte, betraten schon einige Schüler den Raum. Der letzte Schüler sah sie näher kommen und hielt ihr die Tür auf. Er kam aus dem Nahen Osten und sah irgendwie süß aus. „Danke", sagte Chelsea warmherzig, als sie die Klasse betrat. Es war ein Mathematikkurs, doch Chelsea studierte lieber den Typen, der ihr die Tür aufgehalten hatte, als sich den Studien dieses ausgezeichneten Kurses zu widmen.Schließlich endete der Unterricht und Chelsea war enttäuscht, dass er nicht nicht mit ihr ging, als sie die Klasse verließ. *** Später traf sich Chelsea mit ihren alten Freunden, mit denen sie letztes Jahr den Schlafsaal bewohnte. Kristin und Tanya waren ein paar schöne Frauen, die die soziale Szene in den Schlafsälen dominierten. Während Chelseas erstem Jahr hatten sie sie unter ihre Fittiche genommen und darauf geachtet, dass sie mit den richtigen Leuten befreundet und zu allen wichtigen Parties eingeladen wurde. Auch jetzt bereiteten sie sich auf die Nachtszene vor und zogen Kleidung mit tiefem Dekolletee und knappe Röcke an, um ihre prallen Brüste und ihre schlanken Beine zu zeigen. "Also kommst du heute Nacht mit uns Chelsea?", fragte Kristin, während sie ihr Make-up im Spiegel betrachtete. „Ich weiß nicht, ich bin nicht wirklich dafür angezogen." „Chelsea, du weißt, dass du dir immer ein paar unserer Klamotten von uns ausleihen kannst." Sehr schnell zogen sie sie aus und Chelsea war wie die beiden Mädchen gekleidet. Das Haus war voll mit Studenten und schon lange floss der Alkohol. Sowohl Kristin als auch Tanya fanden männliche Gefährten, um sich mit ihnen, wie alle anderen im Hauptraum zu amüsieren. Chelsea trank von ihrem Bier, während sie sie beobachtete. Viele Abende während ihres Erstsemesterjahres hatte sie auf diese Weise verbracht. Sie hatte gedacht, dass sie es etwas hinter sich gelassen hätte, um sich mehr auf ihre Studien zu konzentrieren. Aber es war so einfach, sich von den ernsthaften Dingen zurückzuziehen. Unauffällig näherte sich ihr ein junger Mann. Er war attraktiv auf eine grobe Art und Weise. Sie unterhielten sich eine Weile und bevor sie sich versah, führte er sie nach oben. Sie fanden einen Raum, der nicht besetzt war und machten sich sofort daran, ihn ausgiebig zu nutzen. Am nächsten Morgen erwachte Chelsea in einem fremden Bett mit einem fremden Mann. Sie sah den Typen an, den sie sich in der vergangenen Nacht so frei hingegeben hatte. Warum hatte sie so schnell nachgegeben? Der Typ, sie kannte seinen Namen nicht mal, schlummerte zufrieden auf seiner Seite des Bettes. Chelsea sprang aus dem Bett und suchte nach ihren Klamotten. Sobald sie angezogen war, verließ sie schnell das Haus. *** Als sie das nächste Mal im Mathematikunterricht war, war sie froh zu sehen, dass der süße Kerl, der ihr die Tür geöffnet hatte, immer noch in der Klasse war. Sie saß näher bei ihm als beim letzten Klassenunterricht. Sobald die Unterrichtsstunde vorbei war, standen sie auf und dann hörte sie seine leicht akzentuierte Stimme. „Entschuldige bitte." Chelsea sah auf und sah ihn an. „Ich möchte dich kennenlernen, möchtest du mit mir einen Kaffee trinken?" Chelsea war für einen Moment sprachlos und sagte dann: „Ja, absolut." Es stellte sich heraus, dass Irshad ein Student aus Ägypten war, der Informatik studierte. Die beiden unterhielten sich lange miteinander. Dann stellte Chelsea eine Frage, die ihr im Gedächtnis geblieben war. „Also, bist du ein Muslim?" „Ja." „Okay, ich war mir nur nicht sicher, weil du erscheinst so…" „Modern?" „Nun ja." Irshad lachte. „Nicht alle Muslime haben Bärte oder tragen Schleier. Und ich bin kein Fanatiker.“ Sie lachten beide. Und redete stundenlang ... Sie fingen an, sich zu verabreden und es nahm schnell die Stelle der endlosen Feten des vorherigen Jahres ein. Irshad war aufmerksam und lustig und so, so gut aussehend. Er schien keine der kulturellen Eigenarten zu haben, die andere Männer aus seiner Region hatten. Als sie sich zum ersten Mal liebten, war es zärtlich. Tatsächlich war Irshad so unerfahren, dass Chelsea es übernehmen musste und bald lag er unter ihr, während sie der gesamte Fokus seiner Welt wurde.

Nach neun Monaten hatte Irshad Chelsea die Ehe angetragen. Zu ihrer eigenen Überraschung hatte sie zugestimmt. Sie heirateten schnell und sie zogen zusammen, während Irshad seinen Abschluss machte. Chelsea arbeitete weiter an ihren eigenen Studien und bald hatten sie beide ihren Abschluss gemacht. Sie lebten das normale Eheleben eines modernen Twenpaares. Als sie mit dem College fertig waren, teilte Irshad ihr mit, dass man ihm in seinem eigenen Land einen Job angeboten hatte und fragte, ob sie mit ihm kommen wolle, während er dort arbeitete. „Wie lange wird dieser Job dauern?" „Zwei Jahre."

Teil 2

Und bald begann ihr Abenteuer, als ihr Flugzeug am Flughafen landete. Sie trug ein langärmeliges Baumwollhemd und einen Jeansrock, der bis zu den Knöcheln reichte. Sie fühlte sich jedoch, als würde sie sich so gekleidet, ein wenig unterdrücken lassen. Bei ihren Beobachtungen der Frauen in Irschads Land erkannte sie, wie unterschiedlich die Kultur war. Manche Frauen waren so angezogen wie sie, andere trugen Khimars, die ihren ganzen Oberkörper bedeckten, die meisten waren in langen, schwarzen Abayas, die alles außer Gesicht und Hände bedeckten und einige trugen auch einen Niqab und ein paar Handschuhe und Stoff über dem Augenschlitz, um sich vollständig zu verbergen. Ihr taten diese Frauen so leid. Wer hatte sie mit so einer Gehirnwäsche behandeln dürfen? Chelsea Miller sah sich ängstlich um, als sie den Zoll verließen und den Hauptterminal des internationalen Flughafens in Alexandria, Ägypten, betraten. Es gab eine große Masse von Menschen, die dort durch den Flughafen gingen. Irshad und Chelsea mussten sorgfältig nach einem Namensschild suchen. Schließlich sahen sie, wonach sie suchten. Ein Schild mit Irschads Namen darauf hielt eine Frau in einem schwarzen Niqab. Neben ihr war ein sehr streng aussehender Mann mit einem dicken Bart. Als Irshad und Chelsea auf sie zu gingen, musste sie dem Drang widerstehen, die Frau im Niqab anzustarren. Als sie vor ihnen stand, sprach der Mann mit sanfter Stimme, kaum hörbar genug, um den Krawall des Flughafens zu übertönen. „Du bist Irshad?" Irshad nickte und bald wurden sie nach draußen zu einem Auto eskortiert. Der Mann hatte sich nicht die Mühe gemacht, Chelsea zu begrüßen, er machte sich nicht einmal die Mühe, in ihre Richtung zu sehen. Ihre Taschen wurden in den Kofferraum gelegt. Der Mann setzte sich auf den Fahrersitz, Irshad auf den Beifahrersitz und die verschleierte Frau und Chelsea stiegen in den Fond. Das Auto fuhr aus dem Parkhaus und schon bald fuhren sie durch die urbane Metropole Alexandrias. Chelsea schaute aus den Fenstern auf das, an dem sie vorbei fuhren, aber sie war wirklich zu nervös und aufgeregt, um etwas Besonderes zu beachten. Mehrmals warf Chelsea der verschleierten Frau einen Seitenblick zu. Gelegentlich schaute die Frau in ihre Richtung und Chelsea schaute schüchtern aus dem Fenster. Das Auto fuhr in einen sehr konservativen Teil von Alexandria. Die Frauen waren hier auf der Straße weniger präsent, und wenn sie es waren, trugen sie den Niqab. Chelsea dachte darüber nach, wie es wäre, sich komplett unter dem schwarzen Tuch zu verstecken. Schließlich erreichten sie ein großes Gebäude mit einer hohen Mauer. Ihr Fahrzeug fuhr auf einen Parkplatz, der durch eine andere Mauer vom Rest des Geländes getrennt war. Sie stiegen aus dem Auto und kamen bald durch ein Tor zum Hauptgelände. Chelseas Herz blieb fast stehen, als sie das Gelände der Schule sah. Überall waren Frauen in schwarzem Niqab. Chelsea konnte fühlen, wie die Augen sie hinter dem schwarzen Tuch, das sie bedeckte, anstarrten. Die vier folgten einem Weg zu einem Gebäude. Einmal im Vordereingang gingen sie dann einen Flur hinunter und in ein Büro. Omar setzte sich hinter einem Schreibtisch, Irshad saß ihm gegenüber auf einem Stuhl. Die verschleierte Frau stand an der Wand im vorderen Teil des Raumes und ohne sich irgendwo hinzusetzen, schließlich gesellte sich Chelsea zu ihr. „Nun, Irshad, es ist sehr gut, dich hier zu haben. Deine Professoren haben sich lobend zu deinen guten Fähigkeiten mit Computern geäußert.“ „Vielen Dank. Jetzt, wo ich hier bin, ich weiß nur vage etwas darüber, was dies für eine Firma ist." „Oh, wir sind keine Firma. Wir sind eine Vereinigung, um die Wege des Salat zu lehren." „Ihr, ihr seid Salafisten?" „Ja. Mach dir keine Sorgen, es ist kein Problem, wenn du es nicht bist. Wir haben dich wegen deiner Fähigkeiten engagiert." Omar lachte leise und das schien Irshad zu beruhigen. „Normalerweise stellen wir unseren Angestellten Wohnungen zur Verfügung, aber momentan haben wir einen Mangel an Wohnraum, so dass wir euch in ein Hotel unter bringen müssen. Ich hoffe, das ist akzeptabel." Irshad sah zu Chelsea zurück, die schnell zustimmend nickte. „Das klingt gut." „Gut. Ich werde dir zeigen, wo du arbeiten wirst. Während wir das tun, kann meine Frau deiner Frau alles zeigen, damit es ihr nicht langweilig wird und sie braucht nicht im Büro auf uns warten." Chelsea drehte sich um und sah die verhüllte Gestalt an, die nickte. Die Frau trat vor und öffnete die Tür. Chelsea warf Irshad einen Blick zu und folgte dem schwarzen Geist aus dem Raum und schließlich aus dem Gebäude. Wieder wurde Chelsea vom Anblick vieler verschleierter Frauen begrüßt. Es war so eine seltsame Vision. Alle diese Frauen unterwarfen sich einer sozialen Konvention, die sie zwang unsichtbar für die Öffentlichkeit zu sein. "Ich bin Umm Najeedah" kam eine fast flüsternde Stimme in anständigem Englisch. Chelsea erkannte, dass sie zum ersten Mal die Frau sprechen hörte. „Oh-oh-hallo. Ich bin Chelsea, es ist schön, dich kennen zu lernen." Chelsea wurde in ein anderes Gebäude geführt. Sie kamen an einem Klassenzimmer nach dem anderen vorbei, gefüllt mit jungen Frauen. Sie alle waren komplett in Schwarz gekleidet. Sie blieben in einem Raum stehen, in dem die Frauen jeweils mit einem Buch auf einem Ständer vor sich knieten. "In diesem Raum unterrichten wir den Koran. Dieser Kurs richtet sich an junge Frauen, die mit dem Koran nicht so vertraut sind." „Wer kommt an so einen Ort, um zu studieren?“ Chelseas Stimme war ungläubig, obwohl Umm Najeedah das nicht wahrnahm, als sie wörtlich antwortete. „Es kommt darauf an, in dieser Klasse sind es junge Frauen, deren Eltern sie hierher geschickt haben. Viele von ihnen stammen aus Kairo. Sie sind vom Pfad abgekommen und müssen zurückgebracht werden. Viele von ihnen trugen aufreizende Kleidung, tranken Alkohol oder gingen mit Jungen auf Verabredungen." Eine der jungen Frauen blickte von ihrem Buch auf und sah auf das Fenster, durch das Najeedah und Chelsea schauten. Sie hatte ausdrucksstarke Augen. Sie waren auf Chelsea fixiert, die sich dann ein wenig unwohl fühlte. Sie fragte sich, wer die Frau hinter dem Niqab war, was für ein Leben sie früher führte, bevor sie hierher kommen musste. Umm Najeedah führte Chelsea von der Klasse weg und zeigte ihr den Rest des Geländes. „Studieren hier auch Männer?" „Ja, aber ihre Gebäude sind von den Frauen abgeschirmt, um die Sittsamkeit unserer Studentinnen zu schützen."

Teil 3

Danach trafen sich Chelsea und Irshad wieder und sie wurden zu dem Hotel gefahren, in dem sie übernachten würden. Zur Erleichterung von Chelsea schien es in einer viel weniger konservativen Gegend zu sein. In der Hotellobby gab es viele Frauen ohne Kopftuch. Nachdem sie eingecheckt und allein in ihrem Zimmer waren, brachte Chelsea das Thema des Ortes auf, an dem Irshad arbeiten würde. „Ich kann nicht glauben, dass du dort arbeiten wirst." „Ja, das war nicht das, was ich erwartet habe." „Dieser Ort war total unwirklich. Mit all diesen verschleierten Frauen. Es ist wie etwas aus dem Mittelalter." „Ja", antwortete Irshad ruhig und oberflächlich. Chelsea war einen Moment still. Sie spürte etwas in Irshad. War es… „Du denkst nicht wirklich, was sie dort machen, macht Sinn, oder?" „Nein ... nun, ich meine, ich bin kein Salafist." Irshad sah sie an. Es gab einen Ausdruck in seinem Gesicht, der schwer festzumachen war. „Was denkst du, was sie da machen?" „Nun, ich praktiziere den Islam nicht immer richtig. Und hier waren all diese Leute, die üben, ihn richtig zu praktizieren. Ich schätze, ich fühlte mich etwas schuldig, als ich sie heute sah." „Oh." Es gab eine Pause und bald wechselten sie das Gesprächsthema zum Hotel und wie schön es war. Chelsea sagte, wenn die Arbeitgeber von Irshad in der Lage seien, jeden Übernachtung hier zu bezahlen, müssten sie viel Geld erwirtschaften. *** Irshad und Chelsea blieben vorerst im Hotel, als er in seinen Job zu arbeiten begann. Chelsea genoss den Aufenthalt dort und erkundete oft die Restaurants und Geschäfte in der Lobby. Im Allgemeinen hatten sie in den ersten paar Monaten ein glückliches Leben. Eine Sache, die Chelsea auffiel, war, dass Irshad häufiger betete als in den Vereinigten Staaten. Dort waren seine Gebete selten gewesen, aber jetzt achtete er darauf, fünfmal am Tag zu beten. Als Chelsea ihn danach gefragt hatte, hatte er mit gereizter Stimme geantwortet: „Es ist die Pflicht jedes Muslims zu beten." Sein Tonfall hatte Chelsea überrascht und sie hatte sich hastig entschuldigt und von nun an das Thema gemieden. Währenddessen bemerkte sie, dass Irshad immer mehr Zeit mit einigen seiner Mitarbeiter verbrachte. Er ging mit ihnen in die Moschee, nicht nur für das Freitagsgebet, sondern er ging auch jeden Tag nach der Arbeit dorthin. Chelsea dachte daran, etwas zu sagen, aber da die Religion für ihn so ein empfindliches Thema war, verdrängte sie einfach das Problem. Schließlich verkündete Irshad, dass er eine Wohnung für sie gekriegt habe und sie könnten aus dem Hotel ausziehen. Chelsea fragte ihn, wie er sie gefunden habe. „Meine Kollegen konnten es arrangieren. Es ist in einer guten Nachbarschaft." „Warum hast du mich nicht erst gefragt?" „Weil ich der Verantwortliche dieser Familie bin. Ich bezahle die Rechnungen und unterstütze dich." Chelsea starrte ihren Mann an, seine Aussage überraschte sie. Sie war ratlos und gab bald ihren Widerstand auf. Als Irshad sie zum ersten Mal zu ihrer neuen Wohnung brachte, stellte sie fest, dass sie in dem konservativen Salafisten Stadtteil lag. Es waren nur wenige Frauen in Sicht, und was in Sicht war, war schwarz und in Gesellschaft ihrer Väter oder Ehemänner. Die Straßen und Gebäude waren sauber, aber streng. Es gab nirgendwo Dekoration. Es gab auch eine große Anzahl an Moscheen. In ihrer Zeit im Nahen Osten hatte sie bisher einige von ihnen gesehen, aber in dieser Gegend waren sie anscheinend so zahlreich wie Häuser. Es fiel Chelsea ein, dass sie wahrscheinlich nicht viel nach draußen gehen konnte. Sie fragte sich, ob sie in der Lage sein würde, ein Taxi zu benutzen, um in die Stadt zu kommen. Als sie in der Apartmentanlage ankamen, stellte sie fest, dass sie von einer hohen Mauer umgeben war, wahrscheinlich um die Leute draußen fern zu halten. Sie traten durch ein Tor, dass ein sehr streng aussehender Mann bewachte. Er begrüßte Irshad herzlich, schien aber Chelsea nicht zu bemerken. Sie durften dann hinein. Es gab einen zentralen Hof für die Wohnungen, einschließlich eines kleinen Parks, in dem mehrere Kinder in Gesellschaft von Frauen in vollem Niqab spielten. Als sie ihre Wohnung betraten, fanden sie heraus, dass ihr Hab und Gut bereits ein- und ausgepackt worden war. Chelsea fand schnell heraus, dass einige Hijaab zu ihren Kleidern platziert worden waren. „Wofür sind die?" „Sie sind für dich." „Warum?" „Dies ist eine sehr konservative Gegend. Es wird von den Frauen erwartet, dass sie sich sittsam kleiden. Du solltest einen Hijab tragen." „Aber ich bin keine Muslima!" „Es spielt keine Rolle. Du bist meine Frau, wenn du unsittlich angezogen bist, wirft es ein schlechtes Bild auf mich. Viele meiner Kollegen leben hier.Wenn du Probleme für mich verursachst, könnte dies meinen Arbeitsplatz gefährden und somit kann ich uns nicht mehr unterstützen. Willst du, dass ich meinen Job verliere?" „Nein." „Dann tu bitte, was sie von dir erwarten. Ich gehe zur Arbeit, um uns zu unterstützen, du kannst den Hijab tragen, um uns zu unterstützen." Chelsea wollte weiter protestieren, aber sie merkte, dass Irshad für sie beide arbeitete und sie sich nicht wirklich beschweren konnte. Am nächsten Tag ging Irshad zur Arbeit. Chelsea stand auf und zog sich an. Da sie nicht nach draußen ging, hat sie kein Kopftuch angelegt. Als sie ihren Fernseher einschaltete, war sie enttäuscht, dass er im Gegensatz zu dem Hotel, das viele Satellitenkanäle aus der ganzen Welt hatte, ausschließlich auf Arabisch programmiert war. Nicht nur das, sie waren nicht wirklich Fernsehshows. Es gab nur Audiosender und alle eindeutig religiös. Sie schaltete den Fernseher aus und seufzte. Sie stand auf und ging zum Fenster. Das ganze Glas wurde so behandelt, dass, während sie hinaus schauen konnte, niemand hineinsehen konnte. Sie nahm an, dass dies eine weitere Innovation war, die ihre Sittsamkeit schützen sollte. Sie beobachtete die verschleierten Frauen unten im Hof. Sie bemitleidete sie, um ihr beschränktes Leben. Wenigstens würde Chelsea nur für zwei Jahre hier sein. Sie beschloss, das Beste aus dieser Zeit zu machen und beschloss Arabisch wieder weiter zu lernen. Später am Tag kochte sie Abendessen für Irshad. Sie hatten diese Pflicht in den Vereinigten Staaten geteilt, und als sie das erste Mal in Alexandria ankamen, hatten sie in den Restaurants des Hotels gegessen. Jetzt, da sie die ganze Zeit für sich hatte, dachte sie, sie könnte auch etwas Schlaf nachholen. Als er aus der Moschee kam und das Abendessen auf ihn wartete, schien er sehr zufrieden zu sein. Er aß seinen ganzen Teller leer und lobte sie für die gute Mahlzeit. Und nachdem er vom Tisch aufgestanden war, küsste er sie tief, was noch besser war. Dann ging er zur Couch, um sich an seinen Laptop zu setzen. Chelsea verließ ihn, um ihr Gesicht zu reiben, das seine scharfen Stoppeln zerkratzt hatte. Einige Stunden später gingen sie beide zu Bett und liebten sich. Es dauerte länger als ihre Liebesspiele es normalerweise taten. Es war auch anders, etwas war mit Irshad. Ein Ehrgeiz? Oder war es eine andere Art von Intensität? Er schien mit ihr im Schlafzimmer zu sein und ganz woanders.

Teil 4

Die nächsten Tage folgten demselben Muster. Eines Tages wurde Chelsea klar, dass sie eine ganze Woche im Haus verbracht hatte. Schlagartig spürte sie, wie satt sie es hatte. Sie ging zu ihrem Nachttisch und zog das Kopftuch an. Sie hielt inne, um sich im Spiegel zu betrachten. Es war ein seltsamer Anblick. War das wirklich sie? Wenn sie hinausging, würde sie eine verschleierte Frau sein. Aber verschleiert oder nicht, es wäre es wert, aus der Wohnung zu kommen. Chelsea trat aus der Tür und sah sich um. Im zentralen Park des Komplexes waren mehrere verschleierte Frauen und ihre Kinder. Chelsea ignorierte sie und steuerte direkt auf das Tor zu. Derselbe streng aussehende Wachmann war da. Er beobachtete Chelsea mit einem gemessenen Blick, als sie sich dem Tor näherte. Sie streckte die Hand aus, zog am Griff ... und stellte fest, dass sie verschlossen war. Sie wandte sich dem Wächter zu und fragte in ihrem besten Arabisch: „Entschuldigung, können Sie mir bitte öffnen?" Der Wächter schüttelte kurz den Kopf. „Frauen verlassen nur mit der Erlaubnis des Mannes den Komplex." „Was?!?!" „Ihr Mann muss mir eine Notiz geben." Chelsea blieb für eine Minute stehen. Dann zog sie sich widerwillig in ihre Wohnung zurück. So unpraktisch es war, mit einem Hijab ausgehen zu müssen, sie hätte zumindest theoretisch gehen können, wohin sie wollte. Jetzt hatte sie die Aussicht, auf diesen Komplex beschränkt zu sein. Sie würde mit Irshad darüber sprechen, wenn er nach Hause kam, in der Hoffnung, dass das Gespräch gut gehen würde. Sie dachte über die Tatsache nach, dass sie hoffen musste, dass das Gespräch gut verlaufen würde. Während sie vor einigen Monaten einfach angenommen hätte, dass es so wäre. Nachdem ihr Mann nach Hause gekommen war, hatte sie ihm die einfache Kleidung, die er zu Hause trug, bereit gelegt, während er seine Arbeitskleidung auszog. „Irshad?" „Ja meine Frau?" „Wusstest du, dass die Frauen hier die Erlaubnis ihres Mannes brauchen, um den Komplex zu verlassen?" „Ja." „Das hat dich nicht gestört?" „Nein." Chelsea starrte Irshad an. Sie entschied sich dafür, das Thema erstmals zu überdenken, was er von dieser Praxis hielt. „Wirst du der Wache Erlaubnis geben, dass ich gehen darf?" „Wir werden das nach dem Abendessen besprechen." Irshad drehte sich dann um und verließ das Gespräch, um an seinem Computer zu arbeiten. Chelsea beschloss, zurück in die Küche zu gehen, um das Essen zu bereiten. Sie aßen schweigend, Irshad gab keinen Hinweis darauf, dass er darüber nachdachte, was sie gefragt hatte. Nach dem Essen, als Chelsea die Teller weggeräumt und die Küche gereinigt hatte, verkündete er seine Entscheidung: "Ich habe beschlossen, dass du den Komplex verlassen darfst." Chelsea hätte sich freuen müssen, aber die Tatsache, dass er willkürlich eine Entscheidung traf, ohne mit ihr darüber zu sprechen, gab ihr ein unbehagliches Gefühl. Trotz alle dem würde sie wenigstens nicht hier gefangen sein. „Sie haben Koranklassen bei der Stiftung. Eine dieser Klassen ist in Englisch für Konvertiten aus Amerika und Großbritannien. Ich bin mir sicher, wenn ich sie darum bitte, darfst du daran teilnehmen." Chelsea wollte stöhnen, das war nicht, was sie vorhatte. Trotzdem würden die anderen Frauen auch Englisch sprechen und manche waren Amerikaner. Dies wäre eine immense Verbesserung. *** Als Irshad Chelsea auf dem Weg zur Arbeit am Eingang der Stiftung absetzte, war Umm Najeedah bereits dort und wartete auf sie. „Ich grüße dich, Schwester, wie geht es dir?" „Mir geht es gut." sagte Chelsea, fühlte sich aber nicht so. Sie starrte die Frau vor sich an, ganz in Schwarz verborgen. Im Vergleich zu diesem Anblick fühlte sie sich fast nackt, obwohl sie einen einfachen Hijab trug. Umm Najeedah führte Chelsea hinein. „Wir freuen uns, dass du einer unserer Klassen beitreten willst. Ich hoffe, du findest es aufschlussreich." „Ich bin mir sicher, dass ich das werde", sagte Chelsea und meinte es nicht so, wie es Umm Najeedah wohl gemeint hatte. „Ich verstehe, dass du dich ein wenig eingeschüchtert fühlst. Aber keine Sorge, die Klasse, an der du teilnehmen wirst, richtet sich speziell an Englischsprachige." Bald erreichten sie eine Tür und Umm Najeedah öffnete sie. Drinnen saßen mehrere schwarze Geister an Schreibtischen an der Wand und ein weiterer Geist in Schwarz stand an einem Tisch an der Spitze der Klasse. „Hallo Amal. Das ist Chelsea." „Willkommen, bitte setz dich.“ Die Worte der Frau schienen größtenteils oberflächlich zu sein. Chelsea betrat den Raum und setzte sich an einen leeren Schreibtisch. Sie sah die niqab-bekleideten Frauen an. Kein Teil ihrer Körper war sichtbar. Chelsea wunderte sich über den Hintergrund dieser verschiedenen westlichen Frauen. „Willkommen Chelsea. Wenn Sie während des Vortrags eine Frage stellen möchten, heben Sie bitte Ihre Hand. Das heutige Thema ist der Islam und die Erhöhung des Status von Frauen." „Wie wir alle wissen, gibt es in der heutigen Welt für die überwältigende Mehrheit der Menschheit grundsätzlich zwei Weltanschauungen. Die erste Weltanschauung, die den meisten von uns bekannt ist, ist die westliche liberale Sichtweise. Eine Sichtweise, die sich auf die jüdisch-christliche Traditionen zurückführen lässt, die bei der Untersuchung wohl eher in den Ideen nach der Reformation wurzelt; Ideen, die im Säkularismus verwurzelt sind, und die Weltanschauung, die danach in der Ära der Erleuchtung erschien. Die zweite Sichtweise ist die der Muslime - die islamische Weltanschauung, und diese Ansicht besagt, dass ihre Wurzeln und Ideen in der Offenbarung liegen, die Allah dem Propheten Mohammed gegeben hat. Diejenigen, die diese Ansicht verkünden, sagen, dass sie von der Menschheit zu allen Zeiten genutzt werden kann und dass ihre Relevanz und ihr Nutzen nicht auf eine bestimmte Zeit, ein geographisches Gebiet oder eine bestimmte Rasse von Menschen beschränkt ist. Ebenso glauben die Anhänger der ersten Sichtweise, des westlichen Säkularismus und der liberalen Tradition, dass ihre Weltanschauung, Ideen, Kultur und Zivilisation die besten für die Menschheit sind." Amal sprach noch eine Weile weiter über das, was Chelsea als trügerische Vergleiche zwischen dem Islam und dem Westen ansah. Alles war rückwärts gewandt in Amals Perspektive. Sie verkündete, dass die westliche Frau diejenige sei, die wirklich unterdrückt wurde, und die salafistische muslimische Frau die sei, die befreit wurde. Chelsea sah zu den anderen Frauen hinüber. Ihre Gesichter waren verdeckt, aber ihre Augen waren konzentriert auf der Vortragenden gerichtet. Sie fragte sich, wie sehr einer von ihnen das alles glaubte. Anscheinend müssen sie das, weil sie sich entschieden hatten, sich in Schwarz zu verstecken. Chelsea griff nach dem dunkelblauen Hijab, den Irshad sie gezwungen hatte zu tragen. Es war nicht etwas, dass ihr gefiel, aber sie musste einräumen, dass es in Anbetracht der Kultur, in der sie sich befand, wahrscheinlich am besten war. Schließlich beendete die Vortragende den Unterricht. Die Frauen standen auf und gingen zu ihren eigenen Klassen im Flur des Haupteingangs. Chelsea hatte versucht, draußen auf ihren Mann zu warten, um sie abzuholen.Wurde aber davon überzeugt, nicht nach draußen zu gehen, weil jemand, der vorbeifährt und ihre unbescheidene Kleidung sieht, den falschen Eindruck von der Schule bekommen könnte. Während sie wartete, tauchte eine der Frauen auf, die scheinbar nirgendwo sofort hin musste und Zeit hatte. „Hallo. Ich bin Anneliese. Wie heißt du?“ Sie sprach mit fließendem, aber akzentuiertem Englisch. Offensichtlich war eine andere europäische Sprache ihre Muttersprache. „Ich bin Chelsea." „Es ist schön dich kennen zu lernen Chelsea." „Ja ... äh, genauso." „Darf ich fragen wo du herkommst?" „Ich komme aus den Vereinigten Staaten. Wo her bist du?" „Ich komme aus Dänemark." „Oh. Das ist schön. Ich habe noch nie jemanden aus Dänemark getroffen." „Dann freut es mich, die Erste zu sein. Chelsea, darf ich dir ein paar Fragen stellen?" „Ja. Na sicher." „Ich bin neugierig. Warum bist du hier, ich meine, in der Schule? Die meisten Frauen in der Klasse hatten den salafistischen Weg in ihren Heimatländern bereits angenommen. Aber du trägst nur einen Hijab, also nehme ich an, dass du es nicht getan hast." „Eigentlich habe ich nicht vor, zum Islam zu konvertieren. Ich lebe bei meinem Ehemann, der für die Stiftung arbeitet. Wir leben in einem Komplex in der Nähe, wo Frauen ohne die Erlaubnis ihres Mannes nicht ausgehen dürfen. Ich war es leid, zu Hause zu bleiben, also stimmte ich zu, diesen Kurs zu belegen." „Aha. Nun, ich denke du solltest es nicht müde sein zu Hause zu sein. Es gibt viele Pflichten, die eine Frau im Haus ausführen kann, während ihr Ehemann bei der Arbeit ist. Aber da du noch kein Muslim bist, ist es gut, dass du hier bist und etwas über den Islam lernen kannst. Ich werde dafür beten, dass dir der Weg gezeigt wird und du konvertierst." „Oh. Danke, ich nehme es an." Chelsea sah die Frau vor sich an.

Teil 5

Anneliese trug das alles umfassende Schwarz, so dass sie nicht wissen konnte, wie sie aussah. Aus der Nähe konnte Chelsea die Konturen der Augen unter dem dunklen Stoff kaum erkennen. Sie konnte sich nicht einmal vorstellen, wie es wäre, unter so etwas versteckt zu sein. Mehr über das Aussehen der jungen dänischen Frau, oder eher, wie sie keine Ahnung hatte, wie sie aussah, war Chelsea von ihren Einstellungen und Überzeugungen beeindruckt. Diese Frau schien die lächerlichen Vorstellungen dieses Ortes akzeptiert zu haben. Chelsea fragte sich, wie jemand auf solche Propaganda hereinfallen konnte. Sie konnte nicht lange mit Anneliese sprechen, da Irshad bald auftauchte, um sie zu ihrem Komplex zurückzubringen. Er ließ sie aussteigen und machte sich auf den Weg zur Moschee. Chelsea betrachtete die schwarzen Geister mit ihren Kindern auf dem Spielfeld des Hofes. Obwohl sie deren Augen nicht sehen konnte, spürte sie, wie mehr als eine von ihnen, sie beobachtete. Sie stieg die Stufen zur zweiten Etage hinauf und betrat ihre Wohnung. Sie ging zuerst in ihr Schlafzimmer, wo sie sich im Spiegel betrachtete. Sie sah sich in dem dunkelblauen Kopftuch an, das sie für Irshad trug. Es ließ sie islamisch aussehen. Mit kraftvollen Händen streckte sie die Hand aus und warf das Kopftuch mit genug Kraft auf die Couch, dass es, wenn es ein härteres, schwereres Objekt gewesen wäre, einen laute Knall gegeben hätte. *** Am nächsten Tag in der Klasse musste sie sich einen weiteren Vortrag anhören. Es hätte sie zum Schlafen gebracht, wenn sie nicht wegen der vielen falschen Argumente so verärgert gewesen wäre, so musste sie mürrisch schweigend zuhören. Nach dem Unterricht wurde sie von Anneliese angesprochen. Die beiden begrüßten sich und begannen zu plaudern. Wiederum war Annelieses große Akzeptanz für alles, was hier gelehrt wurde, offensichtlich. Schließlich fragte Chelsea: „Warum bist du hier?" „Ich bin hier, um meine Deen zu verbessern und sicherzustellen, dass ich den Quran und die Sunna so gründlich wie möglich verstehe. Wenn ich fertig bin, wird die Stiftung einen frommen Ehemann für mich finden." „Nein, ich meine ... warum bist du zu diesen Ort gekommen?Warum hast du dein Leben in Dänemark aufgegeben?" „Oh. Du meinst warum ich die Wahrheit des Islam umarme. Nun, du musst verstehen, dass mein Leben dramatisch anders war als jetzt. Ich hatte einen sehr "befreiten" Lebensstil. Ich mochte viele Partys feiern, ich habe viel Alkohol getrunken, ich habe Drogen genommen und ich habe mit einem Typen nach dem anderen geschlafen. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, zumindest dachte ich das. Aber innerlich lag ich langsam im Sterben. Es gab eine Leere, die der moderne atheistische Lebensstil nicht füllen konnte. Dann traf ich eines Tages eine Muslimin in einer Klasse, die ich besuchte. Sie war Salafi und trug einen vollen Niqab. Zuerst hatte ich Mitleid mit ihr, dachte sie werde unterdrückt. Aber dann begannen wir zu reden und sie überraschte mich, als sie ein gestand, dass ich ihr leid tat. Ich prostituierte mich mit Männern, ohne auch nur Geld zu bekommen. Nach meiner Begegnung mit ihr begann ich, Dinge über mich selbst in Frage zu stellen. Und ich fing an, über den Islam zu studieren. Schließlich begann ich, eine Moschee zu besuchen, trug den Schleier und schließlich konvertierte ich." Chelsea dachte über Annelieses Worte nach. Es war eine interessante Geschichte und sie konnte nicht leugnen, dass sie keine ähnlichen persönlichen Erfahrungen gemacht hätte. „Wie bist du hierher gekommen?" „Die Stiftung hat in meiner Heimatstadt ein Büro eröffnet, in dem sie mit lokalen Moscheen zusammenarbeitet. Ich habe von dem hier angebotenen Programm erfahren und wurde schließlich akzeptiert." Irshad kam kurz darauf, um Chelsea abzuholen. Sie trennte sich von Anneliese und stieg zu Irshad ins Auto. Auf dem Heimweg war er größtenteils still. Nachdem sie durch das Tor gefahren waren und geparkt hatten, verabschiedete er sich, doch bevor er ging, teilte er ihr mit, dass sie heute Abend kein Abendessen zubereiten müsste. Er war von Omar eingeladen worden mit ihm und seiner Frau Umm Najeedah und einigen anderen Gästen zu Abend zu essen. Chelsea würde auch mitkommen. Um niemanden zu beleidigen, müsste Chelsea einen Niqab tragen. Er griff hinter seinen Sitz und brachte einen Karton hervor. „Du kannst nicht ernsthaft erwarten, dass ich eines dieser Dinge trage. Ich habe dem Hijab zugestimmt, aber das ist zu viel." „Du wirst es tun." Er meinte es ernst, er starrte sie mit stählernen Augen an. In diesem Moment konnte sie die Veränderung in ihm voll und ganz erkennen. Sein Bart war der längste, den sie je an ihm gesehen hatte. Ganz verschwunden war der sauber rasierte, lebenslustige Mann, in den sie sich früher verliebt hatte. „Warum?" „Weil ich dein Ehemann bin und du mir gehorchen musst." Chelsea streckte die Hand aus und nahm den Karton, um die Pattsituation zu beenden. Nachdem Irshad weggefahren war, ging sie in den Innenhof des Apartmentkomplexes. Da waren Frauen, die sich unter dem Schwarz ihrer Niqabs versteckten. Chelseas Gedanken wanderten zu der Schachtel unter ihrem Arm und ihrem dunklen Inhalt. Als sie die Wohnung betrat, ließ sie die Kiste auf den Boden fallen und warf den Hijab gegen die Wand. Sie stolperte dann in ihr Schlafzimmer, brach auf dem Bett zusammen und begann unkontrolliert zu schluchzen. Die Tränen strömten über ihr Gesicht und benässten ihr Kissen. Wie konnte sie sich überhaupt in dieser Situation wiederfinden? Das war verrückt, im Nahen Osten festzusitzen, verheiratet mit einem islamischen Fundamentalisten. Wie konnte das passieren? Sie versuchte es einzuordnen, um es zu verstehen. Der Übergang war schrittweise geschehen. Offensichtlich hatte ihn die Kontakt mit den Leuten der Stiftung konservativer gemacht. Die einzige Frage war jetzt, was konnte sie tun. Sie könnte jetzt gehen, zumindest würde sie es schaffen, wenn sie Geld hätte. Er kontrollierte die Finanzen, was bedeutete, dass ihre Abreise seine Erlaubnis erfordern würde. Würde er sie ihr geben? Das schien zweifelhaft. Seine Zeit hier war beschränkt. Sein Vertrag wäre nach zwei Jahren ablaufen. Würden sie dann nach Hause gehen? Chelsea war sich nicht sicher, was sie tun sollte. Stunden vergingen und als Irshad nach Hause kam, stand Chelsea widerwillig auf und kehrte ins Wohnzimmer zurück. Sie schaute auf den Karton. Sie hob ihn auf und packte den Inhalt auf der Couch aus.

Teil 6

Sie zog sich aus und begann sich für den Abend anzuziehen. Sie zog sich ein Paar dicke schwarze Strümpfe an. Dann ein Paar ausgebeulte schwarze Hosen und eine langärmelige Bluse. Als nächstes kam die schwarze Abaya und dann ein Kopftuch. Zwei lange Handschuhe kamen als nächstes und dann hielt sie endlich in ihren behandschuhten Händen einen Niqab. Langsam zog sie ihn über ihr Gesicht. Sie spähte durch den Spalt, durch den sie sehen konnte. Sie griff hinter ihren Kopf und warf eine Lage nach vorn, um ihre Augen zu bedecken. Der Raum wurde dunkel, alles, was sie sah, hatte jetzt einen schwarzen Schleier. In diesem Moment betrat Irshad die Wohnung. Als er Chelsea sah, rief er aus: „Ehre sei Allah. Du siehst großartig aus." Chelsea fragte sich, wie er sagen konnte, dass sie wie etwas aussah, wenn er sie nicht einmal sehen konnte. Omar lebte in einem richtigen Haus und nicht in einer Wohnung. Auf der Fahrt dorthin hatte Irshad Chelsea angewiesen, dass sie während des Abendessens und während der Anwesenheit der Männern nicht sprechen sollte, da dies ihre Gefühle beleidigen könnte. Omar öffnete die Tür und begrüßte Irshad herzlich. Er führte sie dann hinein. Chelsea wurde gestikuliert, sich zu Umm Najeedah und einigen anderen Frauen in Schwarz zu setzen. Sie saßen an einem separaten Tisch mit einem Paravent zwischen sich und Omars männlichen Gästen. Chelsea setzte sich widerspruchslos zu ihnen. Sie lehrte ihr einige der Feinheiten des Essens mit einem Niqab. Aber sonst durften sie nur da sitzen und zuhören, wie die Männer miteinander redeten. Offensichtlich wuchsen die Einschreibungen in die Stiftung immer mehr an und sie mussten mehr Land und Gebäude kaufen, um den Campus zu erweitern. „Wir haben einige substanzielle Spenden von wohlhabenden Saudis erhalten, die unsere Lehren unterstützen. Wir werden bald auch in andere Länder expandieren können." „Wir müssen uns daran erinnern, dass es unsere Pflicht ist, die religiöse Überzeugung und das Verhalten so vieler Menschen wie möglich zu ändern." „Der Fehler der Bruderschaft bestand darin, die Herrscher herauszufordern. Das war nicht gut. Es schafft nur Fitna und tut nichts, um das Verhalten der Menschen zu verändern." „Wir waren bisher so erfolgreich. Viele Familien schicken ihre Töchter zu uns, um sie von den Sittenverderbnissen der gegenwärtigen säkularen Welt zu beschützen." Das Gespräch dauerte noch ein paar Stunden, bis Irshad mit Chelsea nach Hause fuhr. Dort angekommen, zog sie den Niqab aus und verstaute ihn in der Schachtel, bevor ihr Ehemann auf irgendwelche Ideen kam. *** Anneliese wartete nach dem Unterricht auf Chelsea. Sie plauderten etwas mehr von Annelieses Leben und nur ein bisschen von Chelseas Leben. "Anneliese, ich verstehe nicht, warum du alle Freiheiten aufgeben musstest, um hier zu leben." „Weil diese ‚Freiheiten‘ Illusionen und Lügen waren. Sie dienten meistens dazu, mich von Männern zu ihrem Genuss prostituieren zu lassen. Wenn ich hier fertig ausgebildet bin, wird der Mann, den ich heirate, Verantwortung für mich übernehmen und nicht nur seinen Spaß haben und davonlaufen." Chelsea versuchte, an eine Antwort zu denken, konnte sich aber keine vorstellen. Am nächsten Tag während des Vortrags hörte sie sich an, was die Lehrerin sagte, anstatt sich nur zu langweilen. Chelsea war nicht damit einverstanden, wie die Dinge gesagt wurden, aber sie konnte die Art von Argumentation verstehen, die diese Leute verwenden, um zu diesen Schlussfolgerungen zu kommen. Sie dachte immer noch, dass sie falsch lagen, aber sie verstand, warum sie aus ihrer Sicht einige Dinge glauben könnten. Die Tage vergingen und die Unterrichtsstunden kamen und gingen. Allmählich wurden die Dinge zur Routine und normal und Chelsea fand heraus, dass sie trotz ihrer Bemühungen ihren Überzeugungen treu zu bleiben, dass was sie Unterricht erlernte, begann ihre Perspektive allmählich zu verschieben. Dies ging bis zu dem Punkt, dass als siedurch den Hof ging, sie die schwarz verhüllten Frauen sah und auf ihren eigenen farbenfrohen langen Rock, ihr langärmliges Hemd und ihren blauen Hijab schaute, sie sich ausgegrenzt fühlte. Als sie ihre Wohnung betrat, holte sie die Schachtel mit den schwarzen Kleidern hervor. Sie zog die Abaya und den Khimar hervor und bevor sie es überhaupt bemerkte, hatte sie sie angezogen. Sie betrachtete sich im Spiegel, nur ihre Hände und ihr Gesicht waren sichtbar. Das war sittsamer, als sie sich normalerweise kleidete. Wenn sie damit ausging, würde sie weniger auffallen. Sie versuchte sich einzureden, dass das der Grund war, warum sie das tat. Sie versuchte so zu tun, als wäre das nicht so, dass sie langsam den Glauben ihres Mannes für sich akzeptierte. Ihr Ehemann machte keinen Kommentar zu ihrer Kleidung, als sie die Abaya das nächste Mal auf dem Campus trug, aber es gab eine subtile Andeutung in seinem Verhalten, die nahelegte, dass er zustimmte. Anneliese war viel offener in ihrer Zustimmung zu Chelseas Kleidungswechsel. Es war schön, eine Art positiver Interaktion nach vielen Monaten der Isolation durch Irshads neuer, strenger Haltung zu erhalten. Die Monate vergingen schnell. Chelsea beschäftigte sich mehr mit dem Koran-Studium, und auf subtile Weise, ganz langsam, begann die Grenze zwischen, etwas aus Langeweile zu tun und ein echtes Interesse zu haben, zu verschwimmen, um dann zu verschwinden. Sie fing an, ein Gefühl der Schwesternschaft mit den Frauen in ihrer Klasse jenseits von Anneliese zu entwickeln. Zu Hause las sie den Koran und beobachtete, wie Irshad mehr und mehr Gebete laut sprach, damit sie sie mitsprechen konnte. Eines Tages, als sie von der Klasse nach Hause kam, um sich zu Hause auf das Gebet vorbereitete, begann sie sich selbst in Frage zu stellen. „Was mache ich hier?" murmelte sie vor sich hin. Sie war keine Frau aus dem Nahen Osten. Sie war Amerikanerin. Warum wuchs sie langsam in diese fremde Welt hinein. Warum trug sie Abaya und Hijab? Warum erlaubte sie es,sie an diesem Ort einzusperren. Warum lernte sie den Koran und übernahm diese Überzeugungen allmählich? Das war Wahnsinn. Und doch? Und dennoch nahm sie den Gebetsteppich heraus. Sie ging auf die Knie und warf sich nieder. Jedes Mal, wenn sie spürte, dass ihre Stirn den Boden berührte, lösten sich diese lästigen Zweifel auf. Wurde sie Muslima?War sie schon eine Muslima? Als Irshad nach Hause kam, wartete sie auf ihn. Bevor sie etwas sagen konnte, nahm er sie in seine Arme und küsste sie. Sie erwiderte seinen Kuss. Er hielt sie fest. Sie konnte seinen Bart noch mehr spüren als zuvor. Sie waren bald auf dem Weg in das Schlafzimmer, wo sie sich liebten. Als sie es das erste Mal in der der Zeit auf der Universität taten, war sie die Dominierende im Schlafzimmer, fast immer oben. Aber jetzt war sie unterwürfig unter ihm. Danach lag sie fest in seinen starken Armen.Er war ihr Beschützer, ihr Betreuer. Dieses häusliche Leben schien plötzlich so richtig. Am nächsten Tag gab sie ihre Glaubenserklärung ab und sie tat es, während sie einen Niqab trug.

Teil 7

[Jetzt]

Chelseas Gedanken kehrten in die Gegenwart zurück. Ihr Auto kam am Flughafen an. Irshad stieg aus und Chelsea folgte ihm. Im inneren des Flughafens warteten sie auf die Ankunft des neuesten Mitarbeiters der salafistischen Organisation. Schließlich kamen Mazin und seine Frau Becky zu ihnen. Irshad begrüßte Mazin und half ihm, das Gepäck zum Auto zu bringen. Chelsea beobachtete Becky aufmerksam. Wie viele westliche Frauen trug sie eine schamlos unbescheidene Kleidung, genau wie einst Chelsea. Beckys Hände und ihr ganzer Kopf waren freigelegt, um von jedem Mann, der vorbeiging, gesehen und begehrt zu werden. Becky für ihren Teil war ein wenig überwältigt von den neuen Sehenswürdigkeiten um sie herum. Irshad fuhr das Paar zum Hotel, wo sie wohnen würden. Nachdem sie eingecheckt und sich niedergelassen hatten, kehrte er auf das Gelände zurück, wo sie ihren jungen Sohn Ahmed von der Schule für Kinder abholten. Irshad setzte dann Chelsea und Ahmed in ihrer Wohnung im Komplex ab, bevor er zu seiner Arbeit zurückkehrte. Als er weg fuhr, empfand Chelsea eine solche Bewunderung für die langen Stunden, die er für seine Familie arbeitete. Ihr Beschützer und Betreuer. Als sie die Wohnung betraten, ging Ahmed sofort in sein Zimmer und begann dort zu spielen. Chelsea wollte gerade ihren Niqab ausziehen, besah sich aber im Spiegel. Sie näherte sich ihrem Spiegelbild. Ihre Sicht war verschwommen, aber alles, was sie sah, war sowieso ein schwarzer Geist. Es war wundervoll. An den Weg zu denken, den ihr Leben genommen hatte. Niemals hätte sie gedacht, dass sie eine verschleierte Muslima sein würde. Allah hatte sie wirklich so gesegnet, wie viele andere Frauen nicht gesegnet waren. Chelsea entfernte endlich den Niqab und betrachtete ihr Spiegelbild noch ein wenig. Jetzt war ihr Gesicht, der einzige Teil ihres Körpers sichtbar. Der Rest war schwarz. Ihre Frömmigkeit für jeden, der sie sehen konnte, nicht so viele Menschen sahen sie heute. Sie untersuchte ihr Gesicht. Ihre Augenbrauen waren unverletzt, ihr Gesicht frei von Kosmetika. Dann erinnerte sie sich, wie sie vor wenigen Jahren ausgesehen hatte, als sie noch Party gemacht hatte. Ihr Gesicht wurde bemalt, um Männern gefällig zu sein, ihr Körper wurde zu deren Vergnügen herausgestellt. Chelsea schauderte bei dem Gedanken. Es war so schrecklich darüber nachzudenken. Sie fragte sich, was mit Kristin und Tanya passiert war. Sie hatten sie zur Prostituierten für die Männer gemacht. Die Männer hatten von ihr bekommen, was sie wollten, und dann sind sie gegangen. Sie hatte für sie keinen anderen Wert als einen momentanen Genuss. Aber jetzt, jetzt lebte sie in der Gnade Allahs. Chelsea ging in die Küche und nachdem sie ihre Handschuhe ausgezogen hatte, begann sie das Abendessen vorzubereiten. Als sie das Mehl herausholte und anfing, den Teig zuzubereiten, dachte sie an Irshad. Als sie ihren Ehemann zum ersten Mal getroffen hatte, war er praktisch von keinem westlichen Mann zu unterscheiden gewesen. Aber jetzt war er so eifrig im Glauben, wie man nur einen Bruder finden konnte. Seine Hingabe an seine Arbeit war mehr als nur eine bezahlte Arbeit, er arbeitete daran, die Salafi-Botschaft zu verbreiten. Jedes Jahr kamen mehr Schüler durch die Türen der Schule. Ihre Organisation wuchs und der Campus wuchs stetig. Chelsea dachte mit einiger Genugtuung an all die jungen Frauen, die sich jetzt vollständig vor den Augen der Männer versteckten. Schließlich kehrte Irshad nach Hause zurück und die Familie aß zusammen zu Abend. Danach verbrachte Irshad einige Zeit an seinem Computer, während Chelsea Ahmed half, zusätzlich zu dem, was er in der Schule gelernt hatte, mehr über den Koran zu erfahren. Der Junge merkte sich schnell die Passagen, die Irshad immer so stolz machten. Sie führten dann das Ishagebet aus, bevor sie Ahmed ins Bett brachten. Dann zogen sich Irshad und Chelsea in ihr Schlafzimmer zurück, wo sie einer einstündigen Vorlesung des Sheik lauschten, der ihre Schule leitete. Er betonte die Wichtigkeit der Verbreitung der Salafi-Botschaft. Er verurteilte diejenigen, die Terror und rücksichtslose Gewalt betrieben, um Fitna in der muslimischen Welt zu schaffen. Es war wichtig, betonte er, nicht gegen die Herrscher zu rebellieren. Eher würde Allah sein Volk mit einem gerechten Herrscher segnen, sobald sie anfingen, wirklich ein gerechtes Leben zu führen. Als der Vortrag vorbei war, schaltete Irshad den PC aus und sie liebten sich. Am nächsten Tag, nachdem Irshad zur Arbeit gegangen war und Ahmed in der Schule abgesetzt hatte, führte Chelsea ihre täglichen Putzarbeiten im Haus durch. Sobald sie damit fertig war, zog sie ihre schwarzen Handschuhe und den Niqab an und trat nach draußen. Sie stieg die Treppe hinunter in den Hof und näherte sich dem zentralen Spielbereich. Hier auf glänzender neuer Ausrüstung spielten jene Kinder, die zu jung waren, um zur Schule zu gehen, während ihre verschleierten Mütter auf einer Bank saßen. Als Chelsea näher kam, drehte sich eine der Frauen um und sah sie an. „Guten Morgen, Umm Ahmed." Chelsea wurde eher als Mutter von Ahmed bezeichnet als ihr ursprünglicher Name. Sie hatte sich etwas daran gewöhnt und sie fand es ziemlich gut. Es half, ihre Rolle als Mutter und Trägerin von Kindern zu betonen und sich von ihrem früheren Leben zu distanzieren. „Guten Morgen Umm Maddah." Sie sprachen zusammen Arabisch. Die Kommunikation mit keiner anderen Sprache und das intensive und unermüdliche Studium des Koran hatten ihr geholfen, jetzt frei zu sprechen. Die beiden Frauen plauderten über ihre Arbeit als Mütter. Umm Maddah kleinster Junge spielte auf dem Gerät. Ihre beiden anderen Kinder besuchten dieselbe Schule wie Ahmed. Sie sprachen über Kochen und Putzen und die verschiedenen Abenteuer, in die ihre jeweiligen Kinder geraten waren. Schließlich nahmen sie beide eine Kopie des Korans heraus und begannen sie zu lesen, wie es viele der Frauen auf den Bänken taten. Den Text durch den schwarzen Stoff zu sehen, der ihre Augen verbarg, war ein wenig anstrengend, aber Chelsea konnte es immer genug lesen. Schließlich kehrte sie in ihre Wohnung zurück, wo sie das Mittagsgebet betete. Irshad und die anderen Männer auf dem Campus würden ihre Gebete in einer Moschee auf dem Campus halten. Es war jedoch nicht praktisch für ihn, Chelsea abzuholen und dann in den Komplex zurückzubringen. Außerdem wurde im Hadith darauf hingewiesen, dass Frauen besser zu Hause beten sollten, damit sie nicht belästigt werden. Chelsea entfernte ihren Niqab und die Handschuhe für die Gebete. Jedes Mal, wenn ihre Stirn den Boden berührte, fühlte sie eine Verbindung mit Allah. Nach den Gebeten begann sie mit einigen Vorbereitungen für das Abendessen. Hier war sie. Eine amerikanische Frau, die jetzt im Nahen Osten als fromme Salafi Muslima lebte. Sogar in ihrem eigenen Haus trug sie nur schwarz und behielt ihren Kopf bedeckt. Eine ständige Erinnerung an ihre Hingabe an Allah und ihre Hingabe an seinen Willen und an den Willen ihres Ehemannes. Kein anderer Mann als ihr Mann und ihre Kinder würden sie jemals wieder ohne ein schwarzes Leinentuch sehen.