Veiled PAGE

Email:   vulcan@anarchocat.com

Die Feministin von T_G Version für die Website "Tales of the Veils". Nicht zur Vervielfältigung auf anderen Websites oder in einem anderen Veröffentlichungsformat ohne Genehmigung des Autors. Sarah York war eine normale dreißigjährige Frau mit kurzen blonden Haaren, blauen Augen und mit strengen feministischen Ansichten. Eine für Frauenrechte kämpfende Organisation war in mehreren Ländern tätig, für die sie als Dozentin an verschiedenen Frauenrechtsveranstaltungen teilnahm. Jetzt schickte die Organisation sie nach Afghanistan, denn dort mussten die Frauen dringend unterstützt werden. Sie nahm den Auftrag gerne an, denn auch wenn die Taliban von vielen Orten vertrieben waren, gab es immer noch Orte, an denen sie die Herren waren. Und die Situation der Frauen hatte sich nicht wesentlich verbessert. Als das Flugzeug auf dem Flughafen Kabul landete, war ihr Ansprechpartner vor Ort ein Mann namens Frank Hudson, ein dreißigjähriger schlanker, etwas untergewichtiger junger Mann, der dort auf sie wartete. Er war Sarahs Helfer und Dolmetscher. Frank, der ursprünglich Straßenbauingenieur war, brachte sie zu seiner Unterkunft in die Grüne Zone. Dieser bewachte Bereich, der für Ausländer reserviert war, war sicher, aber für einheimische Frauen völlig gesperrt. Weil sie hier einheimische Frauen nicht treffen konnte, suchte sie daher nach Vortragsveranstaltungen, vor allem auf dem Land, wo die Unterdrückung der Frauen noch schlimmer war. Schließlich, nach zwei Veranstaltungen in Kabul, gelang es ihr, eine Versammlung in Talik zu organisieren, einen zweistündigen Fußweg von der Hauptstadt entfernt. Frank wollte aber mit dem Mazda hinfahren. Zu Fuß war es für eine Frau zu gefährlich, meinte er. „Ich finde, es ist nichts besonders gefährlich." sagte Sarah auf seinen fragenden Blick hin. Doch sie gab nach und als sie sich in das Auto setzen wollte, zeigte Frank auf den Rücksitz. Sie war sehr verwundert, besonders als der Mann ihr dann auch noch ein hellblaues Kleid in den Schoß warf. „Was ist das?" fragte sie erstaunt. „Das ist die Burka, der Schleier der afghanischen Frauen, den du dir schnell anlegen musst, wenn ich es dir sage.". sagte Frank. Schnell warf Sarah die neben sich, als ob sie giftig wäre. Der Schleier ist ein Symbol für die Repression der Frauen war die Auffassung der Feministinnen. Nach nur einer Stunde Fahrt hielt Frank an. Er stieg aus und öffnete den Kofferraum. „Stimmt etwas nicht, Frank?", fragte sie nervös. „Dies ist bereits Taliban-Gebiet. Leg die Burka an. Ich werde mich auch entsprechend ankleiden." hörte sie ihn von hinten. „Super!“, dachte sie mürrisch. „Du solltest mal an meiner Stelle sein. Hinten im Auto auf der harten Bank zu sitzen war schon nervig und jetzt sollte sie auch noch die verhasste Burka tragen. Sie blickte durch das blaue Gitter der Burka. Alles war leicht verschwommen. Sie fühlte sich von der Außenwelt wie abgeschnitten. Ich bin eine Feministin in einer Burka, wie eine unterdrückte Afghanin.“ Frank kam an ihr Fenster. Er trug afghanische Kleidung und Mütze und ähnelte einem Einheimischer sehr. „Bemühe dich, dich wie jede afghanische Frau zu verhalten!”, er lachte die Frau im blauen Schleier an, doch er versuchte nur die Sorge um sie zu verdrängen. Er wusste sehr wohl, was für ein enormes Risiko sie einging, aber sie ließ ihm keine Wahl. Frank hatte sich in die Frau verliebt. Auch wenn er sie erst seit kurzem kannte, war er ihr doch ein Stückchen näher gekommen. Die Burka steht ihr nicht einmal schlecht, dachte er lächelnd. Sarah blickte ihm durch das blaue Gitter der Burka entgegen, und das Lächeln des Mannes beruhigte sie ein wenig. „Bist du sicher, dass das nötig ist?" Sie glaubte nicht, dass sie in Gefahr sein würden, doch er sagte ihr: „Sarah! Diese Straße ist sehr gefährlich! Unsere einzige Chance besteht darin, dass wir uns bemühen,wie die Einheimischen zu sein. In den Kostümen und mit gefälschten Papieren sollten wir durchkommen! Nur zur Erinnerung! Dein Name ist Sahar! Ich bin dein Mann! Mein Name ist Faruk Hussein! Wir leben in Talik! Wir kommen jetzt aus Kabul, weil wir deine Eltern besucht haben! Hast du mich verstanden?" „Ja, aber ich spreche nicht die Sprache." die Frau schüttelte den Kopf. „Ich hoffe, du brauchst nicht zu reden, davon könnte unser Leben abhängen. Lass mich sprechen und sprich nicht, bis wir die Straße passiert haben! Die Papiere behalte ich. Wenn dich jemand danach fragt, gebe ich sie dir. Das ist hier die normale Vorgehensweise. Und jetzt packe ich deine persönlichen Sachen weg und schalte dein Handy aus! Bleib von ihnen weg. Ich verstecke sie so gut es geht.“ „Frank bist du vielleicht ein wenig paranoid?" „Ich bin froh, wenn wir bald da sind! Jesus, hilf mir! Lass uns losfahren!" Er blickte zum Himmel und startete das Auto. Vielleicht waren sie zehn Minuten auf der kurvenreichen Straße unterwegs, als hinter einer scharfen Kurven zwei bewaffneter Taliban standen. Sie schrien mit ihren Kalaschnikow in ihren Händen, dass sie bremsen sollten. Franks erster Gedanke war, Gas zu geben und zu versuchen zu fliehen, aber dann dominierte der gesunde Menschenverstand. Dies hier war kein Hollywood-Streifen. Die beiden Maschinengewehre hätten sie in wenigen Augenblicken in ihrem kleinen Mazda erschossen. Außerdem versteckten sich wahrscheinlich einige Taliban zwischen den Felsen. Er hielt an, die beiden bärtigen Männer kamen zu ihnen. Der Jüngere stand hinter Frank, der Ältere riss die Hintertür auf und zog die zitternde Sarah heraus. Sie sahen sich ihre Papiere nicht an, sie warfen sie einfach zu Boden. Es war offensichtlich, dass sie sich gegenseitig anstachelten. Sie war verzweifelt und suchte nach Hilfe. Sie hob ihren Kopf und suchte Frank. Das kleine blaue Netz schränkte ihre Sicht sehr ein. Dann fand sie ihn. Was sie sah, machte alles noch schlimmer. Frank kniete auf dem Boden und auf seine Stirn zeigte ein Gewehrlauf. Der ältere Mann trat zu ihr und versuchte, ihr die Burka abzureißen. Sarah klammerte sich daran, als ob ihr Leben davon abhinge. Und das tat es auch. Glücklicherweise handelte es sich um eine originale handgemachte afghanische Burka, nicht um eine billige chinesische Nachahmung, die leicht zu zerreißen war. Wie eine Erlösung hielt dann ein Auto neben sie an - ein Toyota Pickup mit Maschinengewehr. Der Taliban zwang Sarah auf die Knie und ging zum Toyota hinüber. Nach einer kurzen Debatte kam er zurück. Er zog die Frau vom Boden hoch und schob sie in den Mazda. Der andere Bewaffnete schob Frank in den Wagen. Sie warfen ihm ihre Papiere durchs Fenster in den Fahrgastraum und sprachen dann mit gebrochenem Englisch: „Folgt dem anderen Auto! Ich rate dir, versuche nicht abzuhauen! “ Beide wussten, dass es keine leere Drohung war. Der Pickup wurde gestartet und das Maschinengewehr war auf sie gerichtet. Frank konnte nichts anderes tun, als ihnen zu folgen. Sie waren noch eine Stunde unterwegs, als schließlich angekamen. Die zwei Männer stiegen aus und der Schütze sprang von der Ladefläche des Pickup. Alle drei gingen in das große Haus neben dem kleinen Platz. Dann öffnete sich die Tür wieder, und eine Frau, eingehüllt in eine blaue Burka, näherte sich ihnen: „Bitte folgt mir! Sie müssen keine Angst haben, sie sind hier sicher.", sagte sie in einwandfreiem Englisch und ging zurück ins Haus. Überrascht folgten sie ihr. Sarah wurde es schwindelig zum Teil aufgrund der Aufregung, der sie ausgesetzt war, zum Teil aufgrund der Hitze und der verbrauchten Luft unter dem dicken Schleier. Die Frau brachte sie in einen größeren Raum und sie setzten sich zu einen älteren Mann. Die drei Männer vom Toyota saßen bereits dort. Der alte Mann sprach leise zu der verschleierten Frau und diese übersetzte: "Mein Name ist Omar Hussein. Ich bin der Bürgermeister in diesem Ort. Das sind meine Freunde und meine Frau. Sarah hat mit mir, genauer gesagt, mit meiner Frau Olivia, das Treffen geplant und wir haben euch auch die Papiere zugeschickt. Es handelt sich dabei um die Papiere meines Sohnes und meiner Tochter, die vor kurzem bei einem Selbstmordattentat ermordet wurden. Es tut mir leid, dass Sie einen derartig harschen Empfang hatten, aber wenn wir überleben wollen. müssen die Taliban glauben, dass sie unsere Freunde sind. Wir mussten tun, was sie von uns erwarten. Die Militärs sind weit weg und die Taliban beobachten uns sehr genau. Jetzt müsst ihr euch entscheiden. Entweder kehrt ihr um oder bleibt für wenigstens ein Jahr bei uns. Im ersten Fall müssen wir euer Auto zerstören und den Taliban beweisen, dass ihr tot seid. Meine Gefährten werden dann vom Militär gesucht und müssen untertauchen. Im zweiten Fall werdet ihr Geiseln sein, zumindest die Taliban werden das behaupten. Ich wünschte, Ihr würdet bleiben. Frank ist Ingenieur und du Lehrerin. Wir würden euer Wissen sehr dringend benötigen. Wir könnten eine Straße, Schule bauen und einen Brunnen bohren. Sarah könnte unsere Kinder unterrichten und mit unseren Frauen reden, wann immer sie will. Deswegen bist du ja auch hier! Oder nicht? Innerhalb des Ortes kannst du dich frei bewegen, darfst aber nicht weggehen. Denn außerhalb der Stadt können wir euch nicht beschützen. Ihr müsst euch immer in afghanisch kleiden. Sarah, auch immer in einer Burka. Olivia, meine Frau und meine Dolmetscherin war eine westliche Frau, bis sie sich uns anschloss. Sie begleitet euch ins Haus meines verstorbenen Sohnes. Dort könnt ihr essen und euch entspannen. Triff bis morgen früh deine Entscheidung. Wir werden eure Freunde informieren, sorgt euch nur um euch selbst.“ Die vier Männer standen auf und gingen hinaus. Auch die Burka-Frau stand auf und winkte ihnen zu, ihr zu folgen. Als sie das andere Haus betraten hob Olivia ihre Burka übers Gesicht und sagte Sarah, dass sie auch die Burka hochheben soll. „Ich heiße Olivia Hussein. Ich bin seit zwei Jahren in der Stadt und seit einem Jahr bin ich Omars Frau. Ich habe versucht, die Mädchen und die Frauen hier zu unterrichten, aber ich bin keine Lehrerin. Ich bin Ärztin. Ich behandele die Frauen in der Stadt. Ich sprach mit meinem Mann, um eine Lehrerin für die Mädchen und Frauen zu finden. Macht es euch bequem! In der Küche findet ihr Essen. Wir treffen uns morgen früh. Dann entscheidet euch, welche Option ihr wählen wollt. Und ich bitte euch, zu bleiben! Wir brauchen euch hier dringend!", sagte die Frau und ging. „Was hältst du davon Frank?" fragte Sarah. „Meine Meinung spielt keine Rolle. Was willst du denn? Im Übrigen bist du in der Burka wirklich sehr hübsch!“ „So wie jetzt?" fragte die Frau, und zog den blauen Schleier wieder vor ihr Gesicht. „So bist du noch hübscher!" lachte der Mann. Am nächsten Morgen, als sie das Esszimmer betraten, saß dort ein unbekannter Mann mittleren Alters. „Mein Name ist Abu Padan. Vielleicht weißt du, wer ich bin! " sagte er mit deutlicher Stimme zu Frank. Frank wurde nervös. Der lokale Taliban-Führer saß vor ihnen, der anscheinend keine Angst hatte, allein in die Stadt zu kommen. Was wollte er von ihnen? Er näherte sich Sarah, die anstatt sich zu setzen, sich schnell erschrocken die Burka überzog. Der Mann lächelte. „So ist es besser! Sahar setze dich nach hinten, bis ich mit deinem Mann gesprochen habe! Ich weiß alles über euch. Wir haben auch unsere Spitzel. Olivia kommt bald um sich eure Antwort zu holen. Die Antwort wird sein, dass ihr hier bleibt! Dies ist keine Bitte! Das ist mein Befehl! Omar ist der Anführer dieser Stadt, aber nur so lange, wie ich es will! Ich rate euch nicht, Unterstützung beim Militär zu suchen! Ihr geht nirgendwo mehr hin. Ihr bekehrt euch zum Islam und werdet tatsächlich heiraten! Dieses Dorf gehört uns und ich möchte, dass die Leute hier für mich arbeiten! Wir können hier den Frieden verwirklichen! In den Bergen gibt es seltene Metalle. Ich habe bereits einen Vertrag mit einem chinesischen Unternehmen abgeschlossen, um sie zu fördern. Faruk! Du wirst das Projekt leiten. Finde eine Möglichkeit die Minen zu betreiben. Dem ganzen Dorf wird es dann gut gehen. Alle haben Arbeit, es gibt eine Schule, und alles andere! Oder es gibt einen Krieg mit vielen Toten, für die sich aber niemand interessiert. Stimmt's? Also ihr habt keine andere Wahl!", sagte der Mann und ging. „Flucht? Selbst wenn es ihr gelänge, was würde aus dem Dorf werden? Das Militär zur Hilfe rufen? Die würden nur ein Paar Tage bleiben. Sie verstand, dass der Taliban keine Witze gemacht hatte. Für ihn war eine Menge Geld im Spiel und das wollte er nicht verlieren. Schon immer wollte sie Kinder und Frauen unterrichten! Und Frank würde sich um sie kümmern. Sie würde die Frau eines Unternehmers werden, eine afghanische Frau in einer Burka. Ihre feministischen Ansichten könnte sie dann wohl auf den Müll werfen. Olivia betrat das Haus und fragte: „Wie habt ihr euch entschieden?“ „Olivia! Wir haben beschlossen, hier zu bleiben. Ich denke, das wird das Beste sein.", sagte Sarah und nickte ihr zu.