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Caro: 

„Ab in den Süden! Hauptsache nicht ‚de schäl Sick‘. Wie schnell man doch eine günstige Studentenbude in Köln kriegt, wenn man Vitamin Beziehungen hat.“, dachte ich mir, während ich mich durch den Stadtverkehr quälte.

„200,- €uronen Miete das wäre fantastisch. Ich könnte mein Töff Töff verkaufen und mir ein Studententicket bei der KVB zulegen, das würde mir wiederum einen Haufen Geld sparen. Hoffentlich hat die Sache keinen Pferdefuß!“

Ich saß bei Kamps und gönnte mir, während ich auf Pete wartete, einen Cappuccino. Der Optimist brauchte von Duisburg nach Köln natürlich eine halbe Stunde mehr, als geplant. Was soll‘s endlich kam er um die Ecke. Von Weitem winkte er mir zu. Glaubte er, ich würde jetzt weglaufen?

„Hallo Caro! Entschuldige bitte die Verspätung...“

„Komm runter! Für Kölner Verhältnisse bist du überpünktlich!“, lachte ich ihn an.

„Wohl wahr!“, sagte er und lächelte zurück und mir wurden die Knie ein wenig weich.

Schluck!

„Können wir gehen? Ich habe alles geklärt. Wir werden schon erwartet.“, sagte er drängend.

„Klar lass uns gehen!“, erwiderte ich.

Als wir bei der Adresse ankamen, fanden wir einen typischen 70er-Jahre Appartementklotz vor. Aber er war frisch gestrichen und wie wir durch die Eingangstür traten, erwartete uns ein tipptopp renovierter Eingangsbereich. Der erste Eindruck war schon mal okay. Concierge stand über der Tür.

„Schätze, hier sind wir richtig.“, meinte Pete und klingelte.

„Ja, bitte!“, erklang eine weibliche Stimme aus der Sprechanlage.

„Pete Lagerfeld. Wir haben ei….“ Ein dezentes Klicken ermahnte uns einzutreten. Uns empfing ein sehr geschmackvoll eingerichtetes Empfangszimmer.

„Bitte haben Sie einen Moment Geduld! Herr Ahmadi wird Sie gleich empfangen!“ erklang es aus einem Lautsprecher. Wir setzten uns und ich schnappte mir einen Flyer. Ich las von einer Bruderschaft und ihren sozialen Engagements. Dieses Haus war ein Studentinnenhaus mit jeweils acht Appartements, eine Küche und zwei Bäder pro Etage, von daher verbot sich in diesem Bereich die Anwesenheit von Männern. Besuch durfte ausschließlich nur im Erdgeschoss, in der Cafeteria empfangen werden. Hier wohnte auch der Verwalter.

„Das Verbot Männer zu empfangen, gefällt mir nun nicht so sehr.“, meinte ich.

„Möchtest du fremden Männern im Bad begegnen?“, frug er zurück und komischer Weise schämte ich mich plötzlich für meinen Einwand und schüttelte überrascht mit dem Kopf. Ein elegant gekleideter Mann betrat das Zimmer.

„Ich hoffe, Sie mussten nicht zu lange warten. Mein Name ist Ahmadi. Ich bin hier der Projektmanager oder auch nur der Hausmeister, wenn Sie so wollen.“, stellte er sich vor. Sie sind dann sicher Herr Lagerfeld und in Ihrer Begleitung?“

„Caroline Lichter! Es freut mich Sie kennen zu lernen, Herr Ahmadi!“, stellte ich mich vor und reichte ihm die Hand. Er nickte freundlich, aber verweigerte mir seine Hand.

„Sehr erfreut Frau Lichter! Bitte betrachten Sie es nicht als Unhöflichkeit, sondern als besonderen Respekt Ihnen gegenüber, wenn ich Ihnen nicht die Hand reiche.“ Eine Frau, bis auf Gesicht und Hände vollständig bedeckt, kam herein.

„Das ist meine Frau Basima. Während sie Ihnen alles zeigt, warten wir Männer in der Cafeteria auf Sie.“

Basima lächelte mir zu und winkte mir ihr zu folgen. Wir fuhren in den dritten Stock. Sie zeigte mir die Küche und die Bäder. Alles war hell und freundlich. Dann öffnete sie mir mein zukünftiges Appartement. Ich war überwältigt. Für 200,- €uronen hatte ich ein kleines Schlaf- und Arbeitszimmer erwartet. Es war ein Traum von 50 qm Zimmer + Einbauschränke + Balkon + + +.

„Sagen Sie Basima, das alles für 200,-€ ? Stimmt das?“ frug ich sie.

„Ja! Wenn es dir nichts ausmacht – wir Frauen duzen uns hier. Nun Männer sind hier strikt verboten. Solltest du dagegen verstoßen, würde es zu einer sofortigen Kündigung führen. Ferner hat jede Frau einmal in der Woche Putzdienst und muss in der Cafeteria bedienen. Doch da immer alles vermietet ist und du den Dienst mit allen Frauen teilst, ist das wirklich nur ein Klacks. Und bist du interessiert?“

„Na, und ob ich interessiert bin! Ich kann es gar nicht abwarten einzuziehen!“, sagte ich.

„Gut, alles andere besprichst du mit meinem Mann. Willkommen, liebste Schwester!“, sagte sie, nahm mich in den Arm und rieb mit ihrem verschleierten Kopf den meinen. Ich fühlte mich zuerst völlig überrumpelt, doch dann empfand ich es als sehr angenehm - irgendwie total weiblich. Wir eilten nach unten. Während ich ihr folgte, bewunderte ich, wie ihre Schleier sie umwehten. Irgendwie sah es hübsch aus.

„Nun? Wie fandest du es?“, frug mich Pete.

„Fantastisch! Wo kann ich unterschreiben?“, war meine Antwort.

„Immer langsam mit den jungen Pferden, Frau Lichter! Ich nehme Sie in der Liste auf und Sie haben 3 Monate Zeit Ihre Angelegenheiten zu regeln, wie Nachmieter suchen, etc.“, sagte Herr Ahmadi.

„Also das werde ich in die Hand nehmen, wenn ich darf. Wann wäre der nächstmögliche Einzugstermin?“, frug Pete.

„Von uns aus sofort! Wenn Frau Lichter direkt einzieht, werden wir ihr die Miete erst in zwei Monaten berechnen.“, sagte er.

„Aber ich bin noch für drei Monate vertraglich an meine alte Wohnung gebunden.“, sagte ich. Pete erwiderte:

„Ich habe mir erlaubt, im Vorfeld alles mit deinem Vermieter zu klären. Er war begeistert davon, dass ich ihm direkt einen Nachmieter anbieten konnte, der 100,-€ mehr bezahlt. Du kannst also den Mietvertrag sofort abschließen. Was du hast, kann man dir nicht mehr nehmen, nicht wahr!“ Er hatte recht, also unterschrieb ich.

Der Umzug hatte mir dank Pete nichts gekostet und so saß ich eine Woche später in meinem neuen Appartement und war ihm überaus dankbar und glücklich.