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Gadi

Ein Monat später

Schöne Bescherung. Ich war schwanger. Amir war vor Glück aus dem Häuschen. Ich weiß, ohne Verhütung werden Frauen schwanger, aber doch nicht so schnell, verdammt. Ich hatte gehofft, ich hätte noch etwas Zeit mich einzuleben, doch dem war nicht so. Selima sagte:

„Nina Fords zweite Tochter Vilma hat in vier Monaten Ihren achtzehnten Geburtstag. Vilma ist hier aufgewachsen und ist ein gutes und gehorsames Mädchen. Ich möchte sie dir vorstellen. Sie kommen heute Nachmittag zu Besuch.“ Ich wusste mittlerweile, dass der 18. Geburtstag der Mädchen ein ganz besonderer Tag war. Vielleicht, weil sie dann heirateten. Ich fand das ist viel zu früh. Ich freute mich über jede Abwechslung, denn ich vermisste meine Arbeit. Manchmal kamen Frauen zu mir und baten mich darum, an ihren Burkas kleine Änderungen vorzunehmen. Oft passten sie schlecht, weil sie en gros und nicht individuell angefertigt wurden. Aber für eine Schneiderin war das nur ein Klacks und keine richtige Arbeit. Amir war lange genug in Deutschland, um mich zu verstehen. Aber Selima wollte nicht, dass ich arbeitete und solange ich unter ihrem Dach leben würde, würde sich das auch nicht ändern. So kniete ich mich in das Erlernen der Kramsprache und da war ich richtig gut. Ich bin jetzt einen Monat hier und beherrsche schon die alltägliche Konversation mit den Frauen. Die Gespräche mit unseren Männern beschränken sich für uns auf das gehorsame Hinhören. So liebenswert die Frauen mich behandeln, in der Familien Hierarchie stehe ich ganz unten und muss allen gehorchen. Von der Außenwelt kriege ich nichts mit, ich bin immer im Haus. Während meine vier Schwiegermütter regelmäßig das Haus verlassen – zum Einkaufen oder für Besuche – muss ich den Haushalt machen und deren Kinder hüten. Ich höre immer öfter von den Vieren, dass Amir dringend eine zweite Frau heiraten muss, weil ich bald wegen meiner Schwangerschaft meinen ehelichen Pflichten nicht mehr nachkommen könne. Dann war es Nachmittag und Hillary und Vilma Ford waren da. Nachdem ich mit den Fordfrauen bekannt gemacht war, machten es sich die vier Frauen und der Besuch bequem und ließen sich von mir bedienen.

„Mein Mann will Vilma an ihrem Geburtstag unbedingt mit Amir verheiraten. Ich bin hier, um Gadis Einverständnis einzufordern.“, sagte Hillary Ford. Selima antwortete für mich:

„Es ist für unsere Familie eine große Ehre eine Ford Tochter aufzunehmen. Kommt Gadi und Vilma!“ Sie schob uns in eine Ecke und Vilma musste sich vor mir hinknien, dann befahl sie mir:

„Gadi, hebe deine Burka über sie! Vilma zeige dich! Gadi knie nieder und schau deiner Schwester ins Gesicht. Gadi, was siehst du? Antworte!“

„Ich sehe in Vilmas Gesicht.“, antwortete ich gehorsam und jetzt erst fiel mir auf, wie lange ich kein weibliches Gesicht gesehen habe. Sie war eine verdammt hübsche, rothaarige Hexe. Ihr Gesicht war übersät mit Sommersprossen.

„Vilma, Was siehst du?“

„Ich sehe in Gadis Gesicht.“, sagte sie. Die Frauen klatschten und trillerten.

„Vilma bedecke dich und du Gadi erhebe dich und nimm deine Burka von Vilma ab und dann kommt zu uns!“, sagte Selima. Vilma sagte:

"Oh! Gadi! Ich werde dir immer gehorchen und dir eine gute Zweite sein.“ Langsam dämmerte es mir: Ich hatte Vilma als zweite Ehefrau meines Mannes akzeptiert. Ich hatte jetzt eine Schwesterfrau in spe. Meine zukünftige Schwiegermutter sagte:

„Gadi, ich freue mich so für dich. Ich weiß, was es für eine Frau aus dem Westen bedeutet, hier zu leben. Auch ich war zu Anfang ziemlich geschockt. Doch habe Geduld, schon bald wirst du dieses Leben lieben.“

Ein Jahr später Ich hatte einen Sohn geboren. Wir nannten ihn Ahmed. Mein ganzer Stolz und mein Glück. Hätte ich eine Tochter gehabt, hätte ich noch ein zweites Kind haben dürfen. Die Gesetze zur Geburtenregulierung wurden hier sehr streng gehandhabt. Vilma war jetzt schwanger und eine dritte Ehefrau sollte uns bald zu Seite gestellt werden. Wir lebten in einem eigenen Haus; schon aus Platzgründen. Amir hat mir zur Geburt unseres Sohnes eine Nähmaschine geschenkt. Aber mit hohen Auflagen. Auf keinen Fall durfte ich meine häuslichen Pflichten vernachlässigen oder Auftragsarbeiten annehmen. Amir brachte das Geld nach Hause und sonst niemand. Basta! Das machte mich etwas traurig, aber seit Ahmed da war, nicht mehr sonderlich. Ich habe es geschafft. Ich lebe wie eine Kram, ich spreche wie eine Kram und ich bin gerne eine Kram.

Ich bin angekommen! Allahu akbar!