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PARALLEL CERN

Das Ende

Anja 

"Hallo, ihr Lieben! Ihr wundert euch sicher, dass ich wieder normal berichten kann. Doch dazu später. Ich möchte euch auf Wunsch meines Herrn berichten, was sich in den letzten Jahren zugetragen hat. Als ich mich 'freiwillig' wieder in die Kontrolle des Instruktors begeben hatte, war ich wieder das dumpfe und glückliche 'Haustier', ein 'Es', dass seinen Pflichten nachkam. Alles war für mich gut und richtig. Doch es kann das beste 'Es' nicht in Frieden dienen, wenn es dem Herrn und Besitzer nicht gefällt. Denn dieser träumte immer noch von seiner geliebten 'Anja', der längst Vergessenen. Mein Herr hatte sich in diese Welt bestens integriert. Sein Haushalt war mit ihm auf 9 Personen angewachsen. Ja, ihr hört richtig, er hatte alle seine 4 Weiber geschwängert und alle 4 hatten geworfen. Merke ein 'Haustier' entbindet nicht! Und die Krönung war, es waren alles Knaben. Die einheimischen Männer liefen Sturm, ob dieser außergewöhnlichen Fruchtbarkeit und der Tatsache, dass es Knaben waren, wo in dieser Welt schon die Geburt eines einzigen Knaben ein Ereignis war. Ein Mann mit 4 Söhnen von 4 'Kühen', dass hatte es seit Jahrhunderten nicht mehr gegeben. So wurde unser Besitzer ein hoch angesehener Mann, dem man so schnell keinen Wunsch mehr abschlagen konnte. Er hatte schon lange eine Software entwickelt, die er jetzt auch bei uns anwenden durfte, die Weiber wurden extrem behutsam und sanft aus der Kontrolle des Instruktors gelöst. Zuerst spürten wir nur wenig. Aber nach und nach, es dauerte Monate, entwickelten wir ein schwaches Ich-Bewusstsein, dass in Verbindung mit einer erneuten Schwangerschaft aller 4 Weiber, durch unsere tief gehende Mutterliebe noch forciert wurde. Die Liebe zu unserem Meister und zu unseren Erstgeborenen nahm stetig zu und der Instruktor rückte immer mehr in den Hintergrund. Bald sah ich mich als Weib Nummer 1, in mir war jetzt wieder etwas 'Anja' aber viel mehr Frau und Mutter. Meinen Schwestern, wir betrachteten uns langsam als Personen, erging es wie mir und es entstand eine von Liebe und Pflichterfüllung getragene Familie. Wenn am Abend die Kinder schliefen, schlichen wir uns zu unserem Herrn in sein riesiges Bett, zum Kuscheln und rumalbern. Wenn er dann eine von uns bestieg, erfreuten wir uns an dem Glück des Herrn, sowie das unserer Schwester. Eng aneinander gekauert schliefen wir alle glücklich und müde ein. Wir waren jetzt eine glückliche, islamische Familie. Vielleicht hatte ich mal in meiner Heimatwelt ein tolles Leben, in meiner neuen Heimat war ich glücklich. Als wir entbanden, wir waren endlich wieder Frauen, gebaren wir 4 Töchter. Niemand fand bisher eine Erklärung für unseren Kinderreichtum. Zumal wir nach einer längeren Erholungszeit wieder schwanger wurden. Auch diese Schwangerschaften endeten mit der Geburt von 4 Mädchen. Wir waren jetzt eine 17-köpfige Familie, ein absolutes Novum! Das brachte unsere Autoritäten zu der Überlegung, dass zumindest die Erstgeborenen Knaben werden und somit unser Herr noch 2 Frauen heiraten musste, damit auch sie 2 Knaben gebaren. Mit 6 Ehefrauen und einer Horde Kinder war unser Herr, er war und bleibt unser Besitzer, so wollten wir es, schwer gefordert. Denn das hieß, jede Nacht Ehepflichten und tagsüber Vaterpflichten. Während der Schwangerschaft, der 2 'Neuen' wurden wir 4 'Alten' wiederum schwanger und gebaren wieder 4 Knaben. Wir waren jetzt mit 18 Kindern, die mit Abstand größte und berühmteste Familie. Das bewog so manchen Hardliner auch ihre Weiber vom Instruktor mal mehr mal weniger zu lösen.

Karl

Anja war zwar immer noch nicht meine ‚Anja‘, sonder weiterhin Weib 1 nur mit mehr Persönlichkeit. Die Löschung ihrer Erinnerungen war nicht mehr rückgängig zu machen. Die Unterwerfung unter einen Mann, für die ‚alte‘ Anja ein absolutes Unding, löste bei ihr jetzt die größten Glücksgefühle aus. Auch ihr kritischer Geist war Geschichte. Nächte lange Gespräche mit ihr, an denen sie mich immer sanft aber bestimmt zwang, mich ihrer Meinung anzuschließen, vermisste ich so sehr. Es war wie beim Eiskunstlauf: die ‚alte‘ war Kür und anstrengend, die ‚neue‘  Pflicht und langweilig. Kurzum: ich liebte die Kür.

Und ich liebte die Physik. Nach der häuslichen Pflicht stürzte ich mich glücklich in meine Forschungen. Stetig hatten wir die Technik weiterentwickelt. Wir konnten auf eine unfassbar große Anzahl an Universen blicken. Sie waren teilweise so andersartig, dass wir sie nicht mal vom Ansatz her verstehen konnten. Die Welten, die unserer am meisten ähnelten, gingen ohne unser Dazutun den Weg der Verdammnis. Ein ganz besonderes Ereignis war eingetreten, als wir eine Welt fanden, die dem Paradies glich. Das globale Klima war ausgeglichener und die Vegetation abwechslungsreicher. Und in dieser Welt gab es keine Menschen. Ein Umstand, welcher zu der Annahme führte, dass die Menschheit hier im frühen Mittelalter von den Seuchen ausgerottet worden wurde.

Und diese Seuchen flogen uns bei Kontaktaufnahme um die Ohren. Das Notfallsystem wurde aktiviert und alle Anwesenden und alles Interieur wurden in einem Feuersturm vernichtet. Ich hatte mich an diesem Tag verspätet, das rettete mir das Leben. Aber nicht meine jahrelangen Forschungsarbeiten, alles war verloren. Auch mein Job, denn niemand wollte, dass jemals wieder an Paralleluniversen geforscht wurde, die umtriebige Angst vor Seuchen war den Menschen hier tief eingepflanzt worden. All die von Menschen zerstörten Parallelwelten und diese blühende Welt ohne uns, lässt den Schluss zu, dass wir vielleicht den Plan der natürlichen Ordnung störten und somit auszulöschen waren. Die Menschen begannen, sich in sich zurück zuziehen. Sie entdeckten den längst vergessenen Glauben an Allah wieder. Nach und nach entstanden überall Moscheen. Mich behandelten sie mit einer Mischung aus Angst und Respekt. So wurde ich ungewollt in die Politik gedrängt, auf das ich ja nie wieder zu forschen beginne.

20 Jahre später

Die Jahre der Veränderungen waren nicht spurlos an mir vorüber gegangen und da ich ausreichende Mittel angehäuft hatte, um ein ruhiges Rentnerleben zu führen, widmete ich mich nur noch meinen privaten Pflichten.

Ende