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Teil 1

Emma von T_G

Eine Fortsetzung von Umkleideraum

Emma Derek lernte in der High School ein arabisches Mädchen kennen, das gleich am ersten Tag mit ihr scherzte:

"Wer ist hier Arabisch? Deine Haut schimmert dunkler als meine! " lachte Aida.

"Ich habe den Teint von meiner Mutter geerbt."

"Dann ist sie auch Araberin!"

"Sag so etwas nicht zu ihr, dann wird sie sauer auf dich", sagte Emma mit einem Lächeln.

Emma und Aida wurden gute Freunde. Auch Aida hatte wie Emma Spass daran modische Klamotten zu tragen und den Jungs zu gefallen. Sie saßen eines morgens in einem Café. Sie unterhielten sich über die gestrige Party und das bevorstehende Schuljahr, als sich ein schwarz verschleiertes Mädchen sich ihrem Tisch näherte.

"Entschuldigt, bitte! Darf ich mich zu euch setzen? Es gibt keinen freien Tisch mehr und ihr seid eben Araber, ich mich zu euch setzen. Obwohl ich nicht glaube, dass Ihr religiös seid, weil Ihr nicht wie ich einen Schleier tragt. Ich bin fürchterlich durstig. Kannst du mir ein Glas Wasser bestellen, weil ich nur Arabisch spreche?", fragte das verschleierte Mädchen.

"Setz dich hin! Aber ich bin in Wirklichkeit keine Araberin! Ich habe lediglich von meiner Freundin etwas Arabisch gelernt.", sagte Emma.

"Ich bin Araberin, aber ich bin Christ, nicht Muslim." sagte Aida lächelnd. Sie stellten sich einander vor. Der Name des verschleierten Mädchens war Soraya Bassad. Vor ein paar Tagen kamen sie nach London, um Sorayas Bruder an einer angesehenen Schule einzuschreiben. Während ihr Vater und Murat die Schule aufsuchten, war sie ihrer Mutter in das nahe gelegene Fitnessstudio Body Breaker gefolgt und nun wartete sie darauf, dass sie wieder rauskommt. "Ich weiß, meine Mutter trainiert hier jeden Morgen. Sie müsste immer noch da drin sein.", sagte Emma nickend. Als Soraya ihr Wasser trank, schaute sich Emma das verschleierte Mädchen genauer an. Der schwarze Schleier bedeckte sie vollständig, nur zwei kleine ovale Maschen waren vor ihren Augen sichtbar, aber sie waren so dicht, dass man die Augen nicht sehen konnte. An den Händen trug sie schwarze Handschuhe. Ihr dicker Schleier dämpfte ihre Stimme.

"Emma, ich verstehe, warum du so neugierig auf Sorayas Schleier starrst. Als arabisches Mädchen solltest du auch einen tragen!", sagte Aida und lachte.

"Wir haben das schon mehrmals diskutiert. Ich bin kein arabisches Mädchen!", erwiderte Emma.

"Du siehst aber so aus! Meine Haut ist viel heller als deine. Über deine Hautfarbe hat sichauch meinen Vater gewundert. Als ob du auch seine Tochter sein könntest." Sie hörten wie Soraya hinter dem Schleier lachte.

"Nun aber zu dir, Soraya, schwitzt man nicht unter all diesen schwarzen Schleiern? Kannst du überhaupt etwas durch den schwarzen Schleier sehen?", fragte Emma.

"Das ist noch gar nichts! Zuhause ist es wesentlich heißer! Doch ich kann alles sehen. Komm mit zu uns! Ich gebe dir dann einen Schleier, damit du herausfinden kannst, wie es sich anfühlt, sich so zu kleiden.", sagte Soraya. Ein leichter Schauer kroch über Emmas Rücken. Irgendwie hatte sie das Gefühl, sie müsse zumindest den Schleier mal anprobiert haben. Es war als ob der Schleier sie wie ein Magnet anziehen würde.

Teil 2

Anna Derek begann ihren Tag jeden Morgen im Body Breaker Studio. Als sie die Umkleide betrat, erstarrte sie. Eine Frau im schwarzem Schleier saß auf einem Stuhl.

"Hallo Shila! Ich feue mich, dass wir uns nach mehr als 17 Jahren wiedersehen! " sagte sie.

Das darf doch nicht wahr sein! Nach so vielen Jahren hatte sie die Vergangenheit wieder eingeholt. Die echte Anna hat es irgendwie geschaft, zurückzukommen! Ihr schönes, neues Leben drohte zusammen zu brechen. Was sollte sie jetzt nur machen?

"Ich heiße Anna", stammelte sie.

"Komm schon, Shila! Wen versuchst du zum Narren zu halten? Wir sind hier unter uns! Niemand kann uns hören! Fürchte dich nicht so sehr! Wenn ich dir hätte schaden wollen, hätte ich es schon vor langer Zeit tun können. In den ersten Tagen dachte ich, ich würde dich mit meinen Schleiern strangulieren, wenn ich dich in die Hände kriegen würde? Aber das ist alles Vergangenheit, glaub mir!", erklang es hinter dem schwarzen Schleier.

"Was willst du dann von mir? Mich erpressen? willst du Geld? Wie viel?", fragte Anna verzweifelt. Annas Gehirn arbeitete fieberhaft. Wenn es herauskommt, ist alles vorbei! Emma (ihre Tochter) und Tom (ihr Sohn), was werden sie von ihr wohl denken? Edward Derek (ihr Mann) wußte einiges, aber nicht alles. Was wird dann aus meiner Karriere! Möglicherweise komme ich noch ins Gefängnis! Wieviel Geld könnte ich so schnell aufbringen?

"Ich brauche kein Geld! Ich bin so reich! Ich könnte ein großes Haus in London kaufen!", sagte die schwarz verschleierte Frau und lachte. Anscheinend genoss sie die Qualen der anderen. Schließlich stand sie auf, trat auf sie zu und packte Annas Hand mit ihren behandschuhten Händen.

"Komm Anna, ich lade dich auf einen Drink ein! Es wird dir gut tun, auf diesen Schrecken! Ich sehe doch, wie du vor Angst zitterst. Das war wirklich eine große Befriedigung für mich.“

Anna folgte der verschleierten Frau. Nachdem Anna ihren Drink hatte, begann sie sich zu beruhigen. Vielleicht will sie sich nicht an mir rächen. Aber was will sie sonst von mir?

Teil 3

"Schau, da ist meine Mutter!" Soraya und Emma zeigten gleichzeitig auf den Eingang. Anna Derek stand in der Tür und eine verschleierte Frau daneben. Aida beugte sich zu Soraya hinüber und sagte lachend zu ihr:

"Du ähnelst deiner Mutter wie ein Ei dem anderen." Soraya schüttelte lachend ihren verschleierten Kopf. Aida sah auf ihre Uhr, stand auf und sagte:

"Ich muss los, wir treffen uns morgen früh!" Emma nickte dankbar. Die beiden Frauen kamen direkt an den Tisch der Mädchen und setzten sich zu ihnen.

"Ich bin Shila Bassad, Sorayas Mutter. Das ist Anna Derek, die Mutter von Emma.",stellte sich die verschleierte Frau vor. Anna war überrascht. Woher wusste sie, dass der Name ihrer Tochter Emma ist?

"Emma! Wann bist du geboren? Ich weiß, dass du 17 wirst?"

"Ja, in zwei Monaten", sagte Emma erstaunt. Anna bekam es wieder mit der Angst zu tun. Die verschleierte Frau kannte Emma, Anvars Tochter. Sie war im zweiten Monat von ihm schwanger, als sie sich von ihrem ehemaligen Mann scheiden ließ. Was wollte diese Frau von ihr? Will sie ihr Emma wegnehmen?

"Besucht uns! Wir haben ein paar Dinge miteinander zu besprechen! Bring deinen Mann und deinen Sohn mit, Anna! Ich will alle dabei haben! "sagte Shila.

Teil 4

Zum Mittagessen saß Emma mit ihrer Familie im Wohnzimmer der arabischen Familie. Etwas seltsam war es schon, dass die beiden verschleierten Frauen nicht auf den Sesseln an dem niedrigen Tisch saßen, sondern auf Kissen an der Wand, wo sie den Tisch nicht erreichen konnten. Emma dachte zuerst, dass sie nicht genug Stühle hätten, aber dann sah sie, dass zwei zur Seite geschoben worden waren. Sie verstand einfach nicht, warum. Neugierig betrachtete sie das verschleierte Mädchen. Was für ein Leben musste es führen? Sie fühlte sich nicht wohl dabei unverschleiert in einen bequemen Sessel sitzen zu dürfen, während das arabische Mädchen in einen schwarzen Schleier gehüllt, auf einem einfachen Kissen knien musste.

Die beiden Jungen entdeckten bald einige Gemeinsamkeiten. Sie sprachen über nichts anderes als Computerspiele. Murat und Tom schlossen innerhalb von Minuten Freundschaft. Selbst die Haut dieser beiden Jungen war heller als Emmas.

Soraya flüsterte Emma zu: "Wollen wir uns nicht wie die beiden Jungs zusammentun? Meine Mutter sagte, wir seien sogar verwandt.“ Emma sah das verschleierte Mädchen an und zuckte mit den Schultern. Ihre Mutter hatte ihr nie etwas davon erwähnt. Sie fand es schon bemerkenswert, wie schnell die beiden Jungen und auch die beiden Väter  Freundschaften schlossen. Shila wandte sich an das verschleierte Mädchen, weil das ganze Gespräch auf Englisch war und Soraya kein Englisch verstand. Emmas Mutter schien irgendwie Angst vor der verschleierten Frau zu haben.

"Ich glaube, Anna, du erzählst uns allen jetzt besser, was wirklich vor 17 Jahren geschehen ist", sagte Shila.

"Zuerst möchte ich euch sagen, dass mein ursprünglicher Name nicht Anna Goldwin ist. Ich wurde als Shila Kaled geboren und meine Eltern haben mich mit Anvar Bassad verheiratet."

Anna zeigte auf den Araber. "Diese Ehe war gescheitert, aber wir konnten uns wegen Anvars Vater nicht scheiden lassen.Es war meine Idee, jemanden zu finden, der mich ersetzen konnte, damit sein Vater von unserer Scheidung nichts mitkriegt. Saudi-arabische Familien waren natürlich sofort von der Wahl ausgeschlossen. Alles musste streng geplant werden. Ich reiste hierher und im Sportklub begegnete mir Anna. Sie war mir zum Verwechseln ähnlich. Ab da übernahm Anvar alles. Er hatte unsere Kleidung in ihrer Umkleidekabine ausgetauscht. Als sie neugierig meine Schleier anprobiert hatte, betäubte ich sie mit einem speziellen Spray und so wurde sie zu Shila Bassad und ich war nun Anna Goldwin. Anvar nahm sie mit nach Saudi-Arabien.",sagte Anna.

"Anfangs war es wirklich schlimm, wie konntest du nur so grausam zu mir gewesen sein! Ich habe dich dafür so sehr gehasst! Es dauerte Monate, bis ich mich dann etwas eingewöhnt hatte und mich etwas daran gewöhnt hatte, immer einen Schleier tragen zu müssen. Anvar war immer nett zu mir, wenn auch streng. Dann wurde Soraya geboren und zwei Jahre später Murat. Heute kann ich mir ein anderes Leben nicht mehr vorstellen.", sagte die verschleierte Frau.

"Als ich für meinen Sohn eine gute europäische Schule suchte, traf ich zufällig auf einen Mann, der seinen Sohn in der gleichen guten Schule wie ich unterbringen wollte. Und da stellte sich heraus, dass der Name seiner Frau Anna Goldwin war und sie eine Tochter hatte, die von Annas ehemaligem Mann, also mir, kam.", sagte Anvar.

Anna wollte sich entschuldigen, doch die verschleierte Frau kam zu ihr, streckte ihr ihre Hand entgegen und sagte:

"Heute bin ich nicht mehr wütend auf dich, Anna. Ich bin jetzt Shila Bassad. Ich habe mich schon lange zu dieser Lebensweise bekannt. Ich habe einen guten Mann, eine schöne Tochter und einen klugen Sohn. Was könnte ich noch sonst verlangen? "

Nun sprach auch Annas Mann: "Ich wusste schon eine Menge, teils von meiner Frau, teils von Anvar, seit ich ihn kennengelernt hatte. Ich will mich nicht beklagen, alles ist gut."

"Danke Edward! Du warst schon immer ein sehr verständnisvoller und guter Ehemann!“ sagte Anna.

"Also dann bin ich tatsächlich ein arabisches Mädchen?", fragte Emma schockiert.

"Ja! Du und Soraya seid Halbschwestern. Und weil du meine leibliche Tochter bist, solltest du auch wie deine Schwester einen Schleier tragen! Ich wünsche mir, dass meine beiden Töchter gleich aussehen!", sagte Anvar.

Emma sah ihren Vater an, aber Edward Derek sagte nur:

"Anvar Bassad ist dein wahrer Vater! Wenn er dich darum bittet, tu es für ihn! Zumindest solange wir noch hier sind."

"Komm mit mir und ich helfe dir, dich umzuziehen", sagte Soraya glücklich. Mit ihrer behandschuhten Hand packte sie Emmas Hand und führte sie in ihr Zimmer. Dort zog sie das Mädchen aus und begann, sie neu anzukleiden. Sie gab ihr schwarze Unterwäsche, Strümpfe, Schuhe, eine schwarze bodenlange Abaya, einen Hijab. Dann kamen die Schleier, zuerst der Niqab, dann die Burka mit den beiden kleinen ovalen Maschen vor den Augen. Zum Schluss zog sie Emma noch ein Paar schwarze Handschuhe über ihre Hände. Obwohl Emma ein Jahr älter war als Soraya, passte die Kleidung.

"Du siehst toll aus als, meine liebe Schwester! Unser Vater wird froh sein, dich in deinen neuen Schleiern zu sehen. Nun bist du genauso sittsam gekleidet wie ich!", sagte Soraya. Bald darauf kehrten die beiden schwarz verschleierten Mädchen ins Wohnzimmer zurück.

"So bist du endlich korrekt gekleidet! Nun brauchst du nicht mehr stundenlang in den Spiegel zu schauen, du siehst nun eh nichts mehr von dir! Ich weiß nicht einmal, welche von euch beiden meine Schwester ist.", sagte Tom und lachte.

"Lass dich nicht von deinem Bruder verspotten! Du siehst aus wie ein anständiges muslimisches Mädchen! Nur dein Name ist nicht richtig. Emina klingt viel besser!", sagte Shila.

"Aber ich bin kein muslimisches Mädchen!" Emma schüttelte den verschleierten Kopf.

"Ich kenne keine Emma! Dein Vater ist ein Muslim, deine Mutter ist eine Muslimah, genau wie du!", sagte Anvar.

"Und wie gefällt es dir in den Schleiern? Siehst du etwas dadurch?"

"Ich kann kaum etwas sehen. Es ist schwer und heiß darunter. Alle Geräusche sind auch viel dumpfer, weil das Gewebe so dicht ist. Ich hoffe, ich komme bald wieder raus aus diesen Klamotten!“ Emmas Klagen kamen hinter den schwarzen Schleiern hervor, aber nur die Hälfte von dem, was sie sagte, meinte sie auch. So unangenehm es in diesem schwarzen Kleid und dem Schleier war und alles was sie sah, wurde in einen grauen Nebel getaucht, aber trotzallem fühlte sie sich überraschend wohl darin. Es war, wie von einer dicken Rüstung beschützt zu sein. Sie war scheinbar unverwundbar geworden. 

Teil 5

Emma kniete nun in ihren schwarzen Schleiern neben Soraya auf einem Kissen. Sie konnte die anderen nur noch Grau in Grau sehen und sie lauschte den nun gedämpften Stimmen. Plötzlich wurde sie von Soraya in die Seite gestoßen.

"Hast du nicht gehört, was Mutter dir gerade gesagt hat? Komm mit mir, wir bringen unseren Gästen ein paar Kuchen und Speisen! ", flüsterte Soraya. Sie gingen in die Küche und Soraya nahm Kuchen aus dem Schrank.

"Leg ihn auf das Tablett. Dann nehme ich die Getränke und die Gläser." sagte Soraya und überreichte ihr eine große runde Silberplatte. Als Emma so weit war, war auch Soraya fertig.

"Knie am Tisch nieder und leg das Tablett darauf. Dann geh zurück in die Küche!", sagte Soraya.

"Aber ich habe auch Hunger und Durst! Und ich bin etwa kein Gast?" fragte Emma.

"Nein! Du gehörst jetzt zur Familie wie deine Schwester. Wir essen in der Küche, nicht zusammen mit den Gästen! Los, ab mit dir in die Küche!" befahl ihr Soraya. Emma tat, was Soraya sagte. Als sie in die Küche zurückkehrten, schloss sich Shila ihnen an.

"Du wirst sehr schnell lernen, was es bedeutet, wie meine Tochter zu leben! Dein Vater war sehr zufrieden mit deinem Dienst. Und jetzt wollen wir essen! Du musst hungrig und durstig sein.", sagte Shila und streichelte über Emmas Schleier.

Emma war seltsam stolz auf sich. Sie freute sich, dass ihr richtiger Vater mit ihr zufrieden war. Sie setzten sich an den Tisch und Emma wollte den Schleier zum Abendessen abnehmen.

"Hey, was machst du da? Du kannst den Schleier nicht abnehmen! Sieh hin, wie deine Schwester isst!", sagte Shila. Emma errötete hinter dem Schleier. Sie schämte sich, sich nicht richtig verhalten zu haben. Aber sie wollte es lernen! 

"Doch wollte sie nicht studieren? Bliebe sie bei dieser Familie, würde sie bald hinter Schleiern verschwunden sein oder bliebe für immer im Haus eingesperrt. Welches war jetzt ihr Land? Wo war ihr Zuhause? Wo gehörte sie eigentlich hin? Wer waren ihre richtigen Eltern? Und zu welcher Kultur gehört sie nun überhaupt?", schoß es Emma durch den Kopf.

Soraya lockerte die Burka und hob den Rand an, um dann ihren Niqab etwas zur Seite zu schieben. Emma folgte ihren Anweisungen.

"Siehst du meine Tochter! Ein weiterer Hinweis,dass du eine echte Muslimah bist! Du bist in Wahrheit Emina! Wie immer hatte mein Mann recht.",sagte Shila. Emma aß mit gemischten Gefühlen. Einerseits gefiel ihr Shilas Lob und dass ihr Vater mit ihr zufrieden wahr, aber andererseits konnte sich nicht vorstellen eine Muslimah zu werden? Sie hatte keine religiöse Erziehung genossen. Sie wusste ja nicht einmal, dass sie ein Arabermädchen war. Auch wenn ihre Freundin sie immer das arabische Mädchen genannt hatte.

Als sie zurück ins Wohnzimmer gingen,kniete sie sich wieder auf ein Kissen neben Soraya. Murat blickte zufrieden auf die schwarzen Schleier. Es war seine Idee, Emmas Sessel durch ein Kissen zu ersetzen. Nun, da er eine weitere Schwester hatte, war es für ihn selbstverständlich, sie neben seiner Mutter und Soraya zu setzen. Er respektierte seine Mutter, aber er mochte es, seiner Schwester befehlen zu können. Er hoffte, dass die neue Verwandte bei ihnen einziehen würde. Zwei Schwestern = zwei verschleierte Mädchen, die ihm gehorchen müssten.

Teil 6

Anna beobachtete die drei identischen schwarzen Schleier. Eine davon war Ihre Tochter. Sie war nie religiös gewesen. Seit ihrer Scheidung war sie nie in in einer Moschee gewesen. Als sie wieder heiratete und wurde sie Christin. Sie sprach sie nie wieder arabisch, auch nicht mit ihren Kindern. Trotzdem hatte ihre Tochter arabisch zu sprechen gelernt und jetzt saß sie hier und wurde von Shila und Soraya wie eine streng religiöse Muslimah behandelt. Das arabische Blut ihres Vaters steckte in ihr.

Tom sah seine verhüllte Schwester lächelnd an. Murat beugte sich vor und flüsterte ihm ins Ohr: "Du darfst ihr jetzt befehlen. Ein muslimisches Mädchen muss den Anweisungen des Bruders immer folgen. Es spielt keine Rolle, ob du  jünger ist.“

"Du Murat! Möchtest du nicht mit zu uns kommen? Ich zeige dir meine Spielsammlung. Wir passen doch gut zusammen!", flüsterte Tom.

"Warum nicht? Mein Vater kann keine PC-Spiele! Dann soll deine Schwester, die sich auch als meine Schwester herausgestellt hat, hier bleiben und für mich beten!", Murat lachte leise.

"Du hast Recht! Das ist eine tolle Idee! Ich werde meinem Vater fragen, und du deinen.",Tom lächelte. Tom beugte sich zu seinem Vater hinüber und sagte: 

"Dad! Wie wäre es, wenn Murat ein oder zwei Tage bei uns bleiben kann? Wir haben uns befreundet und haben viel zu bereden!  Emma kann dafür ja bei ihrem Vater bleiben."

"Was wird deine Schwester dazu sagen? Glaubst du etwa, sie hätte Spass daran tagelang in einem Schleier zu stecken?", fragte Edward.

"Egal. Sie kann es von mir aus bis zu ihrem Tod darin stecken.", dachte Tom, aber er sagte nur:

"Sie braucht ein Wiedersehen mit ihrem Vater." Nachdem Murat seinem Vater den gleichen Vorschlag gemacht hatte, einigten sich die beiden Männer im Gegenzug darauf. Anna wollte protestieren, aber Edward sagte:

"Oh, mein Herz! Es sind nur ein oder zwei Tage! Vielleicht wird Emma es dir noch danken, ihren richtigen Vater kennengelernt zu haben.“

Shila stand auf, verbeugte sich und sagte:

"Es wird fantastisch werden! Emina lernt das Leben eines religiösen muslimischen Mädchens kennen! Ich bin sicher, es wird ihr gefallen!" Emma wollte protestieren, aber Soraya hielt sie energisch davon ab.

"Bleib hier bei mir, Schwester! Glaub mir, du wirst dich sehr wohl fühlen! Wir werden zusammen beten, den Koran lesen und die Hausarbeiten erledigen.“

"Du bist meine Tochter! Ich will, dass du in meiner Nähe bleibst!", sagte Anvar.

"Aber dann muss ich den ganzen Tag in einem Schleier herumlaufen? Ich glaube nicht, dass mir das sonderlich gefällt.", Emma schüttelte nur noch entsetzt ihren verschleierten Kopf.

"Natürlich musst du immer einen Schleier tragen und lernen, wie eine normale Muslimah zu beten! So habe ich mich entschieden! Diskussion beendet! " sagte Anvar.

"So soll es geschehen, mein Herr!" Shila verbeugte sich tief vor ihm.

"So muss es sein, Vater!" Soraya verbeugte sich ebenfalls tief vor ihm und zog Emma an ihre Seite.

"Also gut, Vater!" und auch Emma musste sich verbeugen.

"Ich denke, wir vier werden uns prima verstehen!",sagte Anvar und lächelte stolz und glücklich seiner wiedergefundenen Tochter zu .

Nachdem Anna, Edward und die Jungs weg waren, sagte Anvar: "Es ist Zeit für das Nachmittagsgebet Emina! Deine Schwester wird dir zeigen, was du tun und was du sagen musst. Und deine Mutter bringt uns schon mal die Gebetsteppiche. Und ich möchte, dass du ab jetzt nur noch arabisch sprichst!“

Teil 7

Emma hatte noch nie in ihrem Leben muslimisch gebetet. Soraya zeigte ihr, wie es geht. Shila legte die Gebetsteppiche aus und das Gebet begann.

"Es war zwar befremdlich für sie, aber wenn ihr Vater darauf bestand, wollte sie es eben tun. Der Vater hatte recht, wenn er verlangte, dass beide Töchter gleich behandelt werden müssen. So war es auch für sie besser zu ertragen. Nur was ist, wenn das alles länger als geplant dauert? Was wäre, wenn ihr Vater darauf bestehen würde, dass sie für immer so wie Soraya leben sollte? Vielleicht musste sie ja für den Rest ihres Lebens dann einen Schleier tragen? Und wenn er sie nach Saudi-Arabien mitnehmen wollte? War es dann auch ihre Pflicht ihm zu gehorchen?", dachte Emma voller Sorgen.

"Du warst eine gute Tochter! Als ob du schon seit Jahren so betest! Natürlich gehört sich das ja auch für ein richtiges muslimisch - arabisches Mädchen. Geh jetzt mit deiner Schwester in die Küche und bereite das Abendessen vor! Ich habe mit deiner Mutter etwas zu besprechen.", sagte er. Als die beiden verschleierten Mädchen hinausgingen, sagte Anvar zu seiner Frau:

"Ich möchte, dass Emina mit uns nach Saudi-Arabien kommt. Sie ist meine Tochter! Ich habe ein Recht auf meine Tochter!"

"Wenn du willst, dass deine Tochter glücklich wird, müssen wir ihr neues Leben langsam ändern! Du willst bestimmt nicht, dass deine Tochter so unglücklich ist, wie ich es in den ersten Monaten war? Wir müssen uns darum bemühen, dass sie unseren Lebensstil freiwillig  übernimmt! Dabei kann uns Soraya helfen! Und wir alle werden sie immer wieder für ihr gutes Verhalten loben! Es schien ihr richtig gut zu tun, von dir gelobt zu werden.", sagte sie.

"In Ordnung! Lass es uns klug angehen! Ich möchte meine Tochter mit nach Hause nehmen. Ich möchte, dass sie wirklich Emina Bassad wird, aber ich will mich lieber ein wenig gedulden, damit sie nicht traurig sein muss und weint." sagte Anvar. Die beiden verschleierten Mädchen brachten das Abendessen und Anvar aß zuerst.

"Danke, Mädels, das war köstlich! Das war sehr gut! " sagte der Mann. Soraya fiel auf die Knie, ihre verschleierte Stirn berührte den Boden und sagte:

"Danke Papa! Ich bin froh, das es dir geschmeckt hat. " Anvar sah Emma an und das verschleierte Mädchen verstand, was ihr Vater von ihr erwartete. Warum sollte sie es nicht vor ihren Vater knien, der sie doch gerade so sehr gelobt hatte? Dann aßen auch die Frauen zu Abend. Das arabische Essen, das sie mit ihrer Schwester zubereitet hatte, war wirklich köstlich. Emma hatte ja bereits im Schleier zu essen geübt. Wieder lobte Shila sie. Emma gefiel es bei den Bassads immer mehr. Sie hatte schon fast vergessen, dass sie verschleiert war. Dann räumten sie auf und Shila brachte den Koran. Emma und Soraya setzten sich auf die Kissen und hörten zu, wie Shila ihnen vorlas. 

Vor dem letzten Gebet nahm Emma ein Bad. Endlich durfte sie ihre Schleier und schwarzen Kleider ausziehen. Sie wünschte sich, dass sie sich bis zum Morgen in dem warmen, duftenden Wasser liegen bleiben könnte.

"Soraya! Was hältst du von deiner neuen Schwester? "fragte Shila leise.

"Emina ist ein gutes Mädchen! Ich würde gerne mit ihr nach Hause fahren.", flüsterte Soraya zurück.

"Das hat dein Vater auch so geplant, aber du musst ihm helfen!"

"Ich helfe gerne."

"Gut! Es wird nicht leicht sein und wird wahrscheinlich einige Zeit in Anspruch nehmen. Versuche, ihr zu gefallen, lobe sie, wenn sie etwas Gutes tut, und hilf ihr, unsere Lebensweise so schnell wie möglich zu akzeptieren! “

"Sie soll eure Tochter werden!", stimmte das verschleierte Mädchen ihr zu und nickte.

"Emina! Hör auf zu planschen! Deine Schwester und ich müssen auch noch baden! Und bald ist die Zeit des letzten Gebets! Soraya bringt dir schon mal deine Schlafsachen.", sagte Shila jetzt laut. Emma trocknete sich ab und öffnete die Tür. Das verschleierte Mädchen stand bereits mit den schwarzen Kleidern für sie bereit. Es half ihr beim Anziehen. Als sie sich angezogen war, trug sie fast den gleichen Schleier wie schon den ganzen Tag, nur aus einem dünneren, feineren Material.

"Ich dachte, du bringst mir ein Nachthemd mit!" fragte Emma.

"Ich habe es dir gebracht! Das ist deine Nachtwäsche! Du wirst darin gut schlafen! Keine Angst, du wirst dich schon bald daran gewöhnen!“

"Man kann nicht im Schleier schlafen! Es ist darin zu warm und unangenehm! "

"Woher weißt du das? Hast du schon mal darin geschlafen? Nein, nicht wahr! Du wirst damit keine Probleme haben! " sagte Soraya und vertrieb Emma aus dem Badezimmer. Nach dem Abendgebet gingen sie schlafen.

"Wo kann ich schlafen?" fragte Emma.

"Du schläfst mit mir in meinem Zimmer, liebe Schwester, weil es kein Gästezimmer gibt und wir Murats Zimmer nicht ohne seine Erlaubnis betreten dürfen."

Teil 8

Emma hatte tatsächlich sehr gut geschlafen. Erstaunlicherweise hatte sie der Schleier überhaupt nicht gestört. Als sie zum Morgengebet geweckt wurde, hatte sie tief und fest geschlafen. Sie half ihrer Schwester bei der  Zubereitung des Frühstücks. Sie frühstückten erst, nachdem ihr Vater gefrühstückt hatte.

"Ich nehme ein Bad, hole meine Sachen und gehe. Meine Freundin wartet auf mich! " sagte Emma.

"Natürlich, nimm ruhig ein Bad! Deine Schwester wird dir dabei helfen, deine Kleidung und deinen Schleier anzulegen.",sagte Shila.

"Soraya soll dich begleiten. Ein muslimisches Mädchen geht nicht allein aus! Nicht einmal mit dem Schleier!", sagte Anvar.

"Aber ich will nicht in einem Schleier herumlaufen, ich will meine eigenen Kleider tragen", konterte Emma.

"Nun, der Schleier ist dein Kleid! Wir haben uns doch darauf geeinigt, dass du ihn trägst, so lange du bei uns bist! Ich will keine Widerworte mehr hören!", sagte ihr Vater streng.

Emma nickte. Natürlich, wenn ihr Vater es möchte. Sie fühlte, wie die Fäden zu ihrer neuen Familie immer fester wurden und dass sie ihrem Vater nicht nur gehorchen musste, sie wollte es auch. Natürlich war es fremd für sie in einem Schleier herumzulaufen, oder? Aber es gab ja noch eine Schwester, die sie begleitete. Wie seltsam sähe es aus, wenn eine der Schwestern einen Schleier tragen würde und die andere nicht. Emma und Soraya gingen zum Café hinauf.

"Wenn Aida mich in diesem schwarzen Schleier sieht, wird sie mich auslachen", sagte Emma.

"Warum sollte sie dich auslachen? Du bist ein muslimisch-arabisches Mädchen. Es ist ganz normal, einen Schleier zu tragen! Und glaub mir, Schwester, du bist hübsch!", sagte Soraya und drückte Emmas behandschuhte Hand. Aida wartete schon im Café. Die beiden verschleierten Mädchen gingen zu ihr.

"Hei! Setz euch doch! Fragt nicht! Heute bezahle ich.", sagte Aida auf Arabisch und lächelte.

"Lachst du vielleicht über mich? Überrascht es dich das nicht, dass ich verschleiert bin?" fragte Emma ein wenig verärgert.

"Ich weiß nicht. Ich hatte versucht, dich anzurufen, aber dein Vater war rangegangen. Er hat mir alles erzählt. Ich muss dir sagen Emina, dass dir dein neues Kleid richtig gut steht! Es passtzu dir! "

"Mach dich nicht lustig über mich! Wenn du glaubst, dass es schön ist, einen Schleier zu tragen, leihe ich dir gerne meinen! “

"Vergiss es! Du bist das muslimische Mädchen, nicht ich! Und ich mache mich nicht über dich lustig. Wenn dein Vater will, dass du einen Schleier trägst, musst du ihn tragen! Wie auch immer, es ist nur gut für dich!"

"Du bist meine Schwester! Mein Vater ist auch dein Vater! Du musst tun, was von dir verlangt wird! Du kannst nicht von ihm erwarten, dass er dich anders behandelt als mich! Es ist okay, dass du keine ordentliche Erziehung von deiner Mutter bekommen hast! Aber ich werde dir helfen! Wir holen das alles nach!", sagte Soraya und streichelte über Emmas Handschuhhand.

"Achte nur darauf, dass du keine fromme, gehorsame Hausfrau wirst!", sagte Aida mit einem Lächeln.

"Es gibt nichts, was zu religiös wäre! Eine tief religiöse und gehorsame Ehefrau, die das Haus gut pflegt und ihre Kinder erzieht, das ist die ideale muslimische Frau! " sagte Soraya.

Aida beobachtete, wie die beiden verschleierten Mädchen tranken und den von ihnen bestellten Kuchen aßen. Sie waren nur durch ihre Stimmen zu unterscheiden.

"Sie ist ein richtiges muslimisches Mädchen. Natürlich hatte sie es ihr gegenüber nie erwähnt.", dachte Aida.

Emma war froh, dass sie ihre Freundin treffen durfte. Sie verzieh ihr auch ein wenig ihren Spott. Der Schleier störte sie nicht mehr so sehr. Sie überlegte, was ihre Schwester gesagt hatte. Eine fromme, gehorsame Ehefrau? Sollte das ihr Schicksal sein?

Am nächsten Tag ging Shila mit den beiden Mädchen shoppen. Emma ergriff Sorayas Handschuhhand und folgte Shila. Zu ihrer Überraschung war ihr erstes Ziel ein muslimisches Bekleidungsgeschäft. Shila kaufte einen Haufen schwarzer Kleidung, Schuhe und Schleier.

"Ich habe sie für dich gekauft. Du trägst Sorayas Kleidung und die braucht sie selber.", sagt sie.

"Aber warum? Ich kann doch meine eigenen Kleider mitbringen!", sagte Emma.

"Du kannst sie verschenken. Vielleicht freut sich Aida über sie. Du wirst sie nie wieder tragen. Papa will, dass du für immer einen Schleier trägst! " sagte Soraya.

"Die Schule fängt bald an! Ich kann dort nicht stundenlang in einem Schleier herumlaufen! ", protestierte Emma.

"Aber ja! Dein Vater hat die notwendigen Genehmigungen schon eingeholt.", sagte Shila. "Als muslimische Schülerin trägst du zu Recht die Kleidung, die deine Religion von dir verlangt", sagte Soraya.

Teil 9

Emma lebte seit mehr als einer Woche nun schon im schwarzen Schleier und hatte sich daran gewöhnt. Ihr Vater, Shila und Soraya, waren immer sehr nett zu ihr und lobten sie immer für ihre Schicklichkeit.

Emma aß mit ihrer Mutter, ihrer Schwester und der Frau ihres Vaters zu Mittag. Anvar, Edward und die beiden Jungs waren natürlich auch da. Emma und Soraya hatten das Mittagessen zubereitet. Anna beobachtete ihre Tochter, Soraya und Shila beim Essen. Früher aß auch sie so im Schleier. Sie konnte sich nicht mehr vorstellen, heute in einer so strengen Umgebung zu leben. Ihre Tochter tat ihr etwas leid, aber es gab nichts, was sie hätte tun können. Ihr Ex-Mann bestand darauf, dass Emma so lebte. Und er war Emmas Vater. Er hatte das Recht, seiner Tochter zu sagen, wie sie zu leben hatte.

Sie konnte froh sein, dass sie Emma wieder zu sich mitnehmen durfte. Nach dem Mittagessen lobte Anvar die Mädchen für das leckere Mittagessen und sagte:

"Ich überlasse dir meine Tochter, Anna, aber Emina darf nirgendwo ohne Schleier hingehen! Beachtet alle religiösen Vorschriften. Betet und liest im Koran! Anna, du hast die Verantwortung, dass sie alles so macht! Wenn sie nicht gehorcht, bringe ich sie nach Saudi-Arabien! Du musst gehorchen, meine Tochter, auch wenn ich nicht da bin! “

Emma hatte es verstanden. Anvar war ihr Vater und ein gutes muslimisches Mädchen folgte immer den Anweisungen ihres Vaters. Und Soraya sagte ihr, sie habe die Pflicht, ihrem Vater zu gehorchen! Wenn ihr Vater das will, dann musste sie es tun, weil sie nichts anderes tun durfte. Und obwohl ihr Vater streng war, konnte er ein guter Mann sein, weil er sie immer für ihren Gehorsam lobte.

Und so trat das erste Problem bereits im Auto auf.

"Emina darf nicht neben mir sitzen!" sagte Tom.

"Wo soll ich dann sitzen?" fragte das verschleierte Mädchen. Tom öffnete die Kofferraumklappe.

"Hier! Wir packen deine Sachen nach vorne.“

"Das ist nicht dein Ernst?" Emma war geschockt.

"Ich denke das ist sehr wichtig für dich, denn mein Vater ist ein Fremder für dich. Du darfst nicht ungeschützt in seiner Nähe sein! Also klettere endlich da rein!" Zum erstenmal befahl ihr jüngerer Bruder ihr, denn er war wenn ihr leiblicher Vater nicht da war, ihr Vormund, dem sie gehorchen musste.Tom wußte das sehr genau und grinste hämisch.

"Ich fürchte, dein Bruder hat damit völlig recht! Du darfst nicht im Auto eines fremden Mannes sitzen! Denn mein Mann ist nicht mit dir verwandt! "sagte Anna.

"Aber ich passe nicht in dieses kleine Loch! Ich hab Angst. Ich zittere!" Emma schüttelte ihren verschleierten Kopf.

"Nein Emina, reiß dich zusammen und tue, as ich dir sage! Die Fahrt dauert schließlich nur ein paar Minuten." ermahnte sie Tom. Anna half Emma, sich in den engen Kofferraum zu quetschen. Sie korrigierte ihren Kopf und schloss sanft die Klappe. Emma fühlte in der Dunkelheit die geringste Unebenheiten der Straße. Zum Glück dauerte es nur wenige Minuten, bis der Kofferraum wieder geöffnet wurde. Endlich frische und klare Luft! Das verschleierte Mädchen hatte bereits Angst vor dem Erstricken gehabt.

"Hier ist niemand, nur ein Haufen schwarzer Klamotten sind hier", sagte Tom lachend.

"Sei nicht dumm, helf mir", sagte das verschleierte Mädchen und streckte ihre Handschuhhand aus.

"Wie redest du mit deinem Bruder? Zeige mir mehr Respekt! Und ich bin nicht dein Mann, nur der muss dir helfen! "

"Dein Bruder hat Recht! Ein muslimisches Mädchen darf so nicht mit einem männlichen Verwandten sprechen! So etwas darfst du zu keinem Mann sagen!", sagte Anna und half ihrer Tochter aus dem Auto.

"Aber Mama! Du bist auch ein Muslimah! Dennoch trägst du keinen Schleier und benimmst dich nicht wie eine! Ich habe dich noch nie beten sehen!"

"Habe ich jemals respektlos mit deinem Vater oder meinem Sohn gesprochen?"

"Nein, aber warum kleidest du dich wie eine Christin?"

"Weil ich bereits eine bin. Mein Platz wurde von Shila eingenommen, obwohl nicht freiwillig. Ich meine, wie sie sich jetzt nennt. Sie wurde eine verschleierte muslimische Frau und ich wurde eine Christin. “

"Aber wenn du keine Muslimah bist, wie kann ich dann eine sein?"

"Als ich dich empfing, war ich eine Muslimah. Als ich mit dir schwanger war, war ich immer noch eine Muslimah und Anvar war noch mein Ehemann."

Teil 10

Am nächsten Morgen gingen Anna und Edward zur Arbeit. Emma, die bereits gebetet  (unter Annas Aufsicht) und gefrühstückt hatte, war gerade dabei, die Küche in Ordnung zu bringen. Tom war aufgewacht, kam herein und befahl:

"Mach mein Frühstück, Emina! Schinken, Eier, Tee. Aber beeil dich, ich habe Hunger! “ Emma hatte vor, sich zu weigern, aber konnte es dann doch nicht. Shila und Soraya hatten ihr gesagt, dass sie den männlichen  Familienmitgliedern immer gehorchen müsse. Selbst ihrem dummen Bruder. Edward war für sie noch ein anderes Problem. Laut Shila kann er Emma zwar befehlen, aber weil er kein Muslim ist und nicht ihr richtiger Vater, darf sie sich nie allein in seiner Nähe aufhalten. Tom machte das Frühstück, aber er dankte ihr nicht. Er gab nur eine weitere Anweisungen:

"Emina räum die Wohnung auf, denn Murat kommt gleich vorbei und ich will dann keine Unordnung mehr sehen! Wenn ich dir befehle, hast du nicht zu gezögern! Es ist deine Pflicht mir zu gehorchen! Ich werde dich nicht noch mal ermahnen! Wenn du nicht gehorchst, kann dich Anvar mitnehmen!", sagte er und grinste böse.

Emma verbeugte sich tief vor ihrem Bruder, bis sie mit ihrer Stirn den Boden berührte und sagte:

"Als muslimisches Mädchen ist jetzt alles anders anders für mich! Ich muss ich immer den Befehlen der Männer gehorchen!“

Schon bald kam Murat mit Soraya in seiner Begleitung.

"Beeilt euch, Mädels, und kocht uns ein leckeres Mittagessen!" befahl Murat. Soraya verbeugte sich unterwürfig und Emma folgte zwangsläufig ihrem Beispiel. Nach den Jungen aßen sie dann auch, danach wuschen ab und putzen die küche.

"Und jetzt wird gebetet, Mädchen, und danach gehen wir einkaufen", sagte Tom. Emma wollte in ihr Zimmer gehen, aber ihr Bruder stellte sich vor sie.

"Von nun an ist dies mein Zimmer und du darfst es ohne meine Erlaubnis nicht mehr betreten! Ich brauchte ein viel größeres Zimmer, jetzt ist es meine Bude. Und du bekommst mein altes erst mal. Ich sage dir, wann du mein neues Zimmer aufräumen musst! Nur dann darfst du hinein!"

Das verschleierte Mädchen protestierte: "Aber ich kann dann nicht mehr auf meine Kleider und andere Dinge zugreifen."

"Kleidung und Kosmetik brauchst du nicht mehr! Wir haben alles in den Keller gebracht. Und passende schwarze Kleider und Schleier sind in deinem neuen Zimmer. Jetzt hast du dort ausreichend Platz für deine Gebetsmatte."  erklärte ihr Murat und lachte. Emma war nicht glücklich über diese Veränderungen. Außerdem behandelten die beiden Jungen sie mit großer Strenge. Wie viel besser war es doch bei ihrem Vater, der sie immer für alles lobte! Sie sollte besser zu ihm zurückkehren!

Die beiden verschleierten Mädchen mussten den Jungen in ihren weiten Kleidern hinterher rennen. Zu Emmas Überraschung gingen sie in einen Computerladen, wo die Jungs sich Spiele abholten. Dann sagte Tom:

"Bezahle Emina und gehe dann nach Hause!"

"Aber wir haben noch kein Essen eingekauft!"

"Dann kauft, was ihr braucht! Wir haben jetzt keine Zeit für euch!" Die beiden Jungen ließen sie allein und gingen weg.

"Wir machen die ganze Arbeit, sie haben nur Spaß!" sagte Emma verärgert.

"Es ist ganz normal, weil wir Frauen sind. Im Gegenzug können wir zu Hause bleiben und müssen nicht arbeiten. Der Mann muss die Frauen und Kinder immer versorgen.", sagte Soraya.

Teil 11

Emmas Leben wurde immer schwieriger. Sie hatte sich zwar an den Schleier gewöhnt, aber Tom verletzte sie ständig und schikanierte sie. Sie las zweimal täglich im Koran. In diesem Fall und auch während ihrer Gebete nahm Tom nie Rücksicht darauf.

Freitags holte ihr Vater sie ab. Dann konnte sie sich von den Schikanen ihres Bruders etwas erholen. Er half ihr so gut er konnte, und sie hörte seinem Lob immer dankbarer zu. Gemeinsam gingen sie in eine Moschee und beteten dort. Mittlerweile bedauerte sie es, wenn sie am Sonntag zurückkehren musste, um wieder Toms Befehlen zu folgen.

Dann fing die Schule an. Murat und Tom schikanierten das verschleierte Mädchen vor ihren Mitschülerinnen. In den ersten Tagen lachten einige von ihnen über Emma in ihrer Burka, aber die meisten von ihnen interessierten sich dafür, wie sie sich fühlte und wie sie als echte Muslimin lebte. Später gewöhnten sie sich an das schwarz verschleierte Mädchen. Jetzt nannten sie alle Emina. Emina Bassad war auch im Klassenbuch eingetragen. Auch sie hielt sich selbst dafür. Ihr Vater nahm sie während der Winterferien mit in seine Heimat. In ihrem neuen Pass hieß sie auch Emina Bassad. Emina erfuhr, wie es ist, wenn die Sonne auf den schwarzen Schleier brennt. Außerhalb des Hauses war die Hitze überwältigend, aber im Inneren war es immer klimatisiert. Zum Glück verließen sie nur selten das Haus. Wenn doch, taten sie es morgens oder am späten Nachmittag. Immer in Begleitung ihres Vaters und bestrebt, vor Einbruch der Dunkelheit nach Hause zu kommen, weil sie einen Schleier trug und einheimische Frauen abends nicht draußen sein durften. Diejenigen, die nicht rechtzeitig nach Hause kamen, verbrachten die Nacht im Gefängnis. Sie wurde von Shila wie eine Tochter behandelt, und Soraya benahm sich in der Tat wie ihre Schwester.

Die beiden verschleierten Mädchen besuchten eine Koranschule, wo sie Religionsunterricht erhielten und man ihnen beibrachte, wie man eine gute Ehefrau wird. Anvar stellte sie auch mehreren arabischen Familien vor. Emina hatte keine Ahnung, aber der eigentliche Grund dafür war, einen geeigneten Ehemann für sie zu finden. Emina war traurig als die Ferien zu Ende waren und sie zurückkehren musste.

Schon nach wenigen Tagen vermisste sie ihren Vater und ihre Schwester sehr. Als die Schulzeit endete, beobachtete das verschleierte Mädchen, wie ihre Mutter weinte.

"Was ist los mit dir, Mama? Ich habe doch mit guten Noten abgeschnitten! “

"Du musst jetzt bei deinem Vater und seiner Familie leben! Sie nehmen dich mit nach Saudi-Arabien, und ich werde dich nie wieder sehen.", sagte Anna und umarmte ihre verschleierte Tochter.

"Wir werden uns sicher wieder sehen und Dad wird sich gut um mich kümmern. Er ist ein sehr guter Vater. Er versprach mir, einen guten Ehemann für mich zu finden. "sagte Emina.

Anvar und ihre Familie trafen ein. Nach einem kurzen Gespräch packte Emina ihre Sachen und verließ sie. Anna winkte ihr zu. Sie sah noch einen schwarzen Handschuh an der Autoscheibe. Auch Eward und Tom bedauerten, dass Emina weg war. Edward bedauerte, dass seine Tochter erwachsen wurde, und Tom sagte, er könne ihr jetzt nichts mehr befehlen.

In Saudi-Arabien angekommen, packten Emina und Soraya Emina's Kleider in den Kleiderschrank. Am nächsten Tag empfingen sie Gäste. Es kam eine arabische Familie zu Besuch. Vater, Mutter und ihr 24-jähriger Sohn. Die Mutter war selbstverständlich ebenfalls verschleiert. Die beiden Väter und der Junge gingen ins Wohnzimmer und die vier verschleierten Frauen in das Zimmer der Frauen.

"Hast du den Jungen gesehen? Ist er nicht hübsch?" flüsterte Soraya.

"Tatsächlich, und wer ist er?" flüsterte Emina zurück.

"Dein Verlobter! Wenn die Väter zustimmen. "

"Shila! Ich würde gerne das Gesicht deiner Tochter sehen! " sagte die verschleierte Frau.

"Natürlich! Emina! Zeige deiner zukünftigen Schwiegermutter dein Gesicht! "sagte Shila.

Emina löste langsam den Schleier und hob den Kopf an. Die verschleierte Frau kam auf sie zu und nickte.

"In der Tat sie ist ein wunderschönes arabisches Mädchen, wie alle sagten. Ich hörte, dass sie in Europa aufgewachsen ist? “

"Stimmt, aber sie ist ein anständiges, gehorsames muslimisches Mädchen! Sie weiß alles, um eine gute arabische Ehefrau zu sein!", sagte Soraya.

"Ihr Vater und ihre Mutter sind Araber. Sie trägt seit einem Jahr einen Schleier und seitdem bist du die erste, die ihr Gesicht sieht. Dein Sohn passt gut zu ihr! Sie ist kultiviert und klug, nicht nur schön! "sagte Shila.

Die zukünftige Schwiegermutter sprach kurz mit der Braut. Sie stellte ihr Fragen über Religion, Ehe und sie schien mit den Antworten zufrieden zu sein. Emina war glücklich. Ihr Vater hielt sein Versprechen. Sie bekommt einen gutaussehenden Mann, der sie glücklich machen wird und sie kann ihn glücklich machen. Sie zog langsam den Schleier wieder vor ihr Gesicht. Es hatte geklopft. Sie gingen hinaus, die beiden Väter und der stattliche junge Mann standen dort. Die verschleierte Frau sprach:

"Alles ist in Ordnung, mein Sohn. Deine Braut ist schön und klug. Du kannst sie heiraten! "

"Die Hochzeit wird nächste Woche stattfinden", sagte Anvar.

"Es tut mir so leid, dass meine Schwester mich schon verlassen muss, aber ich hoffe, dass wir uns oft besuchen können und du erzählst mir dann, wie es ist eine Ehefrau zu sein.", flüsterte Soraya.

"Das werde ich, versprochen! Und dann werden wir auch zu deiner Hochzeit kommen!", versprach Emine.

"Das hoffe ich doch! Aber es kann noch ein weiteres Jahr dauern! Bis dahin könntest du schon Mutter sein."

"Ich hoffe es!" flüsterte das schwarz verschleierte Mädchen zurück.