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Die Hochzeit von T_G

Julia Lehrer und Bazla Arslan waren gute Freundinnen. Die beiden 18-jährigen Mädchen gingen vier Jahre lang gemeinsam zur Schule. Sie teilten sich ein Zimmer in einem Schülerwohnheim. Bazla lehrte Julia die arabische Sprache und erzählte ihr viel über die Kultur ihrer Heimat. Sie nannte Julia immer Jalia, denn es klang auf Arabisch besser. Als sie ihr Examen erfolgreich abgeschlossen hatten, sagte Bazla:

"Ich lade dich zu meiner Hochzeit ein, Jalia!"

"Du willst doch nicht etwa heiraten", lachte Julia.

"Natürlich will ich heiraten, aber mein Bruder muss vor mir heiraten. So kann es noch mehrere Monate dauern, bis ich heiraten darf. Komm bitte mit, ja? Natürlich musst du auf der Hochzeit einen Schleier tragen! “

"Schleier? Du trägst doch auch keinen Schleier! “

"Nicht in der Schule, aber wenn ich in den Ferien heimkam, immer. Ich zeige ihn dir! ", sagte Bazla. Sie zogen sich aus und kleideten sich wie Muslimahs. Zuerst zogen sie die schwarze Unterwäsche mit dem langen Höschen an, dann die Schuhe, die Abaja, die Handschuhe, den Hijab und schwarze Handschuhe. Der Niqab, den sie dann anlegten, machte sie zu perfekte, anonyme Kegel. Selbst ihre Augen wurden hinter einer durchsichtigen Stoffschicht versteckt. Zu guter Letzt kam darüber auch noch eine Burka. Nun sahen sie in die Welt durch zwei ovale kleine Netze vor ihren Augen.

"Schau dich an Jalia, was für ein schönes arabisches Mädchen du geworden bist!" Bazla lachte und zog sie vor den Spiegel. Julia sah nur zwei identische schwarze Gestalten im Spiegel. Als sie ihre Arme ausstreckte, sah sie aus wie eine schwarze Fledermaus. "Und nun wollen wir beiden arabischen Mädchen im Stadtpark spazieren gehen! Komm schon, Jalia, lass uns gehen! "Bazla lachte.

Die beiden verschleierten Mädchen saßen auf einer der Parkbänke und unterhielten sich auf arabisch. Julia empfand die schwarzen Schleier anfangs als unbequem, zu schwer und zu warm. Doch sie begann sich langsam daran zu gewöhnen, sie zu tragen. Die Sicht verbesserte sich etwas, obwohl die beiden kleinen Netze der Burka ihr Blickfeld stark einschränkten und alle Farben grau waren. An einem Kiosk kauften sie sich eine Cola. In den schwarzen Handschuhen war es schwieriger, das Cola-Glas zu fassen und unter all dem Stoff zu trinken war nicht leicht. Bazla musste lachen, als ihre Freundin versuchte durch das dünne Plastikrohr zu trinken.

"Du musst noch üben, Jalia. Aber du wirst es bald hinbekommen, keine Panik!"

"Es ist wirklich nicht einfach, diese Schleier zu tragen. Sie sind so schwer und heiß. Ich will sie nicht mehr länger tragen! Ich schwitze und kann kaum noch atmen."

"Komm schon, gib doch nicht so schnell auf! Du wirst bald sehen, wie schnell du dich daran gewöhnt hast. Natürlich ist es in meinem Land viel wärmer, aber das ist nur eine Frage der Gewohnheit. Auch nachts läuft die Klimaanlage noch. “

"Heißt das etwa, wir müssen auch in den Schleiern schlafen?", frug Julia ungläubig.

"Natürlich! Wir leben darin, bis wir sterben. Nur zum morgendlichen Bad nehmen wir sie ab, um uns dann mit frischen Schleiern zu bedecken. Wir essen, trinken, schlafen und lieben in ihnen. Du wirst dich schnell daran gewöhnen! Siehst du diese beiden jungen Männer, Jalia? Der eine ist mein Bräutigam, der andere mein Bruder. Hübsche Jungs, nicht wahr?"

"Der Vorteil des Schleiers ist, dass ich die Männer selbst in aller Ruhe betrachten kann. Niemand bemerkt es und wenn doch, weiß derjenige nicht, wer hinter dem Schleier steckt. ", dachte Julia fröhlich. Sie begann sich langsam in den Schleiern wohl und beschützt zu fühlen und sie dachte nicht mehr darüber nach, was Bazla ihr erzählt hatte, auch hatte sie die Hitze unter den Bergen von Stoff ganz vergessen. Die beiden jungen Männer kamen zu ihnen.

"Hallo, Schwesterherz! Ist sie die Freundin, von der du mir erzählt hast?", frug ihr Bruder. Bazla stand auf, verbeugte sich und sagte: "Willkommen lieber Bruder! Ja, das ist sie. Sie freut sich schon sehr auf deiner Hochzeit dabei zu sein! "

"Und du hast ihr gesagt, dass die Hochzeit in Saudi-Arabien stattfinden soll?"

"Das hat sie nicht gesagt!" Julia stand überrascht auf.

"Habe ich vergessen es zu erwähnen? Ich dachte, dass wäre dir klar! Deshalb tragen wir doch jetzt die Schleier, damit du dich an sie gewöhnen kannst. Wenn wir zu mir nach Hause reisen, musst du dich doch verschleiern.!"

"Ich will in zwei Tagen heiraten. Also müssen jetzt sofort los! "

"Davon hast du mir nichts gesagt!" Julia schüttelte ihren verschleierten Kopf.

"Stimmt, aber mach dir keine Sorgen, alles, was du brauchst, ist in deiner Tasche. Wenn etwas fehlen sollte bekommst du es von meiner Mutter! "

Sie ergriff die behandschuhte Hand ihrer Freundin und sie folgten den beiden Männern. Nach einem kurzen Fußweg erreichte sie das Auto. Die beiden Männer stiegen vorne ein und Bazla öffnete eine der Hintertüren. "Komm Jalia! Steig in den Wagen! "

"Warum sitzen wir im Fond?"

"Möchtest du vielleicht fahren?"

"Ich habe einen Führerschein!"

"Und hast du schon einmal ein Auto verschleiert gefahren? Setz dich nach hinten! Das ist der Platz für arabische Mädchen!“, befahl Bazla ihr.

"Ich bin kein arabisches Mädchen!" protestierte Julia zaghaft, doch sie stieg gehorsam ein.

"Wenn du willst, schau dich im Spiegel an, du verschleiertes arabisches Mädchen und ich erwarte, dass du dich wie eine gute, gehorsame Muslimah aufführst, basta!" sagte Bazla mit einem drohenden Unterton.

Als Julia eingestiegen war, setzte sich Bazla neben sie und schloss die Tür. Ein lauter Klick und die Tür war verriegelt. Als Julia versuchte, sie zu öffnen, erklang ein leises Summen und ein weiterer Klick. Der automatische Sicherheitsgurt hatte sie gesichert. Schon bald hielten sie neben einem eleganten Privatjet. Julia wurde zur Rückseite der Kabine geführt, in der sie noch mehr verschleierte Frauen vorfand. Es waren Bazlas Mutter und zwei ihrer Geschwister. Sie waren wie Julia und Bazla verhüllt.

"Bazla! Ist das diejenige, von der du gesprochen hast? Ich sehe, dass es wie ein wahres muslimisches Mädchen aussieht, das ordnungsgemäß verschleiert ist. Wie wird sich ihr Verlobter freuen, wenn er sie endlich heiraten kann! " sagte die verschleierte Frau.

"Ja! Unser Bruder wird glücklich sein, wenn du seine Frau wirst, und er wird dich glücklich machen!", sagten die beiden verschleierten Mädchen und kicherten.

"Wovon reden sie?" Julia war schockiert.

"Hör nicht auf sie! Zwei dumme Hühner! Die wissen nicht einmal, was das bedeutet! Sie würden dich nur gerne als Braut auf der Hochzeit sehen! " sagte Bazlas Mutter.

"Ihr solltet besser aufhören, dummes Zeug zu schwätzen! Meine Freundin ist schon ganz verwirrt von euren Dummheiten!", wandte sie sich an die beiden verschleierten Mädchen. Die beiden Mädchen störten nicht mehr, sondern flüsterten und kicherten nur. Julia lächelte sie an. Das monotone Dröhnen der Maschine ließ Julia einschlafen. Im Traum war sie die Braut. Sie wachte auf, als man an ihre Schulter rüttelten.

"Jalia, wach auf! Wir müssen aussteigen!" Das verschleierte arabische Mädchen beugte sich über sie. Julia wusste zuerst nicht, wo sie war. Dann erkannte sie, dass sie verschleiert in einem Flugzeug saß, dass sie zu einer Hochzeit bringen sollte. Nachdem sie durch den Ankunftsschalter gegangen waren, bestiegen alle einen Kleinbus. Der hintere Teil war durch eine Wand abgetrennt. Dort saßen die verschleierten Frauen. Nach einer weiteren langen Fahrt erreichten sie endlich das Haus des Bräutigams. Alle waren erschöpft von der langen Reise. Nach einem kurzen Abendessen und dem gemeinsamen Gebet gingen alle zu Bett.

Am nächsten Tag nach dem Frühstück führte Bazla Julia in einen Raum in dem ein wunderschönes weißes Hochzeitskleid hing. Es sah aus wie der schwarze Schleier, den Julia jetzt trug, nur weiß, voller Spitze, Rüschen und Perlen. Julia schaute sich fasziniert das schöne weiße Seidenkleid an.

"Ich werde sterben, wenn ich es nicht anprobieren darf!", dachte sie.

"Es war das Hochzeitskleid meiner Mutter. Probiere es an! Ich glaube, du wirst darin umwerfend aussehen! “ Julia wurde fast ohnmächtig vor Glück. Bazlas zwei Geschwister zogen sie nackt aus, und dann begannen die drei verschleierten Mädchen sie in dieses aufwendige, mehrschichtige Kleid zu kleiden. Schließlich konnte sie sich vor dem Spiegel bewundern. Das Hochzeitskleid stand ihr fabelhaft. Sie konnte sich kaum von ihrem Spiegelbild losreißen.

"Jetzt fehlt mir nur noch ein Bräutigam!" dachte sie fröhlich in ihren Schleiern.

"Du bist so eine schöne Braut?" Unser Bruder bringt die Papiere und den Imam mit, um dich zu heiraten, denn du sollst seine Frau werden!", sagten die Mädchen kichernd.

"Ich bin die Braut?" fragte Julia. Es fühlte sich seltsam vertraut an.

"Vergaß ich es zu erwähnen? Nicht wahr, ich trage mich schon lange mit dem Gedanken, dass du seine Frau wirst, Jalia, denn dann können wir uns immer sehen, wenn auch ich verheiratet bin.", sagte Bazla und zog die letzte Lage des Niqabs vor Julias Augen.

"Ja, ich will seine Frau werden!", sagte Julia. Es war plötzlich alles so vernünftig und klar. Sie würde sein gehorsames und gottgefälliges Weib werden, ihm stets gehorchen und Söhne schenken. Allah und ihrem Ehemann eine treue Dienerin zu sein, war ihr eine große Ehre.

Die beiden Mädchen stellten sich ihr zur Seite, weil sie in dem schweren Kleid kaum laufen konnte. Unter den dicken weißen Schleiern sah sie fast nichts. Sie begleiteten sie in einen Nebenraum. In dem anderen Raum wartete ihre Schwiegermutter, der Imam und ihr Bräutigam. Sie überreichten ihr Dokumente, die sie ohne nachzudenken unterzeichnete. Einer wies sie als Muslimin aus, der andere enthielt ihre neue Staatsbürgerschaft und in dem dritten verpflichtete sie sich, ihrem Mann gehorsam und treu zu sein.

Epilog

Jalia Arslan war eine glückliche Ehefrau.Sie hatte einen gut aussehenden Ehemann, der sie und ihre Kinder liebte. Niemals mehr sah man sie ohne Schleier. Nur ihr Mann war eine Ausnahme. Wenn ihr Mann nach Hause kam, fiel Jalia vor ihm auf die Knie und berührte mit ihrer verschleierten Stirn als Zeichen des tiefen Respekts die Schuhe ihres Mannes. Sie wusste nichts von dem Segnungspulver, dass in ihre Nahrung eingemischt wurde. Aber was war wohl besser, unter dem Einfluss eines Pulvers glücklich zu leben oder einen lausigen, unglücklichen, zweitklassigen Mann zu heiraten?