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Teil 1

Lise:

Auf dem Nachhauseweg folgten drei identische Kegel in angemessenen Abstand drei jungen Männern. Chan und ich hatten uns in den drei Wochen auf Zypern in streng verschleierte und sittsam gekleidete Frauen verwandelt. Vor dem Zu Bett gehen saßen wir zusammen, um unsere Abreise zu planen.

„Ach,Chan! Wie fühlst du dich, wenn du an unsere Abreise denkst?“ ,fragte ich sie. Chan war in allem, was sie tat, immer direkt und geradeaus.

„Ich habe mit Oma gesprochen und sie gebeten mir einen rechtschaffenen Ehemann zu suchen. Ich will hierbleiben und eine gute, muslimische Ehefrau werden. Hier bin ich glücklich und bin Teil einer riesigen und wundervollen Familie, die mich liebt und beschützt.“

„Chan! Was ist mit deinen Plänen? Du hast Abitur. Du wolltest doch studieren.“, sagte ich verblüfft.

„Und dann? Hier habe ich für mich herausgefunden, wie erbärmlich doch dieses Leben bei uns zu Hause ist. Die Tretmühle bis zum Abi und die Stolpersteine dahin, die sie uns Hartz4-Kindern in den Weg gelegt haben, haben mir gereicht. Ich hatte, wie du, nie eine Familie in der ich Geborgenheit fand und hier habe ich alles hundertfach. Ich gehöre hier hin.“, sagte sie.

Sie hatte ja so recht. Auch meine Sichtweise hatte sich drastisch verändert. Vor drei Wochen dachte ich nicht mal daran, ein Kopftuch zu tragen und heute Nachmittag lief ich als anonymer Kegel züchtig drei Schritte hinter einem Mann und fühlte mich dabei fantastisch. Nur wenn ich allein war und darüber sinnierte, bekam ich doch ein wenig Angst. Denn logisch war unser Verhalten nicht zu erklären. Dass wir uns angepasst kleideten, kann man noch unserer Höflichkeit anlasten, aber wie sich gleichzeitig auch unser Denken und unsere Maßstäbe so eklatant ändern konnten, in dem wir zu gehorsame und unterwürfige Frauen wurden, war dann doch für mich irgendwie absurd. War das hier eine islamische ‚Stepford-Variation‘ oder war etwas im Wasser oder in der Luft?

„Chan, lass uns unsere Sachen packen und nach Hause fliegen. Dort entscheiden wir dann in Ruhe, wie es mit uns weiter geht, okay?“, sagte ich. Chan erwiderte:

„Wie wir uns in diesen drei Wochen so drastisch verändern konnten, ist mir unerklärlich, ja schockiert mich teilweise und natürlich habe ich Angst vor solch einer wichtigen Entscheidung. Aber hier habe ich die Liebe und die Geborgenheit gefunden, die ich mein ganzes Leben so vermisst hatte. Ich kann hier nicht mehr fort. Egal wie hoch der Preis ist, den ich dafür zahlen muss, ich bleibe. Basta!“

Ich verstand sie so gut, auch mir fiel es schwer abzureisen. Aber ich hatte zu Hause Eltern, die mich liebten und trotz Hartz4 förderten und ich hatte mir geschworen, sie da raus zu holen. Heute war unser Abreisetag. Ich hatte mein schönstes Sommerkleid an und fühlte mich nackt und wehrlos den Blicken der Männer ausgesetzt. Mir wurde jetzt erst klar, wie tief ich hier schon verwurzelt war. Mich von den Frauen zu verabschieden, traf mich schon hart. Aber als Oma Ceylan mich in die Arme nahm, heulte ich wie ein Schlosshund und sie mit mir. Akay sollte Pit und mich nach Ercan bringen. Von Öktem fehlte jede Spur; das machte mich tieftraurig. Wir checkten in Ercan zum Flug nach Ankara ein. Von da aus wollten wir direkt nach Hause fliegen. Ich fühlte mich den ganzen Flug nach Ankara richtig mies. Mir fehlten meine Schleier und hier im Flugzeug mit all den fremden Männern zu sein, bereitete mir richtiges Unbehagen. Doch im Ankara Esenboga Airport mit den Massen von Menschen stand ich kurz vor einer Panik.

„Was ist denn bloß los mit mir? Beruhige dich doch mal. Es ist ein Flughafen, na und?“ sagte ich mir bereits zum hundertsten Mal. Der Zöllner nahm meinen Reisepass und sprach mich an: „Bitte, sehen Sie mich an!“ Doch ich schüttelte nur den Kopf und wühlte in meiner Handtasche nach einem Tuch, um mich zu bedecken. Das wurde von ihm leider total falsch aufgenommen und er rief nach der Security. Alles ging furchtbar schnell. Sie packten mich, fesselten mich und schleppten mich in eine Zelle. Dort lag ich nun, total desorientiert und jammerte:

„Oma! Bitte hilf mir! Ich will alles tun, was du verlangst.“ Stunden später öffnete sich eine Klappe am Boden der Tür und Tee und etwas Brei wurden herein geschoben. Bald ging das Licht aus und ich verbrachte meine erste Nacht in einer Gefängniszelle. Langsam verstand ich mich selbst nicht mehr, denn hier war ich froh, sicher und versorgt und weggesperrt zu sein. Hauptsache weg von all diesen fremden Männern. Am nächsten Morgen brachte mir eine Wärterin mein Gepäck. Freudestrahlend zog ich meine geliebten Kleider und Schleier an. Zum Schluss hatte ich den Ruband von Öktem in der Hand. Dann bekam ich Besuch von einem Angestellten der deutschen Botschaft. In seiner Begleitung waren ein Rechtsanwalt und eine Dolmetscherin.

„Guten Morgen, Frau Wehner, mein Name ist Schröder und ich bin von der deutschen Botschaft und das ist ihr Anwalt Dr. Erten und Frau Ergun ist unsere Dolmetscherin.“ Ich begrüßte den Anwalt auf türkisch, woraufhin die Dolmetscherin feststellte, dass sie wohl nicht gebraucht würde. Dann erfuhr ich vom Anwalt, dass gegen mich ein Verfahren wegen Drogenschmuggels lief. Ich war total verwirrt. Ich hatte noch nie etwas mit Drogen zu tun gehabt und ich möchte einfach wieder zu Oma Ceylan, sagte ich unter Tränen. Ich erzählte ihnen von meiner Zeit in Magosa und dass sie mich bitte wieder dorthin zurück schicken sollten. Ich war vollkommen am Ende. Ich hatte mich völlig verschätzt. Die letzten Wochen hatten mich viel mehr verändert, als ich wahr haben wollte. Die Herren konnten mit meinem wirren Geplapper nichts anfangen. Der Anwalt sagte nur:

„Hier kommen wir nicht weiter. Ich werde die Ceylan in Magosa kontaktieren.“ Sie gingen und eine Wärterin schob mein Frühstück durch die Klappe. Ich war allein und wieder betrachtete ich meinen Ruband. Meine Brust schnürte sich vor Sehnsucht nach Öktem zu. Warum hatte ich ihn nur verlassen.

Teil 2

 

Drei Tage saß ich nun in meiner Zelle. Ich vermisste die Gesellschaft von Oma, Fatma und Selma, doch sonst empfand ich es gar nicht so schlimm in meiner Zelle. Zum Glück hatte ich den Koran von Oma. So vertrieb ich mir die Zeit mit den Gebeten und Koran lesen. Chan hatte es sofort begriffen, ich musste wohl erst einen Umweg in eine Gefängniszelle machen: Meine Bestimmung war es die Frau von Öktem Ceylan zu werden. Ich hatte mal große Träume von einer Karriere, nun wollte ich nur noch eine gute, gläubige Ehefrau und Mutter sein, wie Oma und Fatma. Doch alles sollte etwas anders kommen. Ich hatte gefrühstückt, als die Tür sich öffnete und Schröder und Anwalt Dr. Erten traten ein. Wir begrüßten uns und Dr. Erten sagte:

„Zuerst die schlechte Nachricht! Sie sind zu fünf Jahren Gefängnis oder auf lebenslange Bewährung verurteilt worden. Die Bewährung erhalten Sie aber nur, wenn sie sich der Scharia unterwerfen.“

„Ich verstehe Sie nicht! Was ist die Scharia?“, fragte ich.

„Die Bewährungsauflagen sind wie folgt: Übertritt zum Islam, die türkische Staatsbürgerschaft und Adoption oder Einheiraten in eine Familie, die vom Schariagericht ernannt wird.“, sagte der Anwalt.

„Eine Zumutung ist das. Einer jungen, modernen, deutschen Frau so etwas anzubieten.“ empörte sich Schröder. Der Anwalt zuckte nur mit den Achseln und sagte: „Haben Sie Frau Wehner schon mal näher betrachtet. Auf mich macht sie einen ziemlich islamischen Eindruck. Nun, wie lautet ihre Entscheidung?“ Ich nickte und sagte:

„Ich werde Muslimah und unterwerfe mich dem Schariagericht.“ Um meinen Worten Gewicht zu geben, legte ich den Ruband an. Schröder verließ empört meine Zelle. Ich hörte ihn noch so etwas wie ‚Blöde Kuh‘ nuscheln und er ward nie mehr gesehen.

Zu meiner Überraschung sagte Dr. Erten: „Dann packen Sie mal ihre Sachen, wir können dann gehen. Zuerst stelle ich dich dem Schariagericht vor.“ Ich packte schnell meine Sachen zusammen. Es war nicht viel, denn meine westlichen Klamotten, ließ ich in der Zelle zurück. Dann folgte ich stumm in mein Schicksal ergeben meinem Anwalt. Kaum betraten wir die Straße, wurde ich von lautem Getöse und stinkenden Verkehr empfangen. Doch dieses Mal war es anders als im Flughafen. Ich konnte total ausklinken, denn ich war geschützt unter meinen Schleiern und brauchte nur einem Mann mit drei Schritten Abstand zu folgen.

Im Auto sagte Dr. Erten: „Wir hatten Glück, dass Pit Müller gestanden hat, die Drogen in dein Gepäck platziert zu haben, sonst wärst du zu lebenslang verurteilt worden. Wir fahren jetzt zur Hacibayram Moschee, wo du die Schahada sprichst und da wirst dann direkt dem Scharia Gericht überstellt. Du sagst nichts, außer ich fordere dich auf zu sprechen, ist das klar. Nicken reicht!“

So nickte ich nur. In der Moschee konvertierte ich und bekam einen neuen Namen. Ich hieß nun Tahira. Danach saß ich stundenlang auf einer Bank und wartete. Als der Muezzin zum Gebet rief, kniete ich mich auf den nackten Boden und betete. Danach setzte ich mich und wartete und wartete und wartete. Irgendwann holte mich mein Anwalt ab.

„Du wirst nun einigen islamischen Rechtsgelehrten vorstellig. Wenn wir eintreten, stellst du dich in die Ecke, die ich dir zeige und du bleibst stumm. Wenn du gefragt wirst, nickst du oder schüttelst den Kopf.“, befahl er. Wir traten ein und ich stellte mich stumm in meine Ecke. Rechts von mir stand ein Schreibtisch an dem ein Mann mittleren Alters saß und weiter hinten saßen sechs Männer, die aussahen wie islamische Würdenträger. Auf dem Tisch lag meine Akte.

„Du bist Tahira? Heute konvertiert und neue türkische Staatsbürgerin?“ fragte er unvermittelt.

Ich nickte zweimal.

„Ich habe von der Familie Ceylan eine Email vorliegen, aus der hervorgeht, dass du in den vier Wochen dort, die islamische Lebensweise erlernt und gepflegt hast. Du hast sie nur verlassen, weil deine Eltern deine Unterstützung benötigen. Ist das korrekt?“

Ich nickte.

„Du bist mit einem gewissen Peter Müller zurück geflogen und wurdest am Airport wegen Drogenbesitzes verhaftet. Ist das korrekt?“

Wieder nickte ich nur.

„Es stellte sich heraus, das du nur unmittelbar in den Drogendeal involviert warst und wurdest statt lebenslänglich nur zu fünf Jahren Gefängnis, ersatzweise lebenslange Bewährung, verurteilt. Ist das korrekt?“

Ich nickte.

„Aufgrund deines hervorragenden Leumund durch die hochangesehene Familie Ceylan und deines vorbildlichen Verhaltens während deiner Inhaftierung beschließt das Scharia Gericht folgendes: Tahira Wehner, du bist im Sinne das Islams ohne Schuld und wir übergeben dich an deinen Anwalt Dr. Erten mit der Auflage ihm als seine Ehefrau in islamischer Bescheidenheit zu dienen und zu gehorchen. Nimmst du das Urteil an.“

Ich nickte.

Ich musste noch einige Dokumente unterschreiben; mit Liselotte Wehner und mit Tahira Erten. Dann war ich seine Frau. Ich folgte ihm zum Auto.

„Wir fahren jetzt in den Dikmen Vadisi Park. Nimm den Ruband ab, dass erzeugt in Ankara noch zu viel Aufmerksamkeit und rede nur im absoluten Notfall. Ansonsten reicht es, wenn du nickst oder mit dem Kopf schüttelst. Hast du verstanden?“ Gehorsam nickte ich und nahm den Ruband ab. Da saß ich nun im Fond eines Pkw. Ich hieß nun Tahira Erten und war Türkin. Mein Ehemann nach islamischen und türkischen Recht war der Anwalt Dr. Süleyman Erten. Wir erreichten unser Ziel und ich folgte ihm schweigend durch den Park.

Nach einigen Minuten erreichten wir ein Restaurant und wurden mit Getöse von den Männern begrüßt. Zwei Frauen, die wie ich bis auf ein winziges Gesichtsdreieck verschleiert waren, kamen auf mich zu und führten mich ins Restaurant. Ein schmaler Streifen vom Saal wurde von einem langen Paravent abgetrennt, hinter dem sie mich führten. Dort saßen alle Frauen eng gedrängt auf dem Teppich bei einander. Eine von ihnen saß auf einem Stuhl und sagte zu mir:

„Willkommen, meine Tochter! Ich heiße Kamilah, ich bin Süleymans Mutter!“ Ich kniete mich stumm vor sie, nahm ihre Hand, küsste sie und drückte sie an meine Stirn.

„Ich sehe du bist gut erzogen! Lass dich umarmen, mein liebes Kind.“ Ich durfte mich zu ihren Füssen niederlassen und eine der Frauen reichte mir Tee, etwas Gebäck und ein Shisha-Röhrchen. Während die Männer laut feierten, saßen wir Frauen still hinter dem Paravent.

Teil 3

Stunden später rief mich mein Mann und ich eilte zu ihm. Ich folgte ihm zurück zum Parkplatz und er sagte: „Wir fahren jetzt zu deinem neuen Zuhause, nach Hamamönü, das ist in der Altstadt. Ich bin sicher, es wird dir gefallen.“ Ich nickte und stieg ein und er fuhr los. Angekommen parkte er in einer Tiefgarage vor der Altstadt, dann musste ich ihm durch enge Gassen und steile, hohe Stufen folgen, bis wir vor einem massiven Holztor standen. Er schloss auf und ich betrat meinen goldenen Käfig. Ich war überwältigt von seiner Schönheit. Mich empfing ein kleiner Hof mit einem Springbrunnen und einigen Sitzgelegenheiten. Dann betraten wir ein großes Wohnzimmer. Er sagte: „Den unteren Teil des Hauses darfst du nur mit meiner oder meiner Mutter Erlaubnis, sittsam vor den Blicken der Männer bedeckt, betreten. Darüber sind die Zimmer für euch Frauen. Komm ich zeig es dir.“ Wir gingen eine schmale und enge Wendeltreppe hoch. Um ihm zu folgen, musste ich meine Schleier und Kleider zusammenraffen und mich durch quetschen. Ich war froh, wie ich heil oben ankam. Er führte mich in eines der Zimmer. Es hatte gerade mal Platz für eine schmale Matratze, die zusammengerollt auf einer Kleiderkiste lag. Auf dem Boden lag ein Gebetsteppich. Durch ein kleines Fenster, dass mit einem kunstvoll, eng geschnitzten Holzgitter verschlossen war, konnte ich ohne selbst gesehen zu werden, auf den Hof schauen, wenn ich mein Gesicht nur dicht genug davor drückte. Der Muezzin rief zum Gebet.

„Tahira, es wird Zeit für das Maghrib! Danach komm nach unten.“ Er ging und ich fand das Bad, um mich vor dem Gebet zu waschen. Ich betete. Dann ging ich zu ihm.

„Jeden Abend nach dem Maghrib kommst zu mir, kniest dich vor meiner Tür und wartest. Wenn ich dich nicht bis zum Isha reingelassen habe, kannst schlafen gehen. Doch nun komm rein.“ Ich betrat einen Traum. Er hatte ein riesiges Zimmer mit allem Komfort und Luxus. Er zeigte auf einen Sessel und sagte:

„Zieh dich aus und leg deine Kleider hierhin. Dann geh ins Bad, lass Wasser in die Wanne und warte auf mich.“ Ich zog mich vor seinen Augen aus und er begutachtete mich, wie eine Preiskuh. Es war demütigend und ich wurde rot vor Scham.

„Du brauchst dich nicht zu schämen. Ich bin dein Ehemann, der einzige Mann, der dich nackt sehen darf. Oma Ceylan sagte mir, du wärst noch Jungfrau?“ Ich nickte und wäre am liebsten vor Scham in den Erdboden versunken.

„Nun geh schon ins Bad und lass Wasser ein.“, sagte er. So schnell ich konnte verschwand ich und er lachte. Er kam nackt ins Bad und stieg geradeaus in die Wanne und befahl mir mit reinzukommen und ihm den Rücken zu waschen. Er lobte mich, wie entspannend es sei und ich verlor langsam meine Scheu und er war sehr zärtlich zu mir. Eingehüllt in ein riesiges Badetuch beteten wir zusammen das Isha. Dann trug er mich auf sein Bett und wir liebten uns die ganze Nacht.

Ich hatte kaum geschlafen, da kam Kamilah und holte mich weg. Ich raffte so leise wie möglich meine Klamotten zusammen und folgte ihr nach oben.

„Wasch dich und zieh dich an, dann wird es Zeit für dein Fajr. Danach komm in die Küche.“ Während wir Frauen das Frühstück für die Männer zubereiteten, erfuhr ich von Kamilah, wer alles hier im Haus lebte. Sein Vater Ibrahim mit ihr, sein Bruder Rachid mit Ehefrau Selma mit ihrem kleinen Sohn Faruk und zwei Schwestern Jala und Kalila. Wie ich schwiegen auch die anderen Frauen, nur Kamilah, sie war jetzt meine neue Mutter, sprach das absolut Notwendige.

Die Männer kamen zum Frühstück und Kamilah, Selma und ich bedienten unsere jeweiligen Ehemänner aufmerksam. Mit den Resten zogen wir uns dann zurück und hatten endlich etwas Zeit für uns. Kamilah reichte mir einen Block auf dem stand, wenn du eine Frage oder Bitte hast, schreib sie auf. So schrieb ich:

„Meine Eltern warten in Deutschland auf mich. Ich muss ihnen sagen, dass es mir gut geht.“ Sie schrieb zurück:

„Mach dir keine Sorgen. Akay Ceylan ist bei Ihnen. Er sagt Ihnen nicht, dass du im Gefängnis warst, damit sie sich nicht unnütz sorgen, sondern, dass du dich spontan zur Ehe mit Süleyman entschlossen hättest und sehr glücklich bist. Dein Mann und du würdet sie bald besuchen kommen.“ Ich wollte sie fragen, wann… Doch sie gab mir zu verstehen, dass sie nicht mehr schreiben wollte und ich musste mich fügen. Was hätte sie mir auch sagen können, natürlich wusste sie auch nichts genaues. Nur die Männer bestimmten, was geschieht.

Die nächsten Monate lernte ich die Pflichten einer unterwürfigen und gehorsamen Ehefrau. So manche Nacht durfte ich meinem Ehemann beiliegen und mit jeder Nacht wuchs meine Liebe zu ihm. Dann war wieder Ramadan und da erst wurde mir bewusst, dass ich schon fast ein Jahr verheiratet war und meine Periode setzte aus. Bald war ich mir sicher, dass ich schwanger war. Ich offenbarte mich als erstes Kamilah, wie es sich für eine Tochter gehörte. Selbstverständlich übernahm sie sofort die Initiative.

Ich verlor noch den letzten Rest an Selbstbestimmtheit. Ich hatte schwanger zu sein und meinem Mann einen Sohn zu schenken, sonst nichts. Ich durfte nur noch leichte Arbeiten im Haushalt verrichten und auch nur die, die direkt meinem Mann dienten. Alle körperlichen Anstrengungen wurden mir untersagt, stattdessen sollte ich stundenlang im Koran lesen. Doch ich war nicht dumm. Ich schrieb jeden Tag einen Zettel voll mit Fragen über den Islam. Das führte zu einigen hitzigen Diskussionen zwischen den Männern, doch am Ende einigten sie sich darauf, mich einmal in der Woche zum Islamunterricht zu schicken, damit ich lernte seinen zukünftigen Sohn auch ordentlich im Glauben zu erziehen. So kam ich zum ersten Mal nach fast einem Jahr wieder vor die Tür. Es war für mich ein unglaubliches Geschenk am Morgen, die zehn Minuten zur Koranschule hin und am Mittag wieder zurück gehen zu dürfen. Doch der Ramadan musste strikt eingehalten werden. Dass und meine Schwangerschaft waren zu viel für mich und ich musste dann doch zu Hause bleiben. Ich war schon lange keine Lise mehr und so fügte ich mich schweigend und gehorsam in mein Schicksal.

Es wurde ein Mädchen, es war kräftig und gesund und wunderschön. Es sollte Sainab heißen. Alle freuten sich für mich und gratulierten mir. Aber es war nur ein Mädchen. Niemand sprach es aus, doch es war als würde ein Schwert über meinem Kopf schweben. Wie immer war es Süleyman, der mich tröstete und seine schützende Hand über mich hielt. Dann kam der Tag unserer Abreise nach Deutschland. Ich war immer noch Deutsche und er war mein Ehemann, so konnten wir mit unserer Tochter problemlos nach Deutschland einreisen. Er sollte dort für die erstarkende Bruderschaft arbeiten und an der Ausbreitung des Islams mitarbeiten. Als er mir sagte, wir würden In Köln leben, wäre ich vor Glück beinahe geplatzt.

Epilog: Köln-Porz Mein Köln, ich bin wieder zu Hause! Meine Eltern holten uns vom Flughafen ab. Was für ein Glück, ich heulte vor lauter Freude. Sie waren nun Oma und Opa und waren außer Rand und Band, wie sie ihre kleine Enkelin sahen. Da war das Eis gebrochen, mein Vater umarmte Süleyman und nannte ihn Sohn und Süleyman erfüllte in den nächsten Wochen seine Pflichten als Sohn. Vater bekam Arbeit bei der Bruderschaft. Bald konvertierten meine Eltern schließlich. Wir lebten nun alle zusammen in einem großen Haus. Ein Jahr später wurde unser Sohn Jussuf geboren. Unsere Familie wuchs und alle waren glücklich.